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Management der Körperzusammensetzung bei älteren Kleintieren
Geschrieben von Christine R. Pye und Alexander J. German
Das Definieren und das Erreichen eines „gesunden Gewichts” bei älteren Tieren bilden die Grundlage für ein besseres Management der Körperzusammensetzung und sind die ersten Schritte auf dem Weg zur Verlängerung der gesunden Lebensspanne.
Article

Kernaussagen
Eine längere Lebensdauer ist nicht unbedingt gleichbedeutend mit einer längeren gesunden Lebensspanne; ältere Tiere haben ein erhöhtes Risiko für multiple altersbedingte Erkrankungen, die sich auf ihre Gesundheit und ihre Lebensqualität auswirken können.
Altersbedingte Erkrankungen wirken sich auf die Körperzusammensetzung aus, aber auch bei älteren Tieren ohne diagnostizierte Erkrankung ist ein Rückgang des Körperfetts und der fettfreien Körpermasse zu beobachten.
Unter einem „gesunden Gewicht“ versteht man das Körpergewicht, bei dem die gesunde Lebensspanne so lange wie möglich erhalten bleibt; wichtige Kriterien sind eine optimale Muskelmasse und ein nicht übermäßig ausgeprägtes Fettgewebe.
Für jeden Patienten sollte das gesunde Gewicht nach Möglichkeit bereits im frühen adulten Leben definiert werden; anschließend sollte das Tier mindestens zweimal jährlich gewogen werden, im Seniorenalter auch etwas häufiger.
Einleitung
Die Lebenserwartung unserer Kleintiere steigt (1). In den USA wird die durchschnittliche Lebenserwartung zum Zeitpunkt der Geburt heute auf 11,2 Jahre bei Katzen und auf 12,7 Jahre bei Hunden geschätzt (1), obwohl viele Tiere natürlich deutlich länger leben. Allein im Vereinigten Königreich gibt es schätzungsweise 10,6 Millionen Katzen (2), von denen etwa 30 % älter als zehn Jahre sein dürften. Mittlerweile sind fast 50 % der britischen Hundepopulation sieben Jahre alt oder älter, und etwa zwei Millionen Hunde sind 12 Jahre alt oder älter (3).
Mit der wachsenden Population alternder Haustiere steigt zunehmend auch das Bewusstsein für die Notwendigkeit, diese Senioren unter unseren Hunden und Katzen gezielt zu unterstützen, um ihr Wohlbefinden im Alter zu verbessern. Katzen gelten im Alter von 7 bis 10 Jahren als „reif“ und mit mehr als 10 Jahren als „Senioren“ (4). Da diese Stadien bei Hunden aufgrund von zum Teil erheblichen Unterschieden der Rassen und Körpergrößen nicht so strikt definierbar sind, bezeichnet man Hunde im letzten Viertel ihrer geschätzten Lebensspanne als Senioren (4). Eine längere Lebensdauer ist jedoch nicht unbedingt gleichbedeutend mit einer längeren gesunden Lebensspanne, definiert als die Zeitspanne, in der ein Individuum bei guter Gesundheit lebt. Ältere Tiere haben ein höheres Risiko für verschiedene altersbedingte Erkrankungen, die sich offensichtlich auf ihre Gesundheit und Lebensqualität auswirken können. Zudem kommt es mit fortschreitendem Alter häufiger zu Veränderungen der Körperzusammensetzung, die zu vermehrter Gebrechlichkeit („Frailty“) führen können, und damit auch die Lebensqualität beeinträchtigen (5, 6). Wenn wir die gesunde Lebensspanne unserer Hunde und Katzen verbessern wollen, müssen wir zunächst verstehen, auf welche Weise sich sowohl das Alter per se als auch altersbedingte Erkrankungen auf die Körperzusammensetzung auswirken.
Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Ansätze zur Förderung und Aufrechterhaltung eines gesunden Körpergewichts bei älteren Katzen und Hunden. Zunächst erfolgt ein Überblick über verschiedene Methoden zur Messung der Körperzusammensetzung, gefolgt von einer Betrachtung der Frage, wie sich das Alter an sich und altersbedingte Erkrankungen auf die Körperzusammensetzung auswirken, sowie einem Vorschlag zur Definition vom „gesundem Gewicht”. Abschließend werden einige praktische Tipps zum Erhalt und zur Förderung eines gesunden Gewichts bei älteren Hunden und Katzen diskutiert.
Wie messen wir die Körperzusammensetzung?
In der klinischen Praxis werden drei Hauptkennzahlen zur Beurteilung der Körperzusammensetzung herangezogen: das Körpergewicht, der Body Condition Score (BCS) und der Muscle Condition Score (MCS), wobei die beiden ersten Parameter am häufigsten genutzt werden. In einer jüngste Studie wurde nach Analyse elektronischer Patientenakten festgestellt, dass bei über 95 % aller in britischen erstversorgenden Praxen vorgestellten Katzen das Körpergewicht bestimmt und aufgezeichnet wird, während man den BCS nur in 22,5 % der Fälle erfasst (7) . Der MCS wird noch seltener bestimmt, kann jedoch wertvolle Informationen liefern, die tiefere Einblicke in ein gesundes Altern geben können.
Das Körpergewicht hat den Vorteil, dass es sich um eine sehr schnell und einfach zu ermittelnde, objektive Messgröße handelt, die problemlos reproduzierbar ist und es ermöglicht, bereits geringgradige Veränderungen zuverlässig zu erkennen und kontinuierlich zu überwachen. Allerdings unterscheidet sich das Körpergewicht je nach Rasse und Gesamtstatur eines Tieres und kann nicht zwischen verschiedenen Gewebetypen wie Fett und fettfreier Körpermasse differenzieren. BCS und MCS sind subjektivere Messgrößen, da sie auf einer Beurteilung durch einen Tierarzt oder eine Tierärztin anhand einer ganzen Reihe von Deskriptoren basieren, sie bieten aber einen besseren Einblick in verschiedene Aspekte der Körperzusammensetzung als das Körpergewicht. Für Kleintiere wurden verschiedene Systeme des Body Condition Scoring entwickelt, die WSAVA empfiehlt jedoch eine 9-Punkte-Skala, nicht zuletzt, weil diese Variante eine gute Korrelation mit dem mittels Dual-Energie-Röntgenabsorptiometrie (DEXA) gemessenen Körperfettanteil aufweist, und weil hier eine geringe Interobserver-Variabilität (Unterschiede zwischen verschiedenen Untersuchern) besteht. Eine Änderung des BCS um einen Punkt auf der 9-stufigen Skala entspricht einer Änderung des Körpergewichts um etwa 10 %.
Der Muscle Condition Score (MCS) ist ein Maß für die Muskelmasse eines Tieres. In ihrem Nutrition Toolkit1 stellt die WSAVA entsprechende Tabellen für Katzen und Hunde zur Verfügung. Die Einstufung des MCS erfolgt anhand einer Vier-Punkte-Skala, die von „kein Muskelverlust“ (3/3) über „geringgradiger oder mittelgradiger Muskelverlust“ bis hin zu „hochgradiger Muskelverlust (0/3) reicht. Die Beurteilung des Muskelverlustes erfolgt durch Palpation verschiedener definierter anatomischer Lokalisationen (Abbildung 1), und die so ermittelte Gesamtpunktzahl lässt sich leicht in die klinischen Aufzeichnungen des Patienten integrieren. Validiert wurde dieses Scoring-System anhand objektiver Messungen der fettfreien Körpermasse mittels DEXA (8) und sonographischer Messung der epaxialen Muskeldicke (9). Die Werte aus den verschiedenen Körperregionen können addiert werden, um einen Gesamt-Score von bis zu 30 Punkten zu erhalten, der unter anderem auch in epidemiologischen Studien an Katzen angewendet wird (6). Die Erfassung der Muskelmasse ist nicht zuletzt deshalb sinnvoll, weil BCS und MCS nicht immer miteinander korrelieren; so kann zum Beispiel ein übergewichtiges Tier gleichzeitig einen Muskelverlust aufweisen.

Abbildung 1. Anatomische Punkte, die bei einer Katze palpiert werden können, um den Muscle Condition Score zu bestimmen; dieselben Punkte gelten auch für Hunde.
©Aus (6). Lizenziert unter CC BY/neu gezeichnet von Sandrine Fontègne
Wie wirkt sich das Altern auf die Körperzusammensetzung aus?
Beim Menschen kommt es in der Regel im mittleren Alter zu einer allmählichen Zunahme des Körperfetts, bevor dann im höheren Alter sowohl das Körpergewicht als auch das Körperfett abnehmen. Gleiches gilt auch für Katzen und Hunde (6, 10), allerdings nimmt die Muskelkondition bei diesen Spezies tendenziell bereits früher ab, wobei es bereits ab dem mittleren Alter zu einem Rückgang der fettfreien Körpermasse kommt (6, 10) – ähnlich wie dies auch beim Menschen zu beobachten ist. Die Erkenntnis, dass der Rückgang der Muskelmasse bei älteren Kleintieren früher einsetzt als der Rückgang des Körperfetts, unterstreicht die Bedeutung der Erfassung der Muskelkondition. Zahlreiche altersbedingte Erkrankungen wirken sich auf die Körperzusammensetzung aus, aber auch bei Tieren ohne diagnostizierte Erkrankung wird im Alter ein Rückgang des Körperfetts und der fettfreien Masse beobachtet, was darauf hindeutet, dass zugrundeliegende Alterungsmechanismen per se einen Einfluss auf die Körperzusammensetzung haben (6, 11).
Die Gründe für diese altersbedingten Verschiebungen der Körperzusammensetzung sind komplexer Natur und multifaktoriell. Ein wichtiger Faktor ist der altersbedingte Verlust der Fähigkeit zur Aufrechterhaltung des Energiegleichgewichts, wobei der Rückgang des Energiebedarfs im mittleren Alter zu Übergewicht prädisponiert, bevor der erhöhte Energiebedarf im höheren Alter später dann das Risiko eines Gewichtsverlustes erhöht (5). Das Altern wirkt sich aber auch auf die Verdaulichkeit und die Absorption von Nährstoffen aus, wobei eine verminderte Protein- und Fettverdaulichkeit bei älteren Tieren zu einem weiteren Gewichts- und Muskelverlust beiträgt (11). Auf zellulärer Ebene spielen eine mitochondriale Dysfunktion, oxidativer Stress und geringgradige chronische Entzündungen (bekannt als „Inflammaging“) eine wichtige Rolle beim Verlust von fettfreier Masse und bei Veränderungen in der Fettverteilung (11). In der Summe erklären alle diese Mechanismen, warum Verschiebungen der Körperzusammensetzung ein Merkmal des Alterns sind, selbst wenn keine offensichtliche Erkrankung vorliegt.
Ältere Tiere haben ein höheres Risiko für verschiedene altersbedingte Erkrankungen, die sich offensichtlich auf ihre Gesundheit und Lebensqualität auswirken können. Zudem kommt es im Alter häufiger zu Veränderungen der Körperzusammensetzung, die zu vermehrter Gebrechlichkeit führen, und damit auch die Lebensqualität beeinträchtigen können.
Wie wirken sich altersbedingte Erkrankungen auf die Körperzusammensetzung aus?
Abgesehen von den durch das Altern per se hervorgerufenen Veränderungen wirken sich auch zahlreiche altersbedingte Erkrankungen auf die Körperzusammensetzung bei Katzen und Hunden aus. Einige der häufigsten dieser Erkrankungen werden im Folgenden diskutiert.
Chronische Nierenerkrankung
In einer Studie über 569 Katzen mit Chronischer Nierenerkrankung (CNE) verloren die Katzen bereits über drei Jahre vor der CNE-Diagnose an Gewicht, nach erfolgter Diagnose jedoch deutlich schneller; bei Katzen mit CNE ist Gewichtsverlust zudem mit einer kürzeren Überlebenszeit assoziiert (12). Bei Hunden mit CNE besteht ein Zusammenhang zwischen einem verringerten BCS/MCS und einer kürzeren Überlebenszeit (13).
Endokrine Erkrankungen
Hyperthyreose bei Katzen führt zu Gewichtsverlust, der in erster Linie auf eine Abnahme der Muskelmasse und weniger auf einen Verlust von Körperfett zurückzuführen ist. Die erfolgreiche Behandlung der Erkrankung führt zu einer Gewichtszunahme und einem Anstieg des BCS, vielen betroffenen Tieren gelingt es jedoch nicht, ihre normale Muskelmasse wiederzuerlangen (14). Bei Hunden tritt häufiger Hypothyreose auf und geht in der Regel mit einer Zunahme des Körpergewichts und des Körperfetts einher, hauptsächlich infolge einer Verringerung des Grundumsatzes. Schilddrüsenunterfunktion wird bei Hunden aber auch mit Muskelatrophie in Verbindung gebracht, wahrscheinlich im Zusammenhang mit peripheren Neuropathien und hypothyreoten Myopathien.
Übergewicht und Adipositas sind Risikofaktoren für die Entwicklung von Diabetes mellitus bei Katzen und bei Hunden, da sie das Risiko einer Insulinresistenz erhöhen, die wiederum die Dysfunktion der pankreatischen Betazellen verstärkt. Bei unbehandelten diabetischen Tieren sind häufig ein Gewichtsverlust und eine Muskelatrophie zu beobachten, obwohl viele betroffene Tiere zum Zeitpunkt der Diagnose immer noch übermäßig viel Körperfett aufweisen (15).
Kardiovaskuläre Erkrankungen
Sowohl bei Hunden als auch bei Katzen ist ein Verlust an Muskelmasse auch mit einer kardialen Erkrankung (kardiale Kachexie) assoziiert. Bei Tieren mit diagnostizierter kongestiver Herzinsuffizienz führt ein Verlust an Muskelmasse zu kürzeren Überlebenszeiten im Vergleich zu entsprechend erkrankten Tieren ohne Muskelverlust (5, 16).
Muskuloskelettale Erkrankungen
Erkrankungen des Bewegungsapparates wie Osteoarthritis gehen mit einem Muskelverlust der betroffenen Gliedmaßen infolge einer Inaktivitätsatrophie einher. Ein verringertes Aktivitätsniveau kann auch zu einem erhöhten Risiko für die Zunahme von Körperfett führen, die den zugrundeliegenden Zustand dann wiederum durch Gewichtszunahme verschlimmern kann. Vermehrtes Körperfett ist sowohl bei Katzen als auch bei Hunden ein Risikofaktor für Osteoarthritis, und ein erfolgreiches Gewichtsmanagement kann bei betroffenen Tieren zur Linderung von Lahmheiten und zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen (17).
Die Erkenntnis, dass der Rückgang der Muskelmasse früher einsetzt als der Rückgang der Fettmasse, unterstreicht die Bedeutung der Erfassung der Muskelkondition bei älteren Kleintieren.
Wie definieren wir „gesundes Gewicht” bei alternden Tieren?
Bevor wir uns damit befassen, wie man den Erhalt eines gesunden Körpergewichts bei alternden Haustieren am besten unterstützen kann, müssen wir zunächst klären, was genau unter einem „gesunden Gewicht“ zu verstehen ist. Nach Kenntnis der Autor*innen gibt es eine solche Definition derzeit nicht. Unserer Meinung nach entspricht ein „gesundes Gewicht“ dem Körpergewicht (oder, genau genommen dem Gewichtsbereich), bei dem die gesunde Lebensspanne des Individuums möglichst lange erhalten bleibt, also einem Zustand mit optimaler Muskelmasse und nicht übermäßig ausgeprägter Fettgewebemasse (Abbildung 2). Beim Menschen wird ein solcher Gewichtsbereich in der Regel anhand des Body-Mass-Index (BMI) bestimmt, der in einer U-förmigen Kurve mit der Gesamtmortalität korreliert. Für die adulte hellhäutige Bevölkerung liegt der „normale“ BMI (bei dem die Gesamtmortalität am niedrigsten ist) zwischen 20 und 25: Bei einem BMI unterhalb oder oberhalb dieser Spanne steigt das Mortalitätsrisiko (18). Der BMI hat jedoch einige bekannte Einschränkungen, darunter die fehlende Möglichkeit, zwischen fettfreier Körpermasse und Fettmasse zu differenzieren. Zudem kann die Anwendbarkeit des BMI je nach Population variieren.

Abbildung 2. Das Konzept des „gesunden Gewichts” bei Katzen und Hunden (genauer gesagt handelt es sich dabei eher um einen Gewichtsbereich als um einen singulären Wert) bezeichnet einen Zustand mit optimaler Muskelmasse und nicht übermäßiger Fettgewebemasse. Das gesunde Gewicht entspricht dem Gewichtsbereich, in dem die „gesunde Lebensspanne” möglichst lange aufrechterhalten wird (definiert als Zeitspanne, in der ein Individuum bei guter Gesundheit lebt).
© Neu gezeichnet von Sandrine Fontègne
In einer Querschnittsstudie mit mehr als 2000 Katzen, die in einer erstversorgenden tierärztlichen Praxis in Sydney, Australien, vorgestellt wurden, hatten Katzen mit einem maximalen BCS von 6/9 die längsten Lebensspannen, während Katzen mit einem maximalen BCS von ≤4/9 oder 9/9 die kürzesten Lebensspannen und ein erhöhtes Mortalitätsrisiko aufwiesen (19). In einer weiteren Studie über die dieselbe Katzenkohorte wurde bei Tieren mit einem BCS ≥ 6/9 ein erhöhtes Risiko für verschiedene Erkrankungen festgestellt, darunter dermatologische Probleme, muskuloskelettale Erkrankungen, Hypertonie, Asthma, Erkrankungen der Maulhöhle, Diarrhoe, Harnwegserkrankungen und Diabetes mellitus (20). Katzen mit einem BCS von 5/9 hatten das geringste Risiko für Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes und des oberen Harntraktes. Neben diesen Daten zeigt eine longitudinale Kohortenstudie mit alternden Katzen (6), dass das Körpergewicht, der BCS und der MCS nach dem zehnten Lebensjahr abnahmen, wobei Katzen, die chronische Erkrankungen entwickelten oder im Laufe der Studie starben, einen steileren Rückgang dieser Parameter zeigten (Abbildung 3). In derselben Kohorte war Muskelverlust jeglichen Grades im mittleren Alter mit einer kürzeren Lebensspanne assoziiert. In der Summe deuten die aktuellen Evidenzen also darauf hin, dass die Spanne des „gesunden Gewichts” bei Katzen den Körpergewichten entspricht, bei denen der BCS bei 5/9 oder 6/9 liegt und der MCS bei 3/3.

Abbildung 3: Veränderungen des Körpergewichts, des BCS und des MCS bei männlichen Katzen, die an der Cat Prospective Aging and Welfare Study teilnahmen. Die Katzen wurden unterteilt in „Gesund“ (Alterung ohne Entwicklung diagnostizierter Erkrankungen, orangefarbene Linie) oder „Nicht gesund“, (Alterung mit Entwicklung diagnostizierter Erkrankungen, violette Linie). Katzen mit altersbedingten Erkrankungen verloren schneller an Körpergewicht, BCS und MCS als Katzen, die gesund alterten. Der MCS wurde anhand von zehn anatomischen Punkten gemessen, die jeweils mit 0 (hochgradiger Muskelverlust) bis 3 (kein Muskelverlust) bewertet wurden, und zu einer Gesamtpunktzahl von maximal 30 addiert wurden. Zu beachten ist, dass ein Geschlechterunterschied (hier nicht dargestellt) beim Körpergewicht und BCS beobachtet wurde, nicht aber beim MCS.
© Aus (6). Lizenziert unter CC-BY/neu gezeichnet von Sandrine Fontègne
In einer Studie mit Hunden war die Lebenserwartung bei Tieren mit medianem BCS von 4-5/9 signifikant höher als bei Tieren mit einem BCS von 1-3/9 oder 8-9/9 (1). Bei Hunden im Alter von 6,5 bis 8,5 Jahren, die in die Kategorien „übergewichtig” oder „normalgewichtig” unterteilt wurden, hatten Tiere der ersten Kategorie bei allen 12 untersuchten Rassen eine kürzere mediane Lebensdauer als Tiere der zweiten Kategorie, insbesondere galt dies für den Yorkshire Terrier(21). Muskelverlust trägt zum „Frailty-Phänotyp“ bei, der letztlich auch mit einer verkürzten Lebensspanne einhergeht. Es gibt mehrere klinische Tools zur Erfassung des Frailty-Phänotyps2 bei Hunden, und Hunde, die bei der klinischen Beurteilung ab einem Alter von fünf Jahren auf diesen Skalen höhere Werte erzielen, haben verkürzte Lebensspannen (22). Ein hochgradiger Muskelverlust im Bereich der epaxialen Muskulatur im Alter von 12 Jahren (Spanne 9–17 Jahre) ist bei verschiedenen Hunderassen mit einer verkürzten Lebensspanne assoziiert (23). Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse entspricht ein „gesundes” Gewicht bei Hunden einem BCS von 4/9 bis 5/9 und einem MCS von 3/3.
Wie können wir ein gesundes Gewicht bei älteren Haustieren aufrechterhalten oder fördern?
Tabelle 1 gibt einen Überblick über die erforderlichen Schritte zur Aufrechterhaltung oder Förderung eines gesunden Körpergewichts bei den Senioren unter unseren Katzen und Hunden, wobei die einzelnen Punkte im Folgenden näher erläutert werden.
Tabelle 1. Wichtige Schritte zum Erhalt oder zur Förderung eines gesunden Gewichts, abhängig von der aktuellen Körperkondition.
| Katzen und Hunde mit gesundem Gewicht | Untergewichtige Katzen und Hunde | Übergewichtige Katzen und Hunde |
| Erkennen, behandeln und managen chronischer Erkrankungen | Erkennen, behandeln und managen chronischer Erkrankungen | Erkennen, behandeln und managen chronischer Erkrankungen |
| Regelmäßige Beurteilung der Ernährung | Moderate Zunahme in Richtung eines gesunden Gewichts anstreben | Moderate Abnahme in Richtung eines gesunden Gewichts anstreben |
| Regelmäßige Kontrollen des gesunden Gewichts | Erhalt der Muskelmasse | Minimierung des Verlusts fettfreier Körpermasse |
| Anwendung von Diätnahrung, Arzneimittel und Ergänzungsfuttermitteln nach Indikation | Kompromiss bezüglich des gewählten Zielgewichts |
Katzen und Hunde mit gesundem Gewicht
Chronische Erkrankungen erkennen, behandeln und managen. Das Altern ist ein Risikofaktor für verschiedene Erkrankungen. Ältere Tiere sollten daher unabhängig von ihrer Körperzusammensetzung regelmäßig auf mögliche chronische Erkrankungen gescreent werden. Bei älteren Patienten sollten immer eine gründliche Anamnese und eine vollständige klinische Untersuchung durchgeführt werden, die angesichts der im Alter höheren Prävalenz von Erkrankungen der Maulhöhle/Zähne und des Bewegungsapparates, auch eine spezielle orale und orthopädische Untersuchung umfassen sollte (4). Ergänzende Maßnahmen wie die Messung des systolischen Blutdrucks, die Hämatologie, die Serumbiochemie und eine Harnanalyse ermöglichen eine Diagnose bereits bestehender Erkrankungen, während entsprechende Routineuntersuchungen bereits ab dem mittleren Alter den frühen Nachweis solcher Erkrankungen erleichtern, sobald sich diese entwickeln. Bei Katzen über neun Jahren sollte darüber hinaus eine Messung der Serumthyroxinkonzentration in Betracht gezogen werden.
Regelmäßige Beurteilung der Ernährung. Die Ernährung ist einer der fünf Vitalparameter, die bei jeder Konsultation beurteilt werden sollten. Zu diesem Zweck stellt die WSAVA eine Checkliste zur Verfügung zur Unterstützung des Screenings von Tieren, bei denen das Risiko einer mangelhaften Deckung des Nährstoffbedarfes besteht. Laut aktueller Empfehlung sollte eine solche Beurteilung der Ernährung zusammen mit spezifischen Ernährungsempfehlungen bei jeder tierärztlichen Konsultation durchgeführt werden. Katzen und Hunde im Seniorenalter müssen diesbezüglich generell sehr eng überwacht werden, auch wenn eine ausführliche Beurteilung der Ernährung nicht unbedingt bei jeder Untersuchung erforderlich ist, wenn keine anderen Hinweise auf entsprechende Probleme vorliegen.
Regelmäßige Kontrollen des gesunden Körpergewichts. Wie oben erwähnt, ist das Körpergewicht eine wichtige Kennzahl für die Gesundheit, und das regelmäßige Wiegen von Katzen und Hunden während ihres gesamten Lebens ist eine sensitive Methode zur Früherkennung möglicher Gesundheitsprobleme. Die Autor*innen empfehlen, ein gesundes Gewicht bei allen Patienten bereits im frühen adulten Alter zu definieren, in den Patientenakten zu vermerken, und dann anzustreben, Katzen und Hunde während ihres gesamten adulten Lebens mindestens zweimal pro Jahr (im Seniorenalter auch häufiger) unter kontrollierten Bedingungen in der Praxis zu wiegen. Eine Beurteilung der Ernährung kann dann im Rahmen desselben Besuchs in der Praxis erfolgen. Box 1 zeigt eine Formel für die Berechnung der prozentualen Veränderung des Körpergewichts. Jede Abweichung vom zuvor definierten gesunden Gewicht um mehr als ±5 % sollte markiert und auf ihre Ursache hin abgeklärt werden. Veränderungen des Körpergewichts gelten zwar als der sensitivste Indikator für Monitoringzwecke, dennoch wird empfohlen, zusätzlich auch den BCS und den MCS mindestens einmal jährlich zu ermitteln und aufzuzeichnen, wobei auch hier jede Veränderung dieser Kennzahlen eine Abklärung durch weiterführende Untersuchungen nach sich ziehen sollte.
Box 1. Berechnung der prozentualen Veränderung des Körpergewichts.
|
% Veränderung Körpergewicht = (Neues Körpergewicht / Vorheriges Körpergewicht) × 100 - 100 |
| Beispiel: Bei einem Hund, der aktuell 23,5 kg wiegt, bei der letzten Untersuchung jedoch 25,7 kg, liegt eine prozentuale Veränderung des Körpergewichts von (23,5 ÷ 25,7) × 100- 100 = -8,56 % vor. Jede unerklärliche Veränderung des Körpergewichts von > ±5 % sollte tierärztlich abgeklärt werden. |
Untergewichtige Katzen und Hunde
Chronische Erkrankungen erkennen, behandeln und managen. Da untergewichtige Tiere wie oben beschrieben, anfälliger für bestimmte altersbedingte Erkrankungen sind, sind in der Regel umfassende Untersuchungen und diagnostische Maßnahmen erforderlich, um mögliche Ursachen eines Gewichtsverlustes, einer schlechten Körperkondition oder eines Muskelverlusts zu identifizieren, zu diagnostizieren und entsprechend zu therapieren (4). Die genauen diagnostischen Maßnahmen hängen vom jeweiligen Einzelfall und den klinischen Symptomen ab, umfassen jedoch in der Regel zunächst eine Kombination aus klinisch-pathologischen Untersuchungen und diagnostischer Bildgebung. Eine Erläuterung von Behandlungsoptionen würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Praktische Tierärzt*innen sollten sich bei Entscheidungen über die Therapie und das weitere Follow-up an den entsprechenden Klassifizierungssystemen und Leitlinien orientieren (z. B. Leitlinien der International Renal Interest Society).
Moderate Zunahme in Richtung eines gesunden Gewichts anstreben. Zusätzlich zur spezifischen Therapie der zugrundliegenden Erkrankung(en) ist es sinnvoll, die Futteraufnahme zu steigern, um eine Gewichtszunahme zu fördern und den Patienten allmählich wieder in den Bereich des gesunden Gewichts zu bringen. Das Ziel ist ein stetiger und nachhaltiger Fortschritt, da eine schnelle Gewichtszunahme begleitende Erkrankungen verstärken oder Stoffwechselstörungen begünstigen kann. Strategien zur Gewichtszunahme müssen jedoch sorgfältig auf das Lebensstadium und den allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten abgestimmt werden. Spezifische Leitlinien für eine solche Gewichtszunahme umfassen folgende Punkte:
a. Beurteilung der aktuellen Nahrungsaufnahme und Abgleich mit dem tatsächlichen Energiebedarf. Die Schätzung des Erhaltungsenergiebedarfs (MER; Maintenance Energy Requirement) und die Anpassung an den Lebensstil, die Erkrankung oder den Erholungsstatus bilden die Grundlage für die Planung.
b. Erstellung eines individuellen Überwachungsplans. Häufige Gewichtskontrollen (z. B. alle 2–4 Wochen) sowie die Überwachung von BCS und MCS sind unerlässlich. Tierhalter*innen können dazu angehalten werden, den Appetit zu überwachen und die Futteraufnahme zu protokollieren.
c. Fütterung hochverdaulicher Nahrung mit hoher Energiedichte. Ältere Katzen und Hunde haben einen erhöhten Bedarf an diätetischer Energie und diätetischen Proteinen. Die Nahrung sollte außerdem hochverdaulich sein, um altersbedingte Veränderungen der gastrointestinalen Funktion zu kompensieren. Bei Tieren mit Chronischer Nierenerkrankung kann es sich gelegentlich als schwierig erweisen, die Proteinaufnahme zu erhöhen, da Rohstoffe, die Proteine liefern, in der Regel auch einen erhöhten diätetischen Phosphorgehalt mit sich bringen. Ideal geeignet sind daher spezielle Diätnahrungen für ältere, untergewichtige Hunde oder Katzen.
d. Umgang mit Hindernissen im Bereich von Verhalten und Umwelt. Ältere Katzen und Hunde reagieren möglicherweise empfindlicher auf Umweltstressoren wie Lärm, Konkurrenz um Futter in Haushalten mit mehreren Haustieren oder unattraktive Fütterungsorte (z. B. in der Nähe von Katzentoiletten). Auch kognitive Einschränkungen können sich auf Fütterungsroutinen auswirken, wenn betroffene Tiere desorientiert und verwirrt sind und sich ihr Schlaf-Wach-Rhythmus verändert. Und schließlich können Einschränkungen der Mobilität dafür verantwortlich sein, dass ältere Tiere ihre Fütterungsstellen nicht mehr erreichen, Probleme beim Treppensteigen haben oder nicht mehr in der Lage sind, während der Nahrungsaufnahme eine bequeme Haltung einzunehmen. Praktische Anpassungen der Umwelt wie die Schaffung ruhiger Fütterungsorte, die Bereitstellung erhöhter Näpfe für Tiere mit Gelenkproblemen oder das Anbieten mehrerer Futterstationen in Haushalten mit mehreren Tieren können zu einer Verbesserung der Futteraufnahme beitragen. Für Tiere mit beeinträchtigter Sehfähigkeit ist es besonders wichtig, Futterstellen an festgelegten Orten zu belassen.
e. Optimierung der Schmackhaftigkeit/Akzeptanz und der Fütterungshäufigkeit. Ältere Tiere haben möglicherweise einen verminderten Geschmacks- oder Geruchssinn, die zu einer Appetitminderung beitragen können. Maßnahmen wie das Anwärmen des Futters, das Anbieten von Feuchtnahrung oder die Aufteilung der Tagesration in mehrere kleine über den Tag verteilte Mahlzeiten können zu einer Verbesserung der Futteraufnahme beitragen.
Erhalt der Muskelmasse. Da der Erhalt der fettfreien Körpermasse ein entscheidender Faktor ist, sollte eine ausreichende Proteinzufuhr über die Nahrung sichergestellt werden. Gegebenenfalls können Tierhalter*innen auch dazu ermutigt werden, sanfte Kraftübungen zu unterstützen, wie z. B. interaktives Spielen oder Bewegungen geringer Intensität, die auf die Fähigkeiten des Tieres abgestimmt sind.
Anwendung von Diätnahrung, Arzneimitteln und Ergänzungsfuttermitteln nach Indikation. Bei Ernährungsumstellungen zur Beeinflussung des Körpergewichts sollten auch begleitende Erkrankungen (z. B. renale, hepatische oder gastrointestinale Erkrankungen) berücksichtigt werden. Die Supplementierung der Nahrung mit langkettigen Omega-3-Fettsäuren, Antioxidantien und mittelkettigen Triglyceriden kann den Stoffwechsel und die kognitiven Funktionen unterstützen (11). Bei anhaltend unzureichender freiwilliger Nahrungsaufnahme können Appetitstimulanzien, eine assistierte Fütterung oder in bestimmten Fällen sogar Ernährungssonden eingesetzt werden. Dabei müssen stets die potenziellen Vorteile solcher Maßnahmen gegen die Auswirkungen auf die allgemeine Lebensqualität des Patienten abgewogen werden.
Abbildung 4 illustriert ein Fallbeispiel für den Einsatz verschiedener Methoden zur Unterstützung eines gesunden Gewichts bei einer älteren Katze mit CNE und Hyperthyreose.

Abbildung 4: Entwicklung von Körpergewicht, BCS und MCS bei einer 9-jährigen, kastrierten, weiblichen Kurzhaarhauskatze, die nach der Diagnose einer Chronischen Nierenerkrankung im IRIS-Stadium 2 mit Gewichtsverlust zur Untersuchung vorgestellt wurde. Initial wurde als unterstützende Maßnahme für kurze Zeit eine Ösophagus-Sonde gelegt, die zu einer Zunahme des Körpergewichts und des BCS führte. Die Katze erhielt eine phosphorarme Nierendiätnahrung, verlor jedoch über einen Zeitraum von 12 Monaten graduell fortschreitend an Gewicht und BCS. Daraufhin wurde Mirtazapin als Appetitstimulans verordnet, wodurch sich das Körpergewicht für einige Monate stabilisierte, bevor es erneut abnahm. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Nierendiätnahrung um eine „normale“ Katzennahrung ergänzt, um die Gewichtszunahme zu fördern, woraufhin die Katze innerhalb von 8 Monaten 11 % ihres Körpergewichts zu nahm. Anschließend kam es erneut zu einem deutlichen Gewichtsverlust von 24 % mit einer Abnahme des BCS um einen Punkt und einer Abnahme des MCS. Eine Hyperthyreose wurde diagnostiziert und eine Behandlung mit Carbimazol eingeleitet, die zu einer Verbesserung des Körpergewichts und des BCS (jedoch nicht des MCS) führte. Nach acht Monaten kam es zu einer weiteren Verschlechterung des Zustands mit Rückgang von Körpergewicht, BCS und MCS. Trotz zweiwöchiger Unterstützung mit einer naso-ösophagealen Ernährungssonde zur Verbesserung der Lebensqualität erfolgte letztendlich eine Euthanasie.
Abkürzungen: BCS = Body Condition Score 9-Punkte-Skala. MCS = Muscle Condition Score, 4-Punkte-Skala von keinem Muskelverlust (A) bis zu hochgradigem Muskelverlust (D). N-Oe = Naso-ösophageale-Sonde.
Nota bene: Die Daten in der Abbildung sind im US-Format dargestellt (Monat/Tag/ Jahr). Die MSC-Grade B, C und D in der Abbildung entsprechen den MSC-Graden 1, 2 und 3 im Artikel.
© Neu gezeichnet von Sandrine Fontègne
Übergewichtige Katzen und Hunde
Chronische Erkrankungen erkennen, behandeln und managen. Wie oben erwähnt, erhöht Adipositas das Risiko für Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Osteoarthritis und Hypertonie. Vor Beginn eines jeden therapeutischen Gewichtsreduktionsprogramms ist ein Screening des Patienten auf solche Begleiterkrankungen ratsam.
Moderate therapeutische Gewichtsreduktion in Richtung eines gesunden Körpergewichts anstreben
In einigen Fällen kann eine moderate Gewichtsreduktion bei übergewichtigen älteren Hunden und Katzen gesundheitliche Vorteile mit sich bringen, beispielsweise durch eine Verbesserung der allgemeinen Lebensqualität, funktionelle Verbesserungen, eine Linderung chronischer Schmerzen oder eine Verringerung der Auswirkungen einer begleitenden Erkrankung (24). Anstelle einer vollständigen therapeutischen Gewichtsreduktion ist bei diesen älteren übergewichtigen Patienten in der Regel ein partieller Gewichtsreduktionsplan angezeigt, der auf die Abnahme eines Teils des überschüssigen Gewichtes anstelle des Erreichens eines „perfekten“ Idealgewichts abzielt. Das Zielgewicht wird dabei so festgelegt, dass die klinischen Vorteile maximiert und gleichzeitig die negativen Folgen (wie der Verlust von fettfreier Körpermasse) minimiert werden. Solche Protokolle zur partiellen Gewichtsreduktion führen letztlich zu einem schnelleren durchschnittlichen Gewichtsverlust bei gleichzeitiger Minimierung des Verlusts an fettfreier Körpermasse (25). Für eine kontrollierte Gewichtsreduktion sind spezifische Veterinär-Diätnahrungen vorzuziehen, da diese trotz diätetischer Energierestriktion eine ausgewogene Nährstoffversorgung sicherstellen. Das Ziel eines partiellen Gewichtsreduktionsplans sollte stets individuell auf den einzelnen Patienten zugeschnitten werden (24), wobei der Verlust eines BCS-Punktes (etwa 10–15 % des Körpergewichts) für viele Tiere und Tierhalter*innen ein realistisches und motivierendes anfängliches Ziel darstellt.
Minimierung des Verlustes an fettfreier Körpermasse. Bei älteren Tieren ist der Erhalt der Muskelmasse auch und gerade während einer therapeutischen Gewichtsreduktion von entscheidender Bedeutung. Eine geeignete Diätnahrung mit erhöhtem Proteingehalt (zur Versorgung mit essenziellen Aminosäuren) und Zusatzstoffen wie L-Carnitin kann dazu beitragen, die fettfreie Körpermasse während des Prozesses der Gewichtsabnahme zu erhalten. Mit Hilfe einer regelmäßigen Überwachung des MCS können Probleme eines übermäßigen Verlustes von fettfreier Körpermasse bereits frühzeitig erkannt werden.
Kompromisse bei der Festlegung des Zielgewichts. Das nachhaltige Engagement der Tierhalter*innen ist der Schlüssel zum Erfolg, und allzu ehrgeizige Ziele bergen die Gefahr von Frustration und mangelnder Compliance. Vernünftige Kompromisse, realistische Ziele und eine regelmäßige positive Verstärkung tragen dazu bei, die Motivation der Tierhalter*innen aufrechtzuerhalten und die Wahrscheinlichkeit eines langfristig erfolgreichen Gewichtsmanagements zu erhöhen (24, 25).
Abbildung 5 illustriert die Fallstudie einer therapeutischen Gewichtsreduktion bei einem älteren Hund.


Abbildung 5. Therapeutische Gewichtsreduktion bei einem 12-jährigen Beagle-Rüden, der an einer beidseitigen Osteoarthritis der Kniegelenke infolge einer Erkrankung des vorderen Kreuzbandes litt. Ziel war es, die Mobilität nach einer TPLO (Tibial Plateau Leveling Osteotomy) an der rechten Beckengliedmaße zu verbessern. Obwohl das „Idealgewicht” des Hundes auf 15 kg geschätzt wurde, entschied man sich für einen partiellen Gewichtsreduktionsplan mit einem Zielgewicht von ca. 20 kg. Dieser Kompromiss wurde in Abwägung der Vorteile (verbesserte Mobilität und Lebensqualität) gegenüber den Risiken (Verlust fettfreier Körpermasse) einer Gewichtsreduktion gewählt, aber auch um die Compliance und Motivation der Halter*innen sicherzustellen. Über einen Zeitraum von 201 Tagen betrug der Gewichtsverlust 27 %, also durchschnittlich 0,9 % pro Woche. (a) Der Hund vor der therapeutischen Gewichtsreduktion mit einem Ausgangsgewicht von 27,2 kg. (b) Derselbe Hund nach der therapeutischen Gewichtsreduktion mit einem Endgewicht von 20,6 kg.
Quelle: Royal Canin Obesity Care Clinic, University of Liverpool, UK.
Schlussfolgerung
Die Aufrechterhaltung eines gesunden Gewichts bei älteren Katzen und Hunden ist ein wichtiger Faktor für die Unterstützung einer gesunden Lebensspanne. Der Alterungsprozess per se sowie altersbedingte Erkrankungen führen zu Veränderungen der Körperzusammensetzung, einschließlich Muskelverlust und Veränderungen der Fettverteilung, die sich auf die Lebensqualität eines Tieres auswirken können. Das Körpergewicht allein reicht nicht aus, um diese Veränderungen zu überwachen. Bei älteren Patienten sollten auch regelmäßig der Body Condition Score und der Muscle Condition Score erfasst werden. Voraussetzungen für die Unterstützung eines gesunden Körpergewichts sind ein proaktives Screening auf chronische Erkrankungen, regelmäßige Beurteilungen der Ernährung und die konsequente Überwachung von Körpergewicht und Körperzusammensetzung. Das Ziel ist letztlich nicht nur das Management der Körperzusammensetzung, sondern auch die Optimierung der gesunden Lebensspanne. Durch frühzeitiges Erkennen von Veränderungen der Körperzusammensetzung, praktische Interventionen und die enge Zusammenarbeit mit Tierhalter*innen können Tierärzt*innen die Gesundheit und das Wohlbefinden alternder Haustiere erheblich verbessern.
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Erklärung zu Interessenkonflikten Beide Autor*innen sind Mitarbeiter der University of Liverpool, werden jedoch auch von Royal Canin finanziert. AJG hat für die Bereitstellung von Schulungsmaterialien, Vorträge auf Konferenzen und Beratungsleistungen finanzielle Vergütungen und Geschenke erhalten. |
Literatur
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Christine R. Pye
BVSc, PgC(SAS), MPhil, MRCVS, Department of Musculoskeletal and Aging Science, Institute of Life Course and Medical Sciences, University of Liverpool, UK
Alexander J. German
BVSc (Hons), PhD, Cert SAM, Dipl. ECVIM-CA, SFHEA, FRCVS, Department of Small Animal Clinical Sciences, School of Veterinary Sciences, University of Liverpool, UK
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