Geschrieben von Candice P. Chu
Das grundlegende Verständnis der zytologischen Merkmale caniner Rundzelltumoren ist die Voraussetzung für eine genaue Diagnose und Prognose und für die Entwicklung wirksamer therapeutischer Strategien.
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Unter dem Oberbegriff Rundzelltumoren werden verschiedene Neoplasien zusammengefasst, die in der Veterinärmedizin häufig vorkommen, insbesondere bei Hunden. Zu dieser Kategorie gehören transmissible venerische Tumoren (TVT), Lymphome, Mastzelltumoren, Plasmazelltumoren und Histiozytome. Unter dem Mikroskop sind diese Tumoren durch ein rundes Erscheinungsbild der Zellen gekennzeichnet, jede Tumorart hat aber ihr eigenes spezifisches zytologisches Erscheinungsbild und spezifische klinische Merkmale. Dieser Artikel bietet einen kurzen Leitfaden für praktische Tierärzt*innen in erstbehandelnden Praxen und Kliniken. Erläutert wird, worauf bei den ersten Untersuchungen zu achten ist und welche Merkmale irreführend sein können und möglicherweise zu einer falschen Diagnose führen.
Beim TVT handelt es sich um eine einzigartige Form einer übertragbaren, kontagiösen Neoplasie, die bei Hunden vorkommt und durch direkten Kontakt, in der Regel bei der Paarung, übertragen wird. Vorwiegend betroffen sind die äußeren Genitalien, der Tumor kann aber auch an extragenitalen Lokalisationen auftreten. TVT-Zellen zeichnen sich durch ihre zytoplasmatischen Vakuolen aus, die als einzelne, punktförmige Strukturen zu erkennen sind und häufig als „Perlenschnur“ angeordnet sind (Abbildung 1).
Lymphome treten bei Hunden häufig auf, und eine vorläufige Diagnose kann in der Regel bereits im Rahmen der klinischen Untersuchung gestellt werden (Abbildung 2). In jedem Fall ist es jedoch ratsam, eine endgültige Identifizierung des Tumors vorzunehmen, da diese bei der Beratung der Besitzer*innen hilfreich ist, insbesondere hinsichtlich Therapie und Prognose. In zytologischen Befundberichten wird das diagnostizierte Lymphom häufig als „mittelzelliges Lymphom“, „mittel- bis großzelliges Lymphom“ oder „großzelliges Lymphom“ beschrieben. Diese Bezeichnungen können jedoch zu der missverständlichen Annahme führen, dass es sich beim „großzelligen Lymphom“ um einen eigenständigen Krankheitstyp handelt, tatsächlich gibt es auf der Grundlage der WHO-Klassifikation aber mehr als 30 Lymphom-Typen [1]. Viele dieser Tumoren könnten zytologisch tatsächlich als „großzelliges Lymphom“ diagnostiziert werden, das Erscheinungsbild und der genaue Immunphänotyp können aber sehr unterschiedlich sein, von indolenten (niedrig malignen) bis zu aggressiven (hoch malignen) Formen, und dementsprechend variiert auch die Prognose. Im vorliegenden Artikel konzentrieren wir uns auf einige Lymphome mit eindeutigen zytologischen Merkmalen, die bei der zytologischen Untersuchung ohne zusätzliche Tests erkannt werden können. Das Verständnis dieser Merkmale kann nämlich eine grobe Vorstellung von der möglichen Diagnose und Prognose vermitteln. Die vollständige Klassifizierung und die endgültige Diagnose caniner Lymphome können jedoch nur mit Hilfe des kombinierten Einsatzes von Zytologie, Histopathologie, Immunhistochemie und fortschrittlicher molekularer Tests (z. B. Durchflusszytometrie) erreicht werden.
Angesichts der zytologischen Ähnlichkeit und der prognostischen Unterschiede zwischen DLBCL und PTCL-NOS wird für die Bestätigung der präzisen Diagnose dringend eine Durchflusszytometrie oder eine histopathologische Untersuchung mit Immunhistochemie empfohlen.
Der Mastzelltumor ist der häufigste Hauttumor bei Hunden und macht 16,8 % aller kutanen Neoplasien bei dieser Spezies aus [5]. Das mittlere Alter bei Auftreten von Mastzelltumoren liegt bei etwa neun Jahren. Mastzellentumoren können bei allen Hunderassen auftreten, Boxer, Mops, Labrador Retriever, Golden Retriever und Weimaraner sind jedoch prädisponiert. Häufig treten die Tumoren solitär auf, sie können aber auch multipler Natur sein und finden sich typischerweise am Stamm (50 %), an den Gliedmaßen (40 %) sowie an Kopf und Hals (10 %). Das klinisch- dermatologische Erscheinungsbild kann von erythematösen alopezischen Zubildungen oder Plaques bis zu erhabenen Knötchen reichen (Abbildung 5) [5].
Zytologisch sind Mastzelltumoren gekennzeichnet durch zentral lokalisierte, runde Zellkerne mit violetten intrazellulären Granula, die in Größe und Anzahl variieren. Zu beachten ist, dass diese Granula bei Verwendung einer wässrigen Romanowsky-Färbung in der Praxis (z. B. Diff-QuickTM-Färbung) möglicherweise nicht sichtbar werden (Abbildung 6). Weitere häufig mit MCTs assoziierte Komponenten sind Kollagenfasern, eosinophile Granulozyten und Fibroblasten.
Die zytologische Klassifizierung, also das sogenannte Tumorgrading beurteilt, wie „normal“ oder „abnorm“ Tumorzellen unter dem Mikroskop aussehen, und ist ein entscheidender Aspekt bei der Diagnose von Mastzelltumoren. Im Allgemeinen gilt, je abnormer die Zellen erscheinen, desto aggressiver ist der Tumor und desto schneller wird er wahrscheinlich wachsen und streuen. Das zytologische Grading kutaner Mastzelltumoren beim Hund erfolgt durch eine Untersuchung auf verschiedene für neoplastische Zellen spezifische Kriterien und morphologische Merkmale wie Karyomegalie, Multinukleation, Kernpleomorphie und mitotische Figuren. Ein kürzlich erschienener Artikel beschreibt das Grading von Mastzelltumoren auf dem Wege der zytologischen Beurteilung der Granulation zusammen mit einer Reihe von weiteren Kriterien [6]. Eine schwache Granulation bei der zytologischen Beurteilung weist dabei im Wesentlichen auf einen High-Grade-Tumor hin. Wenn die Zellen gut granuliert sind, aber mindestens zwei der folgenden Kriterien erfüllen, würde dies jedoch ebenfalls auf einen High-Grade-Mastzelltumor hinweisen (Kasten 1):
In einer jüngsten Studie werden neue Kriterien für das zytologische Grading vorgeschlagen [7]. Laut dieser Studie können bei der Untersuchung von Objektträgern mit Romanowsky-Färbung zusätzliche Faktoren für die Klassifikation einbezogen werden, wie zum Beispiel Fibroblasten und Kollagenfibrillen. Eine moderate bis hohe Konzentration dieser Elemente lässt auf einen eher benignen Charakter schließen, einhergehend mit einer längeren Überlebenszeit und einem niedrigeren histopathologischen Grad.
Candice P. Chu
Die auch als Plasmozytome bezeichneten Plasmazelltumoren gelten bei Hunden als benigne Neoplasien. Im zytologischen Befund können diese Tumoren bei höherer Heterogenität als „hässlich“ erscheinen. Diese Tumoren treten häufig bei Hunden mittleren bis höheren Alters auf, und betreffen oft die Gliedmaßen und Bereiche des Kopfes wie die Lippen und die Ohrränder. Zytologisch zeigen sie eine charakteristische perinukleäre Aufhellung, die sogenannte Golgi-Zone, und können eine Bi- oder Multinukleation aufweisen. Ihre Zellkerne weisen oft verklumptes Chromatin auf, das als „Radspeichenstruktur“ erscheinen kann. Gelegentlich können Plasmazellen einen rosafarbenen Zytoplasmasaum aufweisen, und werden dann als „Flammenzellen“ bezeichnet (Abbildung 7).
Histiozytome sind gutartige Hauttumoren, die am häufigsten bei jüngeren Hunden im Alter von unter zwei Jahren gefunden werden. Sie treten als solitäre, derbe, kuppelförmige Zubildungen auf, die sich vorwiegend am Kopf und an den Gliedmaßen bilden und oft ulzeriert sind. Unter dem Mikroskop zeigen die Tumorzellen ein „Spiegelei“-artiges-Erscheinungsbild, mit blassblauem bis farblosem Zytoplasma und wenigen mitotischen Figuren (Abbildung 8). Histiozytome bilden sich oft spontan ohne Behandlung zurück.
Canine Rundzelltumore umfassen eine Reihe verschiedener neoplastischer Erkrankungen, die in der tierärztlichen Praxis relativ häufig vorkommen. Jeder Tumortyp weist einzigartige Merkmale auf, die spezifische Diagnose- und Behandlungsansätze erfordern. Das grundlegende Verständnis der zytologischen Merkmale caniner Rundzelltumoren ist die Voraussetzung für eine genaue Diagnose und Prognose und für die Entwicklung wirksamer therapeutischer Strategien.
DVM, PhD, Dipl. ACVP (Clinical Pathology), Assistant Professor, Texas A&M University, TX, USA
Vereinigte Staaten von Amerika
Dr. Chu ist Board-zertifizierte klinische Veterinärpathologin und Inhaberin einer Tenure-Track-Professur an der Texas A&M University. Ihre tierärztliche Approbation errang sie an der National Taiwan University in Taipeh City, Taiwan, und ihre Promotion (PhD) in Veterinary Pathobiology an der Texas A&M University, wo sie auch ihre Residency absolvierte. Ihr Forschungsinteresse gilt der Gen- und microRNA-Expression bei chronischer Nierenerkrankung, mit Focus auf microRNAs im Harn als Biomarker für chronische Nierenerkrankungen bei Hunden und Katzen, sowie künstliche Intelligenz (KI) in der digitalen Zytologie und klinischen Pathologie. Als innovative Pädagogin gründete sie die Instagram-Seite Vet.Clin.Path.Professor und unterrichtet Studierende der Tiermedizin und Tierärzt*innen weltweit in Zytologie.
Canine Rundzelltumoren umfassen eine Reihe verschiedener Neoplasien, die jeweils ihre eigenen zytologischen Merkmale und Prognosen aufweisen.
Das canine Lymphom manifestiert sich in verschiedenen Formen, wobei die berlebenszeiten und die Wirksamkeit der Behandlung je nach Tumorart erheblich variieren.
Mastzelltumoren sind der hufigste Hauttumortyp bei Hunden Prognose und Behandlung hngen vom Grad und der Lokalisation des Tumors ab.
Andere Tumorarten knnen hnliche zytologische Merkmale wie Rundzelltumoren aufweisen; im Zweifelsfall sollten die zytologischen Prparate einem klinischen Pathologen vorgelegt werden.