Geschrieben von Cynthia Mercier
Physikalische Rehabilitation spielt eine zentrale Rolle bei der Erholung von Patienten mit orthopädischen, neurologischen und geriatrischen Erkrankungen. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Aspekte eines wirkungsvollen Rehabilitationsplans und zeigt, welche Rolle Tiermedizinische Fachangestellte (TFAs) auf dem Weg eines Patienten zu Gesundheit und Wohlbefinden spielen können.
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In der Humanmedizin hat sich die Physiotherapie als erfolgreicher Bestandteil zahlreicher Rehabilitationsprogramme für Patienten mit Verletzungen und chronischen Erkrankungen etabliert. Gleiches gilt aber auch für den Veterinärbereich, wo die Behandlung orthopädischer und neurologischer Erkrankungen mit individuellen Rehabilitationsprogrammen zweifellos ihre Berechtigung hat und über die letzten Jahre zunehmend an Popularität gewonnen hat. Die Vorteile der physikalischen Therapie sind sehr vielfältig und umfassen unter anderem die Wiederherstellung von Mobilität und das Schmerzmanagement bei chronischen Krankheiten [1]. Die im Bereich der Rehabilitation eingesetzten Techniken und Methoden sollen unter anderem Schmerzen lindern, die Durchblutung fördern, und Schwellungen reduzieren. Die generelle Empfehlung lautet, dass physische Rehabilitation von approbierten Tierärzt*innen durchgeführt werden sollte. Wenn es die örtlichen gesetzlichen Vorgaben zulassen, können rehabilitative Maßnahmen aber auch von TFAs mit Fachkenntnissen im Bereich physikalische Rehabilitation bei Tieren oder von zertifizierten Physiotherapeut*innen mit entsprechender Ausbildung in veterinärmedizinischer Anatomie und Physiologie durchgeführt werden. Wird eine physikalische Rehabilitation von einer Person ohne tierärztliche Approbation durchgeführt, sollte sie stets unter der Aufsicht oder mit einer Überweisung des Tierarztes oder der Tierärztin erfolgen, der/die auch für die Behandlung und die Nachsorge des Patienten verantwortlich ist [2].
Die Massagetherapie ist eine einfache, aber wirksame Technik zur Förderung der Bindung zwischen Tierhalter*innen und ihren Tieren. Es handelt sich um eine manuelle Behandlung von Weichteilgeweben, die positive mechanische, physiologische und psychologische Auswirkungen hat [3]. Eine Massagetherapie kann unter anderem vorteilhaft sein für Hunde, die an Osteoarthritis leiden, für Patienten in der postoperativen Phase einer orthopädischen Operation und für Hunde, die nicht gehfähig sind. Die übergeordneten Ziele sind eine Steigerung der Mobilität, die Verbesserung des Bewegungsausmaßes (Range of Motion; ROM) und eine Reduzierung von Steifheit. In der Literatur wird eine Vielzahl unterschiedlicher Techniken beschrieben, von denen hier drei erörtert werden: die Kompressionsmassage, die Triggerpunktmassage und die Friktionsmassage. Es wird empfohlen, jede Massagesitzung mit der so genannten Effleurage (Streichung) zu beginnen. Bei dieser Technik werden sanft, streichende Bewegungen auf der Zielregion ausgeübt, um die Durchblutung anzuregen, und dem Patienten die Gelegenheit zu geben, sich zu entspannen und sich an die Berührung zu gewöhnen [2].
Während man die Effleurage durchführt, wird die Hand über einen zu behandelnden Muskel gelegt und für die Dauer von 10-15 Sekunden wird mechanischer Druck ausgeübt, gefolgt von weiterer Effleurage und anschließend erneutem Druck (Abbildung 1). Diese alternierende Technik ermöglicht es dem Hund, sich zu entspannen, bevor die nächste Manipulation erfolgt. Der Nutzen dieser Technik besteht in der Erhöhung von Mobilität und Flexibilität des Gewebes und in der Förderung des Lymphflusses [2],[4].

Während der initialen Phase der Massage können verspannungsbedingte myofasziale Triggerpunkte festgestellt werden. Diese entstehen in der Regel durch die Ansammlung von Milchsäure, die eine Reizung motorischer Nerven verursacht [4]. Stellen Sie sich vor, Sie selbst erhalten eine Massage, und der Therapeut findet eine knotige Verhärtung in Ihrem Trapezmuskel, und Ihr Körper reagiert natürlich auf die Berührung. Mit der Triggerpunktmassage können diese Knoten gezielt behandelt und beurteilt werden. Dabei wird für die Dauer von 10-15 Sekunden Druck ausgeübt, gefolgt von einer Effleurage, und erneut wiederholter Druckausübung und so weiter. Der Vorteil dieser Technik besteht in der Förderung der Durchblutung und der Lockerung des betroffenen Muskels (Abbildung 2).

Die Friktionsmassage (Reibungsmassage) wurde von Dr. James Cyriax, einem renommierten humanmedizinischen Orthopäden, entwickelt. Diese Massagemethode konzentriert sich auf Weichteilgewebekomponenten wie Bänder, Sehnen und Muskeln, um deren Beweglichkeit und Elastizität zu erhalten und die Bildung narbiger Adhäsionen zu verhindern oder zu lösen [5]. Während manueller Druck auf den behandelten Bereich ausgeübt wird, werden kleine Drehbewegungen mit dem Daumen oder der Fingerspitze in einem 90-Grad-Winkel zu den Muskelfasern ausgeführt [2],[4] (Abbildung 3). Im Unterschied zur Standard-Friktionsmassage fördert die tiefe Friktionsmassage eine spontane Hyperämie [2].
Bei der Massage eines Hundes ist die ergonomische Haltung des/der TFA ebenso wichtig wie die Positionierung des zu behandelnden Tieres. Um einen möglichst hohen Komfort sowohl für den Hund als auch für den Therapeuten oder die Therapeutin sicherzustellen, muss der Hund in einem ruhigen Raum auf einem Tisch oder einer anpassungsfähigen Oberfläche bequem gelagert werden, normalerweise in Seitenlage. Das benötigte Equipment besteht unter anderem aus einer rutschfesten Matte, einem höhenverstellbaren Tisch und Decken.

Die enge Zusammenarbeit zwischen Reha-Team und behandelnden Tierärzt*innen ist die Voraussetzung für die Erstellung und praktische Umsetzung eines umfassenden und gut koordinierten Rehabilitationsplans. Tierhalter*innen können durch die aktive Einbindung in die Übungen zu Hause in ganz wesentlichem Maße zum Gesamterfolg des Therapieplans beitragen. Offene Kommunikationskanäle zwischen TFAs und Tierhalter*innen ermutigen dazu, Fragen zu stellen und bieten eine Plattform für eine fortlaufende Unterstützung, denn es ist wichtig, dass Tierhalter*innen das Gefühl haben, jederzeit um Hilfe oder Erläuterungen bitten zu können. Man unterscheidet grob zwei Arten von therapeutischen Übungen, nämlich passive Übungen und aktive Übungen. Die Wahl der Übungen hängt in jedem Einzelfall vom Patienten und seiner Vorgeschichte ab. Auch die Dauer und die Wiederholungsfrequenz jeder einzelnen Übung sollte sich an den Bedürfnissen des jeweiligen Patienten orientieren.
Das passive Bewegen von Gelenken hat in vielen Fällen eine wichtig therapeutische Funktion, z. B. bei Osteoarthritis, in der postoperativen Phase einer orthopädischen Operation, nach einer Verletzung oder bei älteren Patienten. Ziel ist es, die Flexibilität zu erhöhen, die Durchblutung zu fördern und die Heilung anzuregen. Passive ROM-Übungen (PROM) werden definiert als Bewegungen ohne Muskelkontraktion [2]. Es handelt sich also um Bewegungen der Gelenke durch eine äußere Einwirkung (z. B. durch einen Therapeuten), die eingesetzt werden, wenn ein Hund nicht in der Lage ist, entsprechende Bewegungen aus eigener Kraft auszuführen. PROM-Übungen bestehen im Wesentlichen aus zwei Komponenten: Flexion/Extension (Abbildung 4) und Fahrradbewegung. Wenn der Patient während der Behandlung zu irgendeinem Zeitpunkt Anzeichen von Schmerzen zeigt, wie z. B. einen Widerwillen gegen die Mitwirkung, Abwehrbewegungen oder andere Anzeichen von Stress, muss die Übung sofort abgebrochen werden. Schmerzen sind immer ein Signal dafür, dass die durchgeführte Aktivität zu anstrengend oder für den aktuellen Zustand des Tieres ungeeignet ist. In diesen Fällen sollte der Tierarzt oder die Tierärztin informiert werden, um die Situation zu beurteilen und den Rehabilitationsplan gegebenenfalls anzupassen oder eine zusätzliche Schmerzbehandlung einzuleiten.


Im Anschluss an die initiale Erholungsphase nach einem Trauma (einschließlich Operation) liegt der Schwerpunkt auf der Schmerzkontrolle, dem Management des Entzündungsgeschehens und der Einleitung sanfter aktiver ROM-Übungen. Sobald ein wirksames Schmerzbehandlungsprotokoll eingeleitet ist und das Tier ein zufriedenstellendes Wohlbefinden zeigt, kann das Aktivitätsniveau durch gezielten Einbau therapeutischer Übungen allmählich gesteigert werden [6]. In dieser Phase zunehmender Mobilität können einige Maßnahmen zur Verbesserung des Komforts und des Wohlbefindens vorgeschlagen werden. So ist zum Beispiel regelmäßiges Krallenschneiden unerlässlich, da zu lange Krallen die normale Biomechanik der Zehen und Pfoten beeinträchtigen können; Antirutschmatten im Haus verhindern Ausrutschen, das zu einer Beeinträchtigung des Selbstvertrauens des Tieres führen könnte (hier kann rutschfester Zehen- oder Krallenschutz nützlich sein); erhöht positionierte Futter- und Wassernäpfe sorgen für einen verbesserten Komfort des Patienten bei der Nahrungs- und Wasseraufnahme (Abbildung 5); auch Hebehilfen und Hundegeschirre erleichtern Bewegungen.

Aktive ROM-Übungen (AROM) werden definiert als Gelenkbewegungen, die mit einer Muskelkontraktion einhergehen, und können durchgeführt werden, wenn der Hund in der Lage ist, die entsprechende Bewegung selbst zu initiieren. Ziel ist es, das Bewegungsausmaß der Gelenke zu erweitern, die Flexibilität des Gewebes zu erhöhen und insgesamt die Funktion von Gelenken und Gliedmaßen zu verbessern [7]. Hier beginnt der Spaß! Mit wenig oder sogar ohne Equipment können ansprechende Übungen zu Hause durchgeführt werden. Drei gängige Beispiele für therapeutische Übungen sind Tanzübungen, Sitz-Steh-Übungen und Übungen mit Cavaletti-Stangen:






Durch enge Zusammenarbeit mit Spezialist*innen auf dem Gebiet der veterinärmedizinischen Rehabilitation können die Patienten von zusätzlichen therapeutischen Modalitäten profitieren. Elektrotherapie (NMES, TENS, therapeutischer Ultraschall) fördert unter anderem die Schmerzlinderung, die Muskelkontraktion und die Weichteilgewebeheilung [11]. Therapeutische Laser setzen Lichtwellen mit einer bestimmten Wellenlänge ein, die über eine so genannte Photobiomodulation zu einer Veränderung physiologischer Parameter von Zellen und Geweben führen – die Absorption von Licht durch zelluläre Komponenten triggert Elektronen und stimuliert Zellen, wodurch Prozesse wie Gewebewachstum, Proliferation, Migration und Reparatur gefördert werden [12]. Unterwasserlaufbänder (Abbildung 11) nutzen den Wasserwiderstand, um Kraft, Bewegungsausmaß und Ausdauer zu verbessern und gleichzeitig sorgt die Auftriebskraft des Wassers für eine Reduzierung von Gewichtsbelastung und Schmerzen [13].

Ernährung und Rehabilitation gehen Hand in Hand. Dank der Erkenntnis, dass Übergewicht und Adipositas ein potenzielles Risiko für die Entstehung anderer Erkrankungen bei Hunden darstellen, kann das Bewusstsein für diese Problematik bei Tierhalter*innen geschärft und die Bedeutung von Gesundheitsscreenings unterstrichen werden. Unterstützt durch die Ergebnisse zahlreicher Forschungsstudien mit Hunden können sich praktische Tierärzt*innen heute in verstärktem Maße für die Umsetzung wirksamerer Programme zur Vorbeugung von Adipositas und zur Förderung von Gewichtsabnahme einsetzen [14]. Das American College of Veterinary Nutrition (jetzt das American College of Veterinary Internal Medicine) hat den „Circle of Nutrition“ mit folgenden drei Komponenten entwickelt [15]:
Cynthia Mercier
Effiziente Rehabilitationsprogramme können für Tiere in vielen Situationen von Vorteil sein. In allen Fällen ist aber eine sorgfältige Überwachung unerlässlich, um gute Behandlungserfolge zu erzielen und das Wohl des Patienten in den Vordergrund zu stellen. TFAs verfügen über ein breites Spektrum an Fähigkeiten und können eine entscheidende Rolle spielen, indem sie ihr Fachwissen und ihre Kommunikationsfähigkeiten einsetzen, um sowohl Patienten als auch Besitzer*innen während des gesamten Rehabilitationsprozesses bestmöglich zu unterstützen.
RVT, CCRP, Royal Canin, Hawkesbury, Ontario, Kanada
Kanada
Cynthia Mercier schloss ihre Ausbildung zur Registered Veterinary Technician (RVT) 2011 am Boreal College in Ontario ab und erwarb anschließend ein Zertifikat für Canine Rehabilitation (CCRP) an der University of Tennessee. Über mehrere Jahre unterrichtete Sie Studierende der Tiermedizin und arbeitete in einer kleinen Praxis und einem Überweisungszentrum. Derzeit ist sie als Scientific Communication Technician bei Royal Canin tätig.
TFAs knnen eine wichtige Rolle bei der Erholung von Tieren nach orthopdischen und neurologischen Erkrankungen und bei der Behandlung lterer Tiere spielen.
Massagetherapie ist ein integraler Bestandteil eines multimodalen Behandlungsansatzes zur Schmerzkontrolle und Mobilittsverbesserung.
Therapeutische bungen sind eine wichtige Komponente von Rehabilitationsplnen fr zu Hause, wobei der Fokus auf effizienten Techniken und Methoden liegt, die nur wenig Equipment erfordern.
Jeder Reha-Patient bentigt einen geeigneten Ernhrungsplan, der auf seine individuellen Bedrfnisse abgestimmt ist, um optimale Therapieergebnisse zu erzielen.