Geschrieben von Elizabeth Rozanski
Niesen bei Katzen ist ein bemerkenswert häufiger Grund für einen Besuch in der tierärztlichen Praxis. Ein Tierarzt, der mit einer Katze oder einer Gruppe von Katzen mit dieser Symptomatik konfrontiert wird, muss einen guten Überblick über sämtliche möglichen Ursachen haben und die verschiedenen diagnostischen und therapeutischen Optionen kennen.
Auf sozialen Medien teilen
Durch Niesen versucht der Körper, reizende Substanzen oder Objekte aus der Nase zu entfernen. Es handelt sich im Allgemeinen um einen unwillkürlichen Prozess. Einige Ursachen von Niesen sind selbstlimitierend, wie zum Beispiel der Aufenthalt in einem staubigen Keller, während andere fortschreitender Natur und sogar lebensbedrohend sein können.
Aus praktischen Erwägungen erscheint es mir sinnvoll, niesende Katzen in die beiden Kategorien „einfach“ und „komplex“ zu unterteilen. Hilfreich ist dies insbesondere, wenn es um die Wahl der für eine zur Untersuchung vorgestellte Katze am besten geeigneten diagnostischen Schritte geht. „Einfache“ Fälle sind in der Regel Katzenwelpen mit geringgradigen Infektionen der oberen Atemwege, während es sich bei den „komplexen“ Fällen meist um Katzen mit chronischer Erkrankung handelt, die sich beharrlich weigert, zu heilen oder um Fälle, in denen die Ätiologie trotz umfassender Diagnostik im Dunkeln bleibt. Dieser Artikel bietet einen kurzen Überblick für den praktischen Tierarzt, dem eine niesende Katze vorgestellt wird.
Wie bei nahezu allen Erkrankungen ist das Signalement des Patienten bei der Beurteilung einer niesenden Katze sehr hilfreich. Weitere anamnestische Schlüsselfragen, die ich Besitzern betroffener Katzen stelle, umfassen die Abklärung eines Zugangs nach draußen („Outdoor“-Katze?) oder eines möglichen Kontaktes zu anderen Katzen, aber auch die Dauer der klinischen Symptome, den allgemeinen Appetit des Patienten und seinen Aktivitätslevel sowie den Erfolg etwaiger vorangegangener Behandlungen. Wichtig ist zudem die Klärung der Frage, ob Nasenausfluss vorhanden ist, welche Charakteristika dieser aufweist und ob es sich um einoder beidseitigen Ausfluss handelt.
Fieber kann die Diagnose eines infektiösen Geschehens stützen, wobei virale Infektionen häufig mit höherem Fieber einhergehen. Eine Asymmetrie im Gesicht und ein fehlender Atemluftstrom aus einem oder aus beiden Nasenlöchern unterstützen die Diagnose einer Obstruktion der Nase. Hochgradige Zahnerkrankungen oder oronasale Fisteln können den therapeutischen Schwerpunkt in Richtung einer Behandlung zugrunde liegender Zahnund/oder Maulhöhlenerkrankungen verschieben. Vergrößerte Mandibularlymphknoten können ein Hinweis auf eine Infektion (z. B. Cryptococcus spp.) oder ein tumoröses Geschehen sein. Bei niesenden Katzen mit akutem, signifikantem Gewichtsverlust oder schlechtem Allgemeinzustand besteht der Verdacht auf eine schwerwiegendere systemische Erkrankung.
Niesen kann unzählige potenzielle Ursachen haben, die grob in die folgenden Unterkategorien eingeteilt werden können.
Katzenwelpen und junge Katzen neigen sehr stark zu Infektionen der oberen Atemwege, insbesondere, wenn sie zusammen mit Artgenossen in Tierheimen oder in kleinen Gruppen gehalten werden. Virusinfektionen breiten sich sehr leicht von Katze zu Katze aus. Eine Übertragung kann jedoch auch über Pflegepersonal erfolgen, das als Infektionsträger fungiert. Weniger häufige Ursachen von Niesen bei jungen Katzen sind nasopharyngeale Polypen (Abbildung 3), nasopharyngeale Stenosen, Fremdkörper und – selten – ein persistierender rechter Aortenbogen, der zu einer Ansammlung von Flüssigkeit im Ösophagus mit nachfolgendem nasalem Reflux führt.
Katzen, die ausschließlich oder überwiegend im Freien leben („Outdoor“-Katzen) neigen eher zu Traumata und Fremdkörpern als Wohnungskatzen. Katzen, die keiner frei lebenden Katzenkolonie angehören, bleiben oft von Atemwegsinfektionen verschont, da sie ein relativ einzelgängerisches Leben führen und nur selten Kontakt zu anderen Katzen haben.
Katzen mittleren bis fortgeschrittenen Alters erkranken mit höherer Wahrscheinlichkeit an Neoplasien. Ein Tumorverdacht besteht immer dann, wenn eine Katze im in Frage kommenden Alter und mit einer entsprechenden Symptomatik, aber ohne anamnestische Hinweise auf eine vorangegangene Erkrankung der Nase und der Atemwege vorgestellt wird. Bei vielen Katzen mit chronischer Rhinitis findet man im Vorbericht Hinweise auf ein offenbar gutes Ansprechen auf eine antibiotische Behandlung.
Bei älteren Katzen mit neu einsetzenden Symptomen entscheide ich mich meist für ein umfassenderes diagnostisches Work-up. Für die Untersuchung einer niesenden Katze stehen verschiedene diagnostische Optionen zur Verfügung. Die Wahl der Tests richtet sich im Einzelfall in erster Linie nach den Ergebnissen der klinischen Beurteilung des Patienten und nach den Wünschen des Besitzers [3].
Elizabeth Rozanski
Eine Allgemeinanästhesie ist für nahezu alle diagnostischen Maßnahmen im Bereich der Nase erforderlich. Bei niesenden Katzen ist in der Regel jedes der üblicherweise eingesetzten Anästhesieprotokolle akzeptabel. Der kaudale Oropharynx ist bei dieser Spezies jedoch sehr empfindlich, und eine Untersuchung dieser Gewebe kann zu Husten und Würgen führen. Für eine Biopsie oder Spülung in diesem Bereich sollten Katzen immer intubiert werden. Gazetupfer zur Austamponierung des Oropharynx müssen rechtzeitig vor dem Aufwachen des Patienten aus der Narkose wieder entfernt werden. Während der Aufwachphase sollten narkotisierte Katzen immer sehr eng überwacht werden.
Strategien zur Prävention von Niesen bei Katzen sind in erster Linie abhängig von der Ätiologie. Impfungen sind ein weithin verfügbares Instrument zum Schutz vor Infektionen mit Herpes- und Caliciviren. Interessanterweise zeigt eine neuere Studie [11], dass intranasale Impfungen gegen Viren auch zu einer wirksamen Linderung von Symptomen durch bakterielle Infektionen führen. Die Einführung einer neuen Katze oder eines Katzenwelpen in einen Haushalt, in dem bereits Katzen leben, sollte stets mit Vorsicht erfolgen [12], und eine ausreichend lange Quarantäneperiode für jedes neu hinzukommende Tier ist in diesen Situationen sicherlich ratsam.
DVM, Dip. ACVIM (SAIM), Dip. ACVECC
Vereinigte Staaten von Amerika
Dr. Rozanski schloss ihr Tiermedizinstudium 1992 an der University of Illinois in den USA ab und absolvierte anschließend ein rotierendes Internship an der University of Minnesota, gefolgt von einer Residency in Philadelphia an der University of Pennsylvania. Seit 1996 arbeitet sie an der Fakultät der Tufts University in den Bereichen Intensiv- und Notfallmedizin. Dr. Rozanski besitzt die Board Certification für Innere Medizin und Notfall-/Intensivmedizin und interessiert sich insbesondere für Erkrankungen der Atemwege mit den Schwerpunkten Asthma bei Katzen und Hunden sowie Lungenfibrose beim West Highland White Terrier. Sie ist Autorin zahlreicher Artikel zu den Themen Intensivmedizin und Atemwegserkrankungen und hält Vorträge auf nationaler und internationaler Ebene.
Bei älteren Katzen kann einsetzendes Niesen weiterführende diagnostische Schritte rechtfertigen, wobei sich die Wahl der Tests nach den Ergebnissen der klinischen Beurteilung und nach den Wünschen des Besitzers richtet.
Bei jungen, gesunden Katzen mit plötzlich einsetzendem Niesen liegt höchstwahrscheinlich eine infektiöse Ätiologie zugrunde. Die Symptome gehen in den meisten Fällen unabhängig von der gewählten Therapie zurück.
Bild gebende Verfahren, Biopsien und eventuell eine Rhinoskopie führen mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Diagnose. Eine PCR kann für die Bestätigung einer chronischen infektiösen Ursache hilfreich sein.
Niesende Katzen gehören zu den häufigsten Patienten in der Kleintierpraxis. Ein Tierarzt, der mit einem solchen Patienten konfrontiert wird, sollte die möglichen Ursachen, die diagnostischen Optionen und die therapeutischen Möglichkeiten kennen.