Muskelverlust oder Sarkopenie bei alten Hunden ist ein echtes und häufig auftretendes Problem; dieser Artikel diskutiert, wie man diesen Zustand am besten erkennt und behandelt.
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Da die durchschnittliche Lebenserwartung von Hunderasse zu Hunderasse sehr unterschiedlich ist - insbesondere, wenn man kleine und große Rassen vergleicht - gibt es keinen exakten Grenzwert für das „Altern“, und die Unterscheidung zwischen den verschiedenen (willkürlichen) Alterskategorien oder Lebensphasen erfolgt für jedes Tier [1]. Nach den AAHA Canine Life Stage Guidelines (2019) wird ein Hund als Senior (Abbildung 1) klassifiziert vom Zeitpunkt des Eintritts in die letzten 25 % seiner geschätzten Lebensspanne bis zum Ende seines Lebens [2]. In der Veterinärmedizin wird häufig auch der Begriff „geriatrisch“ für einige unserer etwas älteren Patienten verwendet, und wird oft synonym zu „Senior“ eingesetzt. Bei Tieren steht eine genaue Definition für diese Unterkategorie „geriatrisch“ aber noch aus. In der Humanmedizin bezeichnet der Begriff „geriatrisch“ eine Untergruppe von Patienten im Seniorenalter, die oft unter multiplen Erkrankungen leiden, einschließlich Senilität oder Demenz [3]. Auch wenn eine solche Differenzierung in der Tiermedizin sicherlich noch ein wenig Feinabstimmung erfordert, damit eine präzise Definition entwickelt werden kann, erscheint es vor diesem Hintergrund doch logisch, geriatrische Tiere von der umfassenderen Kategorie der „Senior“-Tiere zu unterscheiden. Der Grund für eine solche Unterscheidung liegt in erster Linie darin, dass sich die Bedarfe und Bedürfnisse (von der Ernährung bis zur Bewegung) und das allgemeine Management dieser beiden Gruppen unterscheiden [1].
Wenn eine solche Klassifizierung also unerlässlich ist, wie können wir dann auf eine bessere Definition dieser geriatrischen Subpopulation hinarbeiten? In der humanen Gerontologie wird vorgeschlagen, dass ein Patient mindestens drei der folgenden Kriterien aufweisen muss, um als geriatrisch eingestuft zu werden [3]:
Diese Kriterien unterstützen die Unterscheidung zwischen geriatrischen Patienten und Senioren, es gibt aber noch weitere häufig verwendete Begriffe zur näheren Beschreibung der geriatrischen Subpopulation, sei es im Zusammenhang mit Überwachungs- und Behandlungsstrategien oder bei der Diskussion über die Prognose. Zu diesen Begriffen gehören Gebrechlichkeit, Sarkopenie und Altersanorexie, um nur einige zu nennen.
Zunächst stellt sich die Frage, was Gebrechlichkeit („Fraility“)ist. Nach einer weithin akzeptierten Definition handelt es sich um eine „Abnahme der physiologischen Reserven eines Organismus, die zu einer erhöhten Anfälligkeit gegenüber Stressoren führt“ [4],[5]. Für die Beurteilung der Gebrechlichkeit bei älteren Menschen werden heute mehr als 20 Methoden angewendet oder vorgeschlagen, wobei man zwischen quantitativen und qualitativen Methoden unterscheidet. Der Gebrechlichkeitsindex („Fraility Index“ oder FI) ist ein Beispiel für eine quantitative Methode, während es sich bei der Verwendung des Gebrechlichkeitsphänotyps („Frailty-Phänotyp“) um einen qualitativen Ansatz handelt. Angesichts ihrer unterschiedlichen Methodik gelten Gebrechlichkeitsindex und Gebrechlichkeitsphänotyp als komplementär und nicht etwa als Alternativen zueinander.
Beim Menschen werden im Zusammenhang der Anwendung des Gebrechlichkeitsphänotyps fünf Kriterien zur Beurteilung der Gebrechlichkeit herangezogen [4]:
In einer jüngsten Studie wurde eine klinische Definition (unter Verwendung der oben genannten fünf Komponenten) eines Gebrechlichkeitsphänotyps bei alten Blindenhunden evaluiert [5]. Festgestellt wurde, dass alte Hunde mit zwei oder mehr Kriterien mit höherer Wahrscheinlichkeit während der Follow-up-Periode starben als Hunde, die lediglich eines oder keines dieser Kriterien erfüllen, woraus schlussgefolgert wurde, dass Anzeichen von Gebrechlichkeit ein Risikofaktor für den Tod zu sein scheinen.
Sarkopenie wird definiert als eine altersbedingte Abnahme der Skelettmuskelmasse, wobei die zugrunde liegenden Mechanismen multifaktorieller Natur sind [6],[7]. Es ist wichtig, zwischen Sarkopenie und Kachexie zu unterscheiden, wobei Letztere auch mit einer Verringerung der Skelettmasse einhergeht und im Unterschied zur Sarkopenie mit zugrundeliegenden Krankheitsprozessen wie kongestiver Herzinsuffizienz (CHF), chronischer Nierenerkrankung (CNE), verschiedenen Arten von Neoplasien und verschiedenen anderen chronischen Krankheiten assoziiert ist [7]. Bei Menschen mit Sarkopenie konnten verschiedene beitragende Faktoren identifiziert werden, und man nimmt an, dass entsprechende Mechanismen auch bei Hunden mit Sarkopenie eine ähnliche Rolle spielen können. Dazu gehören unter anderem körperliche Inaktivität, eine erhöhte Zytokinproduktion, verringerte Hormonkonzentrationen (Wachstumshormon, Testosteron, IGF-1), Veränderungen der Typ-2-Muskelfasern (Remodeling der motorischen Einheiten), Insulinresistenz und eine reduzierte Proteinsynthese [7]. Verstärkte Autophagie wurde ebenfalls als ein Faktor identifiziert, der möglicherweise zur altersbedingten Muskelatrophie bei Hunden beitragen kann [8].
Beim Menschen hat der mit der Sarkopenie einhergehende Verlust an fettfreier Körpermasse nachweislich signifikante Folgen für das betroffene Individuum, wie etwa eine erhöhte Mortalität und negative Auswirkungen auf die Kraft, die Immunfunktion und die Lebensqualität. Diese Beobachtungen waren schließlich Anlass für umfangreiche Forschungsarbeiten zu den Themen Diagnose, Prävention und Behandlungsstrategien bei Sarkopenie [7]. Bei einer Sarkopenie handelt es sich definitionsgemäß zwar um einen mit der Alterung einhergehenden Verlust an fettfreier Muskelmasse (bei Abwesenheit von Erkrankung), beim Menschen beginnt dieser Verlust aber nachweislich bereits relativ früh im Leben, etwa im Alter von 30 Jahren, und auch bei unseren Haushunden gilt ein vergleichbar früheres Einsetzen entsprechender Verluste als wahrscheinlich [7].
Matthew A. Kopke
Da es sich bei der Sarkopenie um einen schleichenden Prozess handelt, kann sie oft unbemerkt bleiben, bis der Zustand klinisch signifikant ausgeprägt ist. Hinzu kommt, dass eine bestehende Sarkopenie durch eine begleitende Zunahme des Körperfetts maskiert werden kann, so dass sich die klinische Beurteilung solcher Hunde als Herausforderung erweisen kann [6]. Mit anderen Worten: Eine Aufrechterhaltung des „normalen“ Körpergewichts ist bei einem Hund trotz eines erheblichen Verlusts an fettfreier Körpermasse möglich. Auch wenn die frühzeitige Diagnose einer Sarkopenie beim Hund durchaus eine Herausforderung darstellt und durch zahlreiche weitere Variablen kompliziert werden kann, ist sie von entscheidender Bedeutung, um das weitere Fortschreiten dieses Zustands durch gezielte Einleitung geeigneter Behandlungsmaßnahmen zu verlangsamen.
In der Humanmedizin werden verschiedene diagnostische Techniken eingesetzt, um Patienten auf einen Verlust an fettfreier Körpermasse zu screenen, darunter die regionale Computertomographie (CT), die Dual-Energy-Röntgenabsorptiometrie (DEXA), die Bestimmung der Kreatininausscheidung im Harn sowie die Bestimmung von Ganzkörperkalium und Ganzkörperwasser [6]. Häufig eingesetzt zur Beurteilung eines Muskelverlustes bei älteren Menschen wird insbesondere die CT zur Messung der Querschnittsfläche des Oberschenkelmuskels [9]. Diese Technik zeichnet sich durch eine hohe Präzision aus.
Bei veterinärmedizinischen Patienten wird die DEXA-Methode eingesetzt, um Veränderungen der Körperzusammensetzung bei Hunden im Rahmen des Alterungsprozesses zu beurteilen [10],[11]. Studien zeigen zwar, dass die DEXA ein praktikables Verfahren zur Messung der Körperzusammensetzung ist, es gibt aber auch einige Einschränkungen, insbesondere, wenn es um die Messung der fettfreien Körpermasse geht [12]. Außerdem ist das Verfahren nicht besonders weit verbreitet, und insbesondere in der routinemäßigen klinischen Praxis eher selten verfügbar. In einer neueren Studie wurden jetzt mehrere Methoden zur Evaluierung einer Sarkopenie bei alten Hunden untersucht, und es wurde festgestellt, dass sowohl Ultraschall als auch die CT praktikable Methoden für die Messung der epaxialen Muskelfläche und für die Feststellung einer für Sarkopenie sprechenden verringerten Muskelfläche sind [6].
Das Verhältnis von Kreatinin zu Harnstoff-Stickstoff im Harn nüchterner Tiere erwies sich in einer Studie als Indikator des Proteinkatabolismus bei gesunden Beaglen, die proteinarm ernährt wurden. Diese Methode könnte für die frühzeitige Erkennung eines Proteinkatabolismus geeignet sein, also noch bevor es zu einem tatsächlichen Muskelabbau kommt, es sind aber weitere Studien erforderlich, um die praktische Anwendbarkeit des Verfahrens bei Patienten mit Sarkopenie zu evaluieren [13].
Da die einer Sarkopenie zugrundeliegenden Mechanismen multifaktorieller Natur sind, kann man davon ausgehen, dass auch die Therapie einer derartig komplexen Erkrankung eine multimodale Strategie erfordert. Historisch stützt sich die Behandlung der Sarkopenie in erster Linie auf einen zweigleisigen Therapieansatz, der die zentralen Bereiche Ernährung und körperliche Bewegung umfasst, wobei letztere der bei weitem wirksamere Ansatzpunkt zur Förderung der Muskelproteinsynthese ist. Ernährungsstrategien spielen hierbei jedoch eine komplementäre Rolle und sind zudem unerlässlich [14],[15]. Wichtige Ziele, die auf der Grundlage entsprechender Erkenntnisse bei anderen Spezies (Menschen, Nagetiere) in Betracht gezogen werden sollten, sind in Box 1 aufgelistet.
Box 1. Ernährungsziele bei Patienten mit Sarkopenie [7],[16],[17],[18],[19],[20].
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Bei Menschen mit Sarkopenie wird eine Zufuhr von 25-30 Gramm hochwertiger Proteine pro Mahlzeit als Teil der Behandlung empfohlen. Eine 3-Jahres-Studie mit älteren Männern und Frauen zeigte, dass eine entsprechend hohe Proteinzufuhr mit einem um 40 % geringeren Verlust an Muskelmasse verbunden war [16]. Dabei sind nicht nur die Qualität und Quantität der diätetischen Proteine wichtig, sondern auch die Verteilung ihrer Aufnahme über den Tag, und neuere Untersuchungen zeigen weitere Vorteile einer gleichmäßigen Verteilung der Proteinzufuhr über den Tag [17]. Für Senior-Hunde wird empfohlen, mindestens den AAFCO-Mindestproteingehalt in der Nahrung (5,1 g/100 kcal) für adulte Tiere zu berücksichtigen, höhere diätetische Proteinlevel könnten aber von Vorteil sein [7]. Aufgrund des erhöhten Proteinumsatzes und der verringerten Proteinsynthese steigt der diätetische Proteinbedarf mit dem Alter, und man geht davon aus, dass Senior-Hunde wahrscheinlich etwa 50 % mehr diätetische Proteine benötigen als jüngere adulte Hunde. Erreicht werden kann diese höhere Proteinzufuhr entweder durch Fütterung einer kommerziell erhältlichen speziellen Senioren-Nahrung oder durch eine zu Hause selbst zubereitete Nahrung, die durch einen zertifizierten Tierernährungsspezialisten, wie zum Beispiel einen Fachtierarzt oder eine Fachtierärztin für Tierernährung und Diätetik formuliert wurde (Abbildung 2).
Leucin ist eine essenzielle Aminosäure, die die Muskelproteinsynthese stimuliert und initiiert. Bei anderen Spezies (Menschen, Nagetiere) konnte gezeigt werden, dass eine Supplementierung mit Leucin die Muskelproteinsynthese wiederherstellen oder normalisieren kann [18],[19]. Postuliert wird zudem, dass einer der Metaboliten von Leucin, das Beta-Hydroxy-beta-Methylbutyrat, zum Schutz oder sogar zum Wiederaufbau von Muskelmasse bei älteren Menschen mit reduzierter fettfreier Körpermasse eingesetzt werden kann [20]. Es muss aber noch geklärt werden, ob eine entsprechende Supplementierung auch bei sarkopenischen Hunden wirksam ist.
Mit Omega-3-Fettsäuren und Antioxidantien angereicherte Nahrungen könnten sich bei Patienten mit Sarkopenie als hilfreich erweisen und auch für einige in dieser Subpopulation häufig auftretende Komorbiditäten, wie zum Beispiel kognitive Dysfunktion und Osteoarthritis, von Vorteil sein [17]. Omega-3-Fettsäuren führen zur Bildung weniger potenter Entzündungsmediatoren (Eicosanoide) als Omega-6-Fettsäuren und verringern darüber hinaus die TNF- und IL-1-Produktion, wobei die optimale Dosierung noch ermittelt werden muss. Bei Tieren mit Kachexie wird eine Verabreichung von Eicosapentaensäure in einer Dosierung von 40 mg/kg/Tag und Docosahexaensäure in einer Dosierung von 25 mg/kg/Tag empfohlen [7]. Darüber hinaus empfohlen werden Fischölsupplemente von einem zuverlässigen Anbieter. Diese Supplemente sollten immer Vitamin E als Antioxidans enthalten, aber keine weiteren Nährstoffe, um potenzielle Toxizitäten zu vermeiden (Abbildung 3).
Körperlicher Aktivität und Bewegung werden bei älteren Menschen eine ganze Reihe von vorteilhaften Wirkungen zugeschrieben, und wahrscheinlich lassen sich diese Effekte auch auf Senioren-Hunde übertragen [14]. Zu den beschriebenen potenziellen Vorteilen gehören:
Widerstandstraining ist das wirksamste Mittel zur Verbesserung einer Sarkopenie [14],[15]. Dieser anabole Stimulus führt nachweislich zu einer Erhöhung der myofibrillären Muskelproteinsynthese. Dabei ist aber zu berücksichtigen, dass ein solches Training zwar nachweislich den größten potenziellen Nutzen bei Patienten mit Sarkopenie hat, diese positiven Auswirkungen aber ohne eine angemessene, bedarfsgerechte, unterstützende Ernährung nicht zum Tragen kommen. Entscheidend ist hierbei die diätetische Proteinzufuhr, da sie die erforderlichen Bausteine für die Muskelproteinsynthese liefert, insbesondere verzweigtkettige Aminosäuren [15]. Beim Menschen deutet die Literatur darauf hin, dass ein früherer Beginn des Widerstandstrainings zu einer besseren Wirksamkeit führen kann [14], bei unseren veterinärmedizinischen Patienten muss das optimale Alter für den Beginn einer solchen Intervention aber noch ermittelt werden.
Für Hunde werden sanfte, kontrollierte Übungen in Form von täglichen Spaziergängen an der Leine und therapeutische Übungen zur Förderung von Flexibilität und Kraft (d. h. Widerstandstraining) empfohlen, zum Beispiel mit einem Unterwasserlaufband oder speziellen Geräten für körperliches Training und Rehabilitation (Abbildung 4).
Neben Bewegung und Ernährung kann auch die Pharmakotherapie eine Rolle spielen. Es handelt sich um einen sich ständig weiterentwickelten Bereich in der Behandlung der Sarkopenie bei anderen Spezies (Tabelle 1). Arzneimittel, die auf die Proteostase und die mitochondriale Signalübertragung über Myostatin (MSTN), das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) und AMP-aktivierte Proteinkinase (AMPK)-Pathways abzielen, haben in der Humanmedizin verschiedene Stadien der klinischen Prüfung erreicht [21]. Auch umfunktionierte hormonelle Arzneimittel haben sich als viel versprechende Therapieansätze bei Sarkopenie erwiesen, darunter Arzneimittel mit entweder wachstumsfördernden oder entzündungshemmenden Wirkungen, wie zum Beispiel Testosteron, Insulin und Ghrelin [21]. Die pharmakologischen Behandlungsstrategien zielen im Allgemeinen darauf ab, den Energiebedarf zu senken, die Energieaufnahme zu erhöhen, die Nährstoffabsorption zu verbessern und Stoffwechselveränderungen so zu modifizieren, dass ein Muskelabbau verhindert oder sogar umgekehrt wird [7]. In die Tiermedizin hat diese Art von Pharmakotherapie bislang noch keinen Eingang gefunden, weitere Forschungen auf diesem Gebiet könnten aber mehr Licht ins Dunkel bringen und potenzielle praktische Anwendungen für diese therapeutischen Optionen aufzeigen.
Tabelle 1. Beispiele für pharmakotherapeutische Wirkstoffe, die in der Behandlung einer Sarkopenie bei anderen Spezies eingesetzt werden [7],[21].
| Pathway/Mechanismus | Arzneimittelklasse/Beispiel |
|---|---|
| Myostatin (MSTN)-Pathway | MSTN-Inhibitoren, Aktivin-Rezeptor-Antagonisten, Fusionsproteine aus Follistatin und Gentherapie |
| Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) | Angiotensin-Converting-Enzym-Hemmer, Angiotensin-II- Rezeptor-Subtyp-1-Antagonisten, Mineralokortikoid-Antagonismus, Rezeptoragonisten der mitochondrialen Assemblierung |
| AMP-aktivierte Proteinkinase (AMPK)-Pathway | Metformin |
| Umfunktionierte hormonelle Arzneimittel | Testosteron, selektive Androgenrezeptormodulatoren, Ghrelin und seine Mimetika |
| Sonstige/Verschiedene | Nichtsteroidale Antirheumatika, Appetitstimulanzien |
Schließlich können auch Appetitstimulanzien (z. B. Mirtazapin, Cyproheptadin, Capromorelin) bei einigen Tieren mit Sarkopenie von Vorteil sein. Wenn aber sämtliche der oben genannten Maßnahmen erfolglos bleiben, sollte unbedingt eine Sondenernährung in Betracht gezogen werden, und zwar besser früher als später, um die Entstehung eines Endstadiums der Krankheit mit hochgradiger Schwächung und Entkräftung des Patienten zu verhindern, da ein solcher Zustand unweigerlich ein schlechteres Outcome zur Folge hätte.
Altersanorexie wird definiert als verminderter Appetit und verminderte Nahrungsaufnahme (oder Energieaufnahme) im Alter. Bei Menschen weist Altersanorexie eine hohe Prävalenz auf und gilt als Prädiktor für Morbidität und Mortalität [22]. Die Prävalenz der Altersanorexie bei älteren Hunden ist bislang noch nicht bekannt.
Bei Menschen hat Altersanorexie folgende Konsequenzen [22]:
Von entscheidender Bedeutung in der tierärztlichen Praxis ist die Kommunikation mit den Haltern und Halterinnen über das Thema Altersanorexie bei Hunden. Insbesondere müssen Besitzer und Besitzerinnen sorgfältig darüber aufgeklärt werden, auf welche (subtilen) Anzeichen sie achten müssen, und welche Beobachtungen sie ihrem Tierarzt oder ihrer Tierärztin mitteilen sollten. Diese weitgehend unspezifischen Symptome können von einer verminderten Futteraufnahme bis hin zu veränderten Futtervorlieben oder sogar einem zyklisch schwankenden Appetit reichen.
Folgende Strategien können bei älteren Hunden zur Begrenzung von Altersanorexie eingesetzt werden [7]:
Wenn es um die Evaluierung der Senioren unter unseren Patienten geht, ist Konsistenz von zentraler Bedeutung. Neben einer gründlichen klinischen Untersuchung sollten wir auch einige der Komponenten des Gebrechlichkeitsphänotyps in unser Monitoringprotokoll aufnehmen [5]. Weitere Screening-Instrumente variieren von Fall zu Fall und können Hämatologie, Serumbiochemie, Harnanalyse usw. umfassen:
Das Management von Senior-Tieren erfordert eine multimodale Strategie, um die Folgen der Alterung abzumildern und die in dieser Population häufig auftretenden Komorbiditäten zu behandeln. Die diätetische Unterstützung umfasst eine Fütterung kleinerer, häufigerer Mahlzeiten zur Deckung des Bedarfs eines Tieres. In vielen Fällen ist eine Umstellung der Ernährung erforderlich (wenn dies aufgrund einer Komorbidität nicht kontraindiziert ist), die Nahrung muss aber stets vollwertig und ausgewogen sein. Empfohlen wird zudem die Fütterung energiedichter, proteinreicher und hoch schmackhafter Nahrungen mit hoher Akzeptanz, oft mit starken Aromen. Wenn der reduzierte Appetit persistiert, sollte der Einsatz von Appetitstimulanzien in Betracht gezogen werden. Bei Patienten, deren verminderte Nahrungsaufnahme besonders besorgniserregend ist und deren Appetit auch mittels Pharmakotherapie nicht verbessert werden kann, sollte eine Sondenernährung erwogen werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt des Managements von Senior-Tieren ist die Steigerung von kontrollierter körperlicher Aktivität und Bewegung. Ebenso wichtig wie die oben genannten Modifikationen oder Therapien ist aber eine sorgfältige und kontinuierliche Überwachung von Körpergewicht, BCS, MCS und Kalorienzufuhr.
BSc, BVSc (Hons), Dip. ACVIM (SAIM), Veterinary Nutrition Group, Sydney, Australien
Australien
Dr. Kopke schloss sein Tiermedizinstudium an der Universität von Pretoria in Südafrika mit Auszeichnung ab, und absolvierte anschließend eine Residency für Innere Medizin der Kleintiere an der Massey University, Neuseeland. Nach Abschluss seiner Residency schloss er sich der Veterinary Nutrition Group an, um Fernberatung in den Bereichen Innere Medizin und Ernährung anzubieten, und errang das Diplom des American College of Veterinary Internal Medicine in Small Animal Internal Medicine. Darüber hinaus arbeitet Dr. Kopke klinisch in Teilzeit als Spezialist (Fachtierarzt) für Innere Medizin.
Sarkopenie wird definiert als altersbedingte Abnahme der Skelettmuskelmasse. Die Ursachen sind multifaktoriell, ein Zusammenhang mit einem zugrundeliegenden Krankheitsprozess besteht aber nicht (im Unterschied zur Kachexie).
Bei der Evaluierung des Muskelzustands und beim Screening auf Sarkopenie sollte auch der Body Condition Score bercksichtigt werden, da dieser die Gesamtbeurteilung beeinflusst.
Die Behandlung der Sarkopenie besteht aus einer Kombination von Bewegungs- und Ernhrungsmanahmen, wobei erstere die wirksamste Therapie darstellen; aber auch Mglichkeiten der Pharmakotherapie werden stndig weiterentwickelt.
Ernhrungsstrategien zur Behandlung von Sarkopenie umfassen hufig eine Kombination aus erhhter Proteinzufuhr und Supplementierung von Leucin, Omega-3-Fettsuren, Vitamin D und Probiotika.