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Diabetes mellitus bei Hunden – was ist neu?

Geschrieben von Chen Gilor une Jose Estrada

Wenn Sie der Meinung sind, Diabetes mellitus (DM) sei schwierig zu managen, dann lesen Sie bitte hier weiter, denn das stimmt nicht. Dank der Verfügbarkeit von Basalinsulinen und neuer adjuvanter Therapieoptionen ist die Behandlung von DM bei Hunden heute einfacher denn je.

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5 - 15 min

Kernaussagen

Group 15 1

Die Entkopplung von Insulininjektion und Nahrungsaufnahme ist mit einmal täglich zu verabreichenden Basalinsulinen möglich und führt zu mehr Freiheit und Flexibilität sowie verbesserter Lebensqualität. 

Group 15 2

Als Ergänzung zu Insulin bieten SGLT2-Inhibitoren eine konsistente, insulinunabhängige blutzuckersenkende Wirkung, ihre Sicherheit und langfristige Wirksamkeit müssen jedoch noch weiter evaluiert werden.

Group 15 3

Der hypolipidämische Arzneistoff Fenofibrat verbessert die Darmbarrierefunktion bei diabetischen Hunden und kann intestinale und systemische Entzündungen reduzieren.

Group 15 4

Die kontinuierliche Glukosemessung (CGM) ist bei diabetischen Hunden unverzichtbar und gilt heute als Grundpfeiler eines modernen Diabetesmanagements bei Hunden.


Eine Person verabreicht einem ruhig liegenden Australian Shepherd mithilfe eines gelben Insulinpens eine Injektion.

Einleitung

Diabetes mellitus (DM) ist nach wie vor eine der häufigsten endokrinen Erkrankungen bei Hunden und stellt sowohl Tierärzt*innen als auch Tierhalter*innen vor anhaltende Herausforderungen (1, 2). Trotz der oft bereits im jungen Alter gestellten Diagnose und der Therapierbarkeit wirkte sich DM in der Vergangenheit negativ auf die Lebenserwartung und die Lebensqualität von Hunden sowie auf die Lebensqualität von Hundehalter*innen aus (1-3). Die Gründe hierfür liegen vor allem in der enormen Komplexität von Behandlung und Überwachung, aber auch im Vorliegen von Begleiterkrankungen und nicht zuletzt der sogenannten „Caregiver Fatigue“ („Betreuer-Burnout“, also ein Zustand emotionaler, körperlicher und geistiger Erschöpfung bei pflegenden Personen) (1,2). Dank neuer Behandlungsmöglichkeiten konnten diese Herausforderungen jedoch inzwischen erheblich abgemildert werden. Dieser Artikel liefert einen Überblick über die jüngsten Entwicklungen auf dem Gebiet des Diabetes mellitus bei Hunden und deren praktische Implikationen. Ziel ist es, praktischen Tierärzt*innen neue Instrumente an die Hand zu geben, die das Management und die Überwachung von DM erleichtern und die Chancen auf einen langfristigen Behandlungserfolg erhöhen. 

Historische Behandlung des DM

Seit vielen Jahrzehnten ist die Insulintherapie der primäre Ansatz zur Behandlung von DM, wobei überwiegend intermediär wirksame Insulinsuspensionen zum Einsatz kommen wie Schweine-Lente-Insulin, Protamin-Zink-Insulin (PZI) und neutrales Protamin-Hagedorn-Insulin (NPH). Diese Suspensionen weisen jedoch drei wesentliche Nachteile auf: 

  1. Eine erhebliche Tag-zu-Tag-Variabilität der Insulinwirkung aufgrund von Ungenauigkeiten der Dosierung (im Zusammenhang mit einem inkonsistenten Resuspensionsprozess und der Verwendung von Insulinspritzen) und infolge einer inkonsistenten Absorption aus dem subkutanen Depot; 
  2. Die Notwendigkeit der Nahrungsaufnahme zum Zeitpunkt der Injektion, um eine Hypoglykämie zu vermeiden; 
  3. Die Notwendigkeit, Insulin alle 12 Stunden zu verabreichen. (4). 

 

In der Kombination führen diese Einschränkungen zu starren, arbeitsintensiven und manchmal überfordernden Behandlungs- und Überwachungsprotokollen: Tierärzt*innen weisen die Halter*innen betroffener Tiere an, einen konsistenten Zeitplan einzuhalten, der die Verabreichung von Insulin (in exakten 12 Stunden-Intervallen) unmittelbar nach der Fütterung (mit stets derselben Art und Menge an Futter) vorsieht, wobei Snacks und Leckerchen weitgehend vermieden werden sollten. Kurzfristig mag eine gute Compliance mit diesen definierten Anforderungen zwar möglich sein, auf längere Sicht stellt dieses strikte Korsett jedoch eine nahezu unmöglich zu bewältigende Herausforderung dar, insbesondere wenn man bedenkt, dass viele Hunde gelegentlich genau zu dem Zeitpunkt, zu dem sie gefüttert werden müssen, eine vollständige Aufnahme der Mahlzeit verweigern. Zudem gehen diese Behandlungsprotokolle mit häufigen Kontrolluntersuchungen einher und erfordern oft monatelange Einstellungsphasen mit Dosisanpassungen, bis eine zufriedenstellende klinische Kontrolle erreicht ist (Abbildung 1). 

Eine Person mit blauen Handschuhen hält ein Blutzuckermessgerät, das einen Wert von 121 mg/dL anzeigt; oben ist ein Teststreifen eingeführt. Daneben wird eine Bulldogge von einer weiteren Person behutsam festgehalten und wirkt während der Blutzuckermessung ruhig.
Abbildung 1. In der Vergangenheit erforderte die Behandlung von Diabetes mellitus bei Hunden ein strenges Regime mit häufigen Kontrolluntersuchungen und oft monatelangen Dosisanpassungen, bis eine klinische Kontrolle erreicht war. © Shutterstock

Neue Entwicklungen 

In den letzten Jahren hat sich die Behandlung von DM bei Hunden in signifikantem Maße verändert. Auf der Grundlage von Fortschritten in der Humanmedizin werden in der veterinärmedizinischen Endokrinologie heute zunehmend innovative pharmakologische Ansätze und neue Monitoringstrategien eingesetzt, die das Potenzial haben, sowohl die Prognose als auch die Lebensqualität bei diabetischen Hunden zu verbessern. Zu den bemerkenswerten Innovationen in diesem Bereich gehören Basal-Insulinanaloga (die die Notwendigkeit einer Fütterung zum Zeitpunkt der Injektion überflüssig machen und nur einmal täglich in einem relativ flexiblen Zeitintervall verabreicht werden müssen), Natrium-Glukose-Cotransporter-2-Inhibitoren (Sodium-Glucose Cotransporter-2 Inhibitors; SGLT2i) und adjuvante Wirkstoffe wie Fenofibrat (5-9). Jede dieser Optionen stellt einen einzigartigen Ansatz zur Adressierung der komplexen Pathophysiologie von DM dar, da sie sich auf unterschiedliche Aspekte fokussieren wie die Optimierung der Insulinzufuhr, die Reduzierung der renalen Reabsorption von Glukose, die Modulation von Appetit und Sättigung sowie die Reparatur von Dysfunktionen der intestinalen Barriere, die zu systemischer Entzündung beitragen können (5-9). Während Insulin auch weiterhin ein Grundpfeiler der Behandlung bleibt, spiegelt die Integration von SGLT2-Inhibitoren und Fenofibrat in das therapeutische Gesamtkonzept – ergänzt durch die kontinuierliche Glukosemessung (Continuous Glucose Monitoring; CGM) – eine Verlagerung in Richtung eines multimodalen, physiologiebasierten Behandlungsansatzes wider. 

Kontinuierliche Glukosemessung

Die Fortschritte in der DM-Therapie werden durch den vermehrten Einsatz von CGM-Geräten (Abbildung 2) (10) in signifikantem Maße unterstützt. Die kontinuierliche Glukosemessung liefert Echtzeit-Einblicke in die glykämische Variabilität und zeigt sehr effektiv Muster auf, die mit traditionellen Glukosekurven nicht erfasst werden können. Dadurch lässt sich die Therapie viel schneller und sicherer optimieren als dies bisher möglich ist. Ein umfassendes Verständnis der Glukosedynamik im häuslichen Umfeld des Patienten ist entscheidend für die Evaluierung neuer Therapien, die Individualisierung von Behandlungsansätzen und die Gewährleistung einer hohen Patientensicherheit (10). Eine umfassende Diskussion der CGM würde den Rahmen dieser Übersicht sprengen, im gesamten Artikel wird immer aber wieder auf die Integration dieser Methodik als grundlegende Überwachungsmodalität eingegangen. Bei korrekter Anwendung (einschließlich täglicher digitaler Fernüberwachung) bietet die CGM einige entscheidende Vorteile wie eine allgemeine Kostensenkung für die Tierhalter*innen, weniger Besuche in der tierärztlichen Praxis und letztlich eine verbesserte Lebensqualität. 

Ein kleiner Sensor für das kontinuierliche Glukosemonitoring (CGM) ist auf einer rasierten Hautstelle am Rücken eines braunen Hundes befestigt.
Abbildung 2. Geräte zur kontinuierlichen Glukosemessung werden von den meisten Hunden gut toleriert; sie liefern Echtzeit-Einblicke in die glykämische Variabilität und zeigen Muster auf, die mit traditionellen Glukosekurven nicht erfasst werden können. Dadurch lässt sich die Behandlung schneller und mit weniger Interventionen optimieren als mit traditionellen Methoden. © Chen Gilor und Jose Estrada

Basalinsulin-Formulierungen

Rekombinante Basalinsulin-Formulierungen sind so konzipiert, dass über einen Zeitraum von mindestens 24 Stunden eine konstante Insulinwirkung (d. h. ein Zeit-Wirkungsprofil ohne Peaks) mit geringer Tag-zu Tag-Variabilität erzielt wird. Jüngste Studien evaluieren die praktische Anwendung dieser Formulierungen bei Hunden und zeigen vielversprechende Ergebnisse (7, 8). Aufgrund der geringen Tag-zu-Tag-Schwankungen kann mit Hilfe einer Überwachung mittels CGM eine schnelle Dosistitration erreicht werden, wobei ein relativ niedriger Nadir (50–60 mg/dl oder 2,8–3,3 mmol/l) angestrebt wird. Bei den meisten Hunden wird unter Einsatz der CGM eine adäquate glykämische Kontrolle mit einer einmal täglichen Applikation von Basalinsulinen innerhalb von weniger als drei Wochen und ohne Nachkontrollen in Präsenz erreicht (Abbildung 3). Nach Einstellung der geeigneten Tagesdosis kann der genaue Zeitpunkt der täglichen Injektion flexibel gewählt werden, mit einem Zeitfenster von etwa 2–3 Stunden um den üblichen Zeitpunkt herum (wenn beispielsweise die Applikation normalerweise um 20:00 Uhr erfolgt, ist es akzeptabel, das Insulin zu einem beliebigen Zeitpunkt zwischen 18:00 und 22:00 Uhr zu verabreichen). 

Eine Person verabreicht einem ruhig liegenden Australian Shepherd mithilfe eines gelben Insulinpens eine Injektion.
Abbildung 3. Rekombinante Basalinsulin-Formulierungen sind so konzipiert, dass über einen Zeitraum von mindestens 24 Stunden eine konstante Insulinwirkung erzielt wird und zeigen vielversprechende Ergebnisse. Bei Anwendung in Verbindung mit kontinuierlicher Glukosemessung kann eine Dosistitration schnell erreicht werden. Eine adäquate glykämische Kontrolle wird mit einer einmal täglichen Applikation oft innerhalb von weniger als drei Wochen nach Behandlungsbeginn erreicht. © Chen Gilor und Jose Estrada

Diese Basalinsulin-Formulierungen können unabhängig von Menge, Art und Zeitpunkt der Fütterung verabreicht werden. Der Glukose-Nadir wird in der Regel unmittelbar vor der Nahrungsaufnahme beobachtet, mit einer substanziellen postprandialen Hyperglykämie. Bei weniger als 5 % der Patienten kommt es zu einer übermäßigen postprandialen Hyperglykämie, so dass eine adäquate Kontrolle nur mit Hilfe folgender Maßnahmen erreicht werden kann: 

  1. Zusätzliche Gabe eines Insulinbolus während einer Mahlzeit oder
  2. Reduzierung des Anteils verdaulicher Kohlenhydrate in der Nahrung oder 
  3. Zusätzliche Gabe eines SGLT2-Inhibitors (siehe unten). 

 

Unserer klinische Erfahrung nach reicht bei dieser kleinen Minderheit von Fällen eine Umstellung der Fütterung von einem Trockenprodukt auf ein Feuchtprodukt derselben Nahrung aus, um eine adäquate glykämische Kontrolle zu erreichen.

Durch die Entkopplung der Insulinverabreichung von strikten Fütterungsplänen entlasten Basalinsuline die Tierhalter*innen und ermöglichen individuellere, an die Lebenswirklichkeit der Menschen angepasste Behandlungspläne. Tierhalter*innen können kleinere oder häufigere Mahlzeiten füttern, ohne das Risiko einer Hypoglykämie signifikant zu erhöhen. In bestimmten Fällen kann auch das vollständige Auslassen von Mahlzeiten toleriert werden. Diese Flexibilität adressiert einige kritische Faktoren, die zur „Caregiver Fatigue“ und damit zu mangelnder Compliance und möglicherweise zu vorzeitiger Euthanasie diabetischer Hunde beitragen.

Aufgrund ihrer langen Wirkdauer und der Tatsache, dass der Behandlungserfolg unter anderem von der Fähigkeit abhängt, den Effekt einer postprandialen Hyperglykämie zu beurteilen, empfehlen wir, Hunde nur dann mit Basalinsulin-Formulierungen zu behandeln, wenn eine kontinuierliche Glukosemessung erfolgt. Sobald eine gute glykämische Kontrolle eingestellt ist, empfehlen wir eine intermittierende Überwachung mittels CGM in Abständen von einigen Monaten oder nach Indikation bei Veränderungen klinischer Symptome oder täglicher Routinen (z. B. Umstellung der Ernährung, veränderte körperliche Bewegung usw.).

Derzeit gibt es zwei Basalinsulin-Formulierungen, die wir bei Hunden mit ähnlichen Protokollen und ähnlichen klinischen Ergebnissen anwenden: Insulin Degludec und Insulin Glargin 300 U/ml. Detaillierte Dosistitrationsprotokolle für beide Formulierungen sind online verfügbar (Free Access) (7, 8). Beide Formulierungen werden als klare Lösungen dargereicht, die vor Entnahme einer Dosis nicht gemischt oder resuspendiert werden müssen, was die Dosierungsgenauigkeit im Vergleich zu Insulinen in Form von Suspensionen erhöht. Untersuchungen an speziell gezüchteten Beagles zeigen, dass beide Formulierungen im Vergleich zu porcinem Lente-Insulin eine geringere Tag-zu-Tag-Variabilität aufweisen und somit erhebliche Sicherheitsvorteile bieten sowie weniger Überwachung erfordern (11).

Bei therapienaiven diabetischen Hunden empfehlen wir, die Behandlung mit einem der beiden Produkte in einer Dosierung von 0,5 Einheiten/kg alle 24 Stunden zu beginnen. Hunde, die bereits mit Insulinsuspensionen alle 12 Stunden behandelt werden, können auf Glargin U-300 oder Degludec alle 24 Stunden umgestellt werden, wobei deren Anfangsdosis im Vergleich zur Insulinsuspension um 30 % höher liegt (beispielsweise würde ein Hund, der bislang 10 Einheiten NPH alle 12 Stunden erhielt, auf 13 Einheiten Degludec alle 24 Stunden umgestellt werden), wobei davon ausgegangen wird, dass damit letztendlich ähnliche Tagesgesamtdosen erreicht werden.

Insulin Degludec ist ein rekombinantes Humaninsulinanalogon, bei dem die Aminosäure an Position 30 der B-Kette entfernt wurde und eine Fettsäure (Hexadecandisäure) über einen Glutaminsäure-Spacer an die Aminosäure an Position 29 angehängt wurde. Nach Injektion in das subkutane Gewebe bildet Insulin Degludec Multi-Hexamere, die schrittweise und kontinuierlich dissoziieren (im Gegensatz zu Insulinkristallen in Suspensionsinsulinen) und dafür sorgen, dass Insulin fortlaufend freigesetzt wird. Nach der Dissoziation bindet Insulin Degludec reversibel an Albumin, das es vor Abbau schützt, seine Serumkonzentrationen puffert und seine Halbwertszeit und Beständigkeit weiter steigert (12, 13). Bei Hunden weist Insulin Degludec eine Wirkdauer von > 20 Stunden auf und zeigt ein flaches (peakloses) Zeit-Wirkungs-Profil (14). 

In einer jüngsten klinischen Studie erwies sich Insulin Degludec als sicher und wirksam bei einmal täglicher Injektion bei etwa 80 % der untersuchten diabetischen Hunde, wobei eine endgültige mediane Dosis von 1,3 U/kg (Spanne 0,4–2,2 U/kg) innerhalb eines medianen Zeitraumes von 14 Tagen (Spanne 3–32 Tage) erreicht wurde. Diese vielversprechenden Ergebnisse wurden trotz eines hohen Anteils von Tieren (79 %) mit Komorbiditäten in der Studienpopulation erzielt (8). Derzeit kostet das Produkt in den USA etwa 0,13 US-Dollar/Einheit und gehört damit zu den günstigsten Insulinformulierungen (Tabelle 1). In Anbetracht der niedrigen Kosten und der hervorragenden klinischen Ergebnisse ist Insulin Degludec bei den meisten diabetischen Hunde derzeit unsere erste Wahl.

 

Tabelle 1. Aktuelle Insulinpreise in den USA (September 2025). Fettgedruckter Text kennzeichnet Basalinsulin-Formulierungen (bei Hunden).

Insulin  Konzentration  Größe des Fläschchens/
Pens 
Anzahl Einheiten  US-Dollar US-Dollar/Einheit 
Glargin U-100 U-100 5 x 3 ml 1500 35 0,02
NPH/Reg 70/30 U-100 10 ml 1000 60 0,06
Degludec U-100 oder U-200 3 ml 1000 130 0,06
Vetsulin U-40 10 ml 400 70 0,18
Prozinc U-40 10 ml 400 110 0,28
Glargin U-300 U-300 3 x 1,5 ml 1350 495 0,36
 Hinweis: Detemir wird weltweit vom Markt genommen und ist in vielen Ländern nicht mehr erhältlich. 

 

 

Insulin Glargin 300 U/ml ist strukturell identisch mit Insulin Glargin 100 U/ml, aufgrund der dreifach höheren Konzentration sind das Volumen pro Einheit und damit die Tröpfchenoberfläche aber kleiner, so dass es zu einer langsameren Absorption aus dem subkutanen Depot kommt. Im Vergleich zu Glargin 100 U/ml führt dies zu einer verlängerten Wirkdauer und einem flacheren pharmakokinetischen Profil. Zudem ist Glargin U-300 auch weniger potent als andere Formulierungen, was bei kleinen Patienten von Vorteil sein kann. 

In einer multizentrischen klinischen Studie mit 95 Hunden aus privater Haltung konnte in den meisten Fällen mit Glargin 300 U/ml als Monotherapie eine gute oder hervorragende glykämische Kontrolle erzielt werden. Mit einer einmal täglichen Dosierung konnte eine glykämische Kontrolle allerdings nur in etwa 60 % der Fälle erreicht werden. Die endgültige mediane Dosis von 1,9 U/kg (Spanne 0,2–5,2 U/kg) wurde nach einer medianen Dauer von 16 Tagen (Spanne 3–99 Tage) erreicht, wobei der Blutzuckerspiegel bei 72 % der Hunde innerhalb eines Zeitraumes von weniger als 30 Tagen unter Kontrolle gebracht werden konnte. Diese Ergebnisse wurden trotz eines hohen Anteils von Patienten (60 %) mit Komorbiditäten in der Studienpopulation erzielt, wobei ein Drittel aller Hunde begleitend unter Hyperkortizismus litt (7).

Gegenwärtig kostet Glargin 300 U/ml in den USA etwa 0,36 US-Dollar/Einheit und gehört damit zu den eher teuren Insulinformulierungen (Tabelle 1). Bei kleinen Hunden, die niedrige Dosen erfordern, könnte Glargin 300 U/ml aufgrund seiner geringen Potenz eine ausgezeichnete Wahl sein. Bei Menschen hat Insulin Glargin 100 U/ml ein relativ langanhaltendes und „peakloses” pharmakodynamisches Profil und eine im Vergleich zu traditionellen intermediär wirksamen Suspensionsinsulinen geringere Tag-zu-Tag-Variabilität, es ist dem Insulin Glargin 300 U/ml aber eindeutig unterlegen. Ob dies so auch bei Hunden zutrifft, ist nicht bekannt. Glargin 300 U/ml wurde zwar bei Hunden als Injektion alle 12 Stunden eingesetzt (15, 16), die Eignung als Basalinsulin mit Langzeitwirkung wurde bei dieser Spezies allerdings noch nicht untersucht.

Auf der Grundlage von Fortschritten in der Humanmedizin werden in der veterinärmedizinischen Endokrinologie zunehmend innovative pharmakologische Ansätze und neue Monitoringstrategien eingesetzt, die das Potenzial haben, sowohl die Prognose als auch die Lebensqualität diabetischer Hunde zu verbessern.

Chen Gilor

SGLT2-Inhibitoren bei Hunden mit DM 

Natrium-Glukose-Cotransporter-2-Inhibitoren haben die Behandlung von Typ-2-DM bei Menschen und Katzen revolutioniert, da sie durch die Förderung der Glukoseausscheidung über den Harn eine insulinunabhängige Senkung des Blutzuckerspiegels bewirken. Die Vorteile dieser Inhibitoren gehen aber noch über die reine glykämische Kontrolle hinaus, da sie auch bei nicht-diabetischen Menschen kardioprotektive und renoprotektive Wirkungen zeigen. Infolgedessen besteht ein zunehmendes Interesse an der Frage, ob ähnliche Vorteile auch für Hunde mit spontanem, natürlich auftretendem DM gelten (5). Im Gegensatz zu den meisten Katzen und Menschen sind diabetische Hunde dauerhaft nicht in der Lage, Insulin zu produzieren, weshalb eine Monotherapie mit SGLT2-Inhibitoren bei dieser Spezies eher nicht in Frage kommt. Vielmehr könnten SGLT2-Inhibitoren bei Hunden in Kombination mit einer Insulin-Injektionstherapie hilfreich sein. Vor diesem Hintergrund dürfte die wichtigste Komplikation von SGLT2-Inhibitoren bei Menschen (17) und Katzen, nämlich die euglykämische diabetische Ketoazidose (eDKA), bei Hunden weniger wahrscheinlich ein großes Problem sein. Allerdings könnten SGLT2-Inhibitoren das Risiko einer insulininduzierten Hypoglykämie erhöhen (5, 18). 

Bislang gibt es zwei peer-reviewed Veröffentlichungen über die Anwendung von SGLT2-Inhibitoren bei Hunden mit DM, eine Studie über Canagliflozin (das in einigen Ländern kommerziell erhältlich ist) und eine Studie über DWP16001, einen neuartigen SGLT2-Inhibitor. Beide Studien untersuchten SGLT2-Inhibitoren als einmal täglich zu verabreichende adjuvante Therapie in Ergänzung zu intermediär wirksamem Insulin, und in beiden Studien führte die Verabreichung des SGLT2-Inhibitors zu einer Senkung des Glukosespiegels und der Notwendigkeit einer Verringerung der Insulindosis, und in keinem Fall wurde eine eDKA festgestellt (5, 19). Mittels Überwachung durch kontinuierlicher Glukosemessung konnte festgestellt werde, dass SGLT2-Inhibitoren die Schwankungen des Blutzuckerspiegels reduzierten, aber die Häufigkeit niedriger interstitieller Glukosekonzentrationen erhöhten (wohingegen eine klinische Hypoglykämie nicht beschrieben wird) (19). Bei Verabreichung über mehrere Monate führten SGLT2-Inhibitoren zu einem Gewichtsverlust (5). Während zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels noch keine veröffentlichten Studien vorlagen, scheinen Velagliflozin und Bexagliflozin (beide in einigen Ländern als Formulierungen mit Zulassung als Tierarzneimittel erhältlich) sowie Dapagliflozin bei Hunden wirksam zu sein und ähnliche Ergebnisse wie die oben beschriebenen zu erzielen. Je nach Dosierung können diese Arzneistoffe zu einer Zunahme von Polyurie und Polydipsie führen. 

Vor dem Hintergrund dieser Studien und aufgrund unserer eigenen klinischen Erfahrungen halten wir den Einsatz von SGLT2-Inhibitoren insgesamt für sinnvoll bei diabetischen Hunden, die mit Insulin allein nur schwer zu kontrollieren sind, insbesondere wenn Insulinresistenz zu einem extrem hohen Insulinbedarf führt (mit möglichen Auswirkungen auf die Gesamtkosten der Behandlung), oder bei Hunden, die aufgrund einer übermäßigen postprandialen Hyperglykämie mit Basalinsulinen allein nicht gut zu kontrollieren sind. 

Neben der Problematik von eDKA und Hypoglykämie erhöhen SGLT2-Inhibitoren bei Menschen auch das Risiko für mykotische Harnwegsinfektionen und eine Volumenmangel (18). In den bislang bei Hunden durchgeführten Studien werden diese unerwünschten Nebenwirkungen zwar nicht beobachtet, die geringen Probengrößen und kurzen Follow-up-Perioden schränken mögliche Schlussfolgerungen diesbezüglich aber ein. Bevor diese Wirkstoffe allgemein zur Behandlung von DM bei Hunden empfohlen werden können, sind ein sorgfältiges Monitoring sowie größere und längerfristige Studien an Hundepopulationen aus privater Haltung erforderlich. Die Anwendung von SGLT2-Inhibitoren erfordert wahrscheinlich eine Integration der kontinuierlichen Glukosemessung und der Überwachung von Blutketonen in die entsprechenden Managementprotokolle, um sowohl die Vorteile als auch potenzielle Risiken frühzeitig im Verlauf der Behandlung zu erkennen.

Fenofibrat und die intestinale Barriere 

In zahlreichen Diabetes-mellitus-Modellen (einschließlich Mensch, Nager, Hund und Katze) führt Hyperglykämie zu einer Dysfunktion der intestinalen Barriere und zu Veränderungen im Darmmikrobiom, was wiederum zu intestinalen und systemischen Entzündungen sowie zu metabolischer Instabilität beiträgt (6, 20-23). Fenofibrat ist ein Agonist des Peroxisom-Proliferator-aktivierten Rezeptors Alpha (PPARα) und wird häufig zur Behandlung von Hyperlipidämie eingesetzt. In der veterinärmedizinischen Endokrinologie hat Fenofibrat in letzter Zeit Aufmerksamkeit erregt aufgrund seiner über die reine Lipidkontrolle hinausgehenden potenziellen Wirkungen, insbesondere im Zusammenhang mit einer Verbesserung der Darmbarrierefunktion bei Diabetes mellitus. Bei diabetischen Hunden kann Fenofibrat zur Wiederherstellung der Darmbarrierefunktion und zur Verbesserung des allgemeinen Managements von DM beitragen (6, 23). Bei einer Dosierung von 10 mg/kg PO alle 24 Stunden führt eine mikronisierte, nanokristalline Formulierung von Fenofibrat zur Verbesserung der Integrität der intestinalen Epithelbarriere, indem sie die Expression von Proteinen der Tight Junctions steigert, die Permeabilität für bakterielle Komponenten verringert, die lymphozytäre Infiltration des Darmepithels reduziert und systemische Entzündungen lindert (6, 23). Bei generischen Fenofibrat-Formulierungen muss die genannte Dosis möglicherweise um etwa 50 % erhöht werden (Abbildung 4). 

Eine Packung Fenofibrat-Kapseln mit der Aufschrift „100 mg“; davor liegen zwei Blisterpackungen mit gelben Kapseln.
Abbildung 4. Fenofibrat kann bei diabetischen Hunden zur Verbesserung der intestinalen Barrierefunktion beitragen. Es ist kostengünstig und in Apotheken weithin erhältlich. Empfohlen wird eine mikronisierte nanokristalline Formulierung (10 mg/kg PO alle 24 Std.); generische Formulierungen erfordern möglicherweise eine höhere Dosierung.
Wir setzen Fenofibrat routinemäßig zur Behandlung von Hyperlipidämie bei nicht-diabetischen und bei diabetischen Hunden in einer Dosierung von 2–20 mg/kg ohne erkennbare Nebenwirkungen ein. Ob die Verbesserungen der Darmbarrierefunktion bei diabetischen Hunden zu greifbaren klinischen Vorteilen führen (wie z. B. einer verbesserten glykämischen Kontrolle, einem geringeren Insulinbedarf oder einer erhöhten Überlebensrate), muss aber noch im Rahmen klinischer Langzeitstudien evaluiert werden. Die klinische Erfahrung deutet derzeit jedoch auf eine Verringerung der Gesamthäufigkeit gastrointestinaler Symptome bei diabetischen Hunden hin. 

Auf der Grundlage von Fortschritten in der Humanmedizin werden in der veterinärmedizinischen Endokrinologie zunehmend innovative pharmakologische Ansätze und neue Monitoringstrategien eingesetzt, die das Potenzial haben, sowohl die Prognose als auch die Lebensqualität diabetischer Hunde zu verbessern.

Chen Gilor

Schlussfolgerung

Die Kombination von Basalinsulinanaloga und kontinuierlicher Glukosemessung stellt einen Quantensprung in der Behandlung des Diabetes mellitus bei Hunden dar, da sie die Arbeit für Tierärzt*innen vereinfacht und für Tierhalter*innen deutlich weniger stressig, weniger zeitaufwendig und in der Regel auch kostengünstiger ist. Basalinsuline weisen besser vorhersagbare pharmakodynamische Profile und eine längere Wirkdauer auf als traditionelle Insulinformulierungen, wodurch die Tag-zu-Tag-Variabilität des Glukosespiegels reduziert wird und vereinfachte Dosierungsschemata möglich sind. In Verbindung mit einer kontinuierlichen Glukosemessung, in bestimmten Fällen ergänzt um ein schnell wirksames, prandiales Insulin, tragen diese Formulierungen zu einer verbesserten glykämischen Kontrolle, einer höheren Lebensqualität und einer längeren Lebenserwartung bei diabetischen Hunden bei. SGLT2-Inhibitoren gelten ebenfalls als vielversprechende Wirkstoffe für die zukünftige multimodale Behandlung von Diabetes mellitus bei Hunden, insbesondere in Kombination mit Basalinsulinanaloga und einer mittels kontinuierlicher Glukosemessung gesteuerten Dosistitration. In ähnlicher Weise kann auch Fenofibrat dazu beitragen, Komplikationen bei diabetischen Patienten zu lindern. Die Forschung sollte sich zukünftig vorrangig auf größere, kontrollierte Studien konzentrieren, in denen diese adjuvanten Optionen zur traditionellen Insulinbehandlung und ihre Auswirkungen auf die klinischen Ergebnisse evaluiert werden. 

Literatur

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Chen Gilor

Chen Gilor

DVM, PhD, Dipl. ACVIM, Department of Small Animal Clinical Sciences, University of Florida, Gainesville, FL, USA

Dr. Gilor ist derzeit Professor an der University of Florida und war vorher im Bereich Lehre an der UC Davis (2016–2019) und der Ohio State University (2012–2016) tätig. Davor arbeitete er als Berater im Bereich Innere Medizin für ein internationales kommerzielles veterinärmedizinisches Labor und als Allgemeinpraktiker. Dr. Gilor schloss sein Tiermedizinstudium 1997 an der The Hebrew University in Israel ab und promovierte (PhD) 2010 an der University of Illinois, wo er auch eine dreijährige Residency in Innerer Medizin für Kleintiere absolvierte. Seit 2008 ist er Diplomate des American College of Veterinary Internal Medicine, und sein beruflicher Fokus liegt auf Diabetes mellitus und Adipositas.

Jose Estrada

Jose Estrada

DVM, MS, Department of Small Animal Clinical Sciences, University of Florida, Gainesville, FL, USA

Dr. Estrada ist derzeit im Rahmen des ACVIM Diabetes Fellowship Program an der University of Florida in der klinischen Praxis und in der klinischen Forschung im Bereich Diabetes bei Katzen und Hunden tätig. Seine tierärztliche Approbation und einen MS-Grad erwarb er an der National Autonomous University of Mexico in Mexiko-City, wo er auch seine klinische Ausbildung in den Bereichen Kleintiermedizin und Kleintierchirurgie genoss, bevor er eine Residency in Innerer Medizin der Kleintiere an der Kansas State University absolvierte.

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