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Was gibt es Neues im Bereich Gewichtsmanagement?
Geschrieben von Myriam Hesta
Die stärkere Betonung der Prävention könnte eine wirksamere Strategie zur Bekämpfung der zunehmenden Adipositas-Epidemie bei Kleintieren sein. Dieser Artikel soll tierärztliche Praxisteams dabei unterstützen, Kleintiere mit Risiko für eine Gewichtszunahme zu identifizieren und die Wirksamkeit von Adipositas-Behandlungsprogrammen zu verbessern.
Article

Kernaussagen
Gewichtskontrolle beginnt frühzeitig; im Zentrum steht die Priorisierung von Prävention und Behandlung durch Identifizierung von Patienten mit hohem Risiko und Aufklärung der Halter*innen von Tieren aus diesen gefährdeten Gruppen.
Wichtige Aspekte sind die Berücksichtigung von Risikofaktoren (wie Kastration und appetitsteigernde Arzneimittel) und eine möglichst schnelle Umsetzung von Präventionsstrategien.
Stärken Sie das Engagement und die Motivation von Tierhalter*innen, indem Sie diese aktiv in den Behandlungsprozess einbeziehen und effektive Kommunikationstechniken nutzen.
Verfolgen Sie einen teamorientierten Ansatz, indem Sie alle Mitarbeitenden integrieren, und sorgen Sie für eine konsistente und einheitliche Kommunikation, um wichtige Empfehlungen zu bekräftigen und die Ergebnisse zu verbessern.
Einleitung
Die Prävalenz von Übergewicht und Adipositas in der Kleintierpopulation liegt schätzungsweise bei bis zu 60 % und nimmt weltweit weiter zu. Adipositas gilt als eigenständige Erkrankung und ist mit einer verkürzten Lebensdauer, einer verminderten Lebensqualität und einem erhöhten Risiko für zahlreiche Komorbiditäten assoziiert. Dazu gehören orthopädische Erkrankungen, eine Dysregulation des Glukose- und Insulinstoffwechsels, bestimmte Tumorerkrankungen, Erkrankungen des Harntraktes und Hypertriglyzeridämie (1). Darüber hinaus zeigen übergewichtige Katzen im Vergleich zu normalgewichtigen Katzen eine erhöhte feline Pankreaslipase-Immunreaktivität (fPLI), wobei unklar bleibt, ob dieser Befund eine subklinische Pankreatitis widerspiegelt oder eine metabolische Veränderung infolge von Übergewicht darstellt (2). Neben den direkten negativen Auswirkungen auf die Gesundheit kann Adipositas bei Kleintieren auch eine finanzielle und emotionale Belastung für betroffene Tierhalter*innen darstellen, die sich der Körperkondition ihres Tieres oft gar nicht bewusst sind und Nahrung nicht selten als emotionales Mittel zum Ausdruck ihrer Zuneigung einsetzen (1).
Die Behandlung von Adipositas kann sich auch negativ auf das Wohlbefinden von Tierärzt*innen auswirken. Dabei werden drei Hauptstressfaktoren identifiziert:
- Frustration und Traurigkeit im Zusammenhang mit Behandlungsversagen
- Mangelndes Verständnis der Tierhalter*innen
- Mangelnde Compliance der Halter*innen mit den Behandlungsplänen.
Alle diese Faktoren können zu beruflich bedingtem Stress und „Compassion Fatigue“ (Mitgefühlsmüdigkeit) beitragen. Da der Wunsch von Tierärzt*innen, die Gesundheit ihrer Patienten zu fördern, im Konflikt mit der Zurückhaltung, dem Widerstand oder der Unfähigkeit der Halter*innen stehen kann, tierärztliche Empfehlungen zur Behandlung von Adipositas anzunehmen und praktisch umzusetzen (3).
Während heute eindeutig erwiesen ist, dass eine erfolgreiche Gewichtsabnahme die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Langlebigkeit verbessert, bleibt das Erreichen und Aufrechterhalten einer Gewichtsreduktion bei übergewichtigen und adipösen Tieren in der allgemeinen Praxis oft eine große Herausforderung. So beschreibt eine jüngste Studie insgesamt niedrige Gewichtsabnahmeraten, wobei im Laufe der Zeit sogar mehr Hunde an Gewicht zunehmen als abnehmen (4). Darüber hinaus wird festgestellt, dass praktische Tierärzt*innen spezielle Diätennahrungen für das Gewichtsmanagement in zu geringem Maße einsetzen und oft Schwierigkeiten haben, wirksam über ein gesundes Körpergewicht zu kommunizieren. Auf Seiten der Tierärzt*innen tragen unter anderem eine mangelnde Priorisierung, begrenzte Konsultationszeiten (in der Regel nur 15–20 Minuten pro Patient) und eine unzureichende Bereitstellung detaillierter diätetischer Empfehlungen zu den schlechten Ergebnissen bei, und dies obwohl informative Leitlinien und praktische Tools für den klinischen Einsatz weithin verfügbar sind, beispielsweise von nationalen und internationalen tierärztlichen Fachverbänden.
Angesichts der hohen Prävalenz von Adipositas, ihrer tiefgreifenden negativen Folgen für die Gesundheit und das Wohlbefinden von Kleintieren sowie ihrer Auswirkungen auf das berufliche und persönliche Wohlbefinden von Tierärzt*innen ist eine umfassende Strategie zur besseren Bewältigung dieser wachsenden Problematik dringend erforderlich. Eine solche Strategie sollte sowohl die Prävention als auch die Behandlung umfassen. Angesichts der geringen therapeutischen Erfolgsraten könnte die Priorisierung präventiver Maßnahmen eine wirksamere Strategie zur Eindämmung der Adipositas-Epidemie bei Kleintieren sein. Ziel dieses Artikels ist es, erstversorgenden Tierärzt*innen praktische Leitlinien zur Verbesserung der Erfolgsraten sowohl bei der Prävention als auch bei der Behandlung von Adipositas bei Kleintieren an die Hand zu geben und jüngste Entwicklungen hervorzuheben, die für die tägliche klinische Praxis relevant sind.
Prävention
Prävention ist ein entscheidender Faktor für die Bekämpfung der weltweit zunehmenden Adipositas-Epidemie bei Kleintieren, wobei sowohl Tierärzt*innen als auch TFAs eine wichtige Rolle spielen. Wirksame Prävention beginnt bereits mit dem frühzeitigen Erkennen von Risikopatienten und der proaktiven Aufklärung der Halter*innen, um einer Gewichtszunahme von Anfang an entgegenzuwirken (Abbildung 1). Zahlreiche potenziell zu Adipositas beitragende Risikofaktoren wurden identifiziert, sowohl auf Seiten der Tiere als auch auf Seiten der Tierhalter*innen. Einige dieser Faktoren sind nicht modifizierbar, andere können dagegen durch gezielte Maßnahmen beeinflusst werden.
Der folgende Abschnitt bietet einen Überblick über die wichtigsten Risikofaktoren auf Seiten der Tiere und ihrer Halter*innen. Ziel ist es, praktischen Tierärzt*innen dabei zu helfen, Patienten mit erhöhtem Risiko für Übergewicht oder Adipositas zu identifizieren. Anschließend werden einige praktische Strategien für tierärztliche Praxisteams diskutiert.

Risikofaktoren auf Seiten der Tierhalter*innen
Halter*innen adipöser Tiere neigen eher dazu, Nahrung gegenüber aktivem Spielen mit ihrem Tier zu priorisieren und aufmerksamkeitsheischendes Verhalten als Futtersuche zu fehlzuinterpretieren und zeigen im Allgemeinen eine weniger strenge Kontrolle über die Fütterungspraktiken (1). Darüber hinaus kann der individuelle Erziehungsstil eines Tierhalters oder einer Tierhalterin mit einem erhöhten Risiko für Übergewicht und Adipositas bei Tieren verbunden sein. So wurde insbesondere festgestellt, dass eine „permissive Erziehung“ – gekennzeichnet durch eine hohe Responsivität und geringe Anforderungen – unter Halter*innen übergewichtiger und adipöser Hunde überproportional häufig vertreten ist. Das in diesem Zusammenhang erhöhte Adipositasrisiko kann unter anderem auf eine größere Neigung zurückzuführen sein, Nahrung als Mittel zur Zufriedenstellung des Tieres einzusetzen, verbunden mit geringeren Erwartungen oder einer geringeren Durchsetzung von körperlicher Aktivität (5). Eine wichtige Rolle tierärztlicher Praxisteams besteht darin, Halter*innen dabei zu unterstützen, schon früh im Leben ihres Tieres gesunde Routinen rund um die Fütterung und körperliche Bewegung zu etablieren (1).
Risikofaktoren auf Seiten der Tiere
Wenn die Energieaufnahme den Energieverbrauch übersteigt, nimmt das Körpergewicht zu. Dieses Ungleichgewicht der Energiebilanz liegt im Prinzip jeder Gewichtszunahme zugrunde, wird aber durch zahlreiche zusätzliche Faktoren beeinflusst. Zu den allgemein bekannten Risikofaktoren für Übergewicht und Adipositas gehören die Rassezugehörigkeit, das Alter und der Kastrationsstatus (1). Darüber hinaus wurden bei Hunden und Katzen mehrere Gene, die eine Rolle im Energiestoffwechsel spielen, mit der Entwicklung von Adipositas in Verbindung gebracht (6, 7). Praxisteams können hier eine wichtige aufklärende und beratende Rolle spielen, insbesondere in Bezug auf das Thema Kastration, die Verordnung appetitsteigernder Arzneimittel sowie die Diagnose und Behandlung orthopädischer Erkrankungen, die zu Einschränkungen der körperlichen Aktivität führen.
Die Prävalenz von Übergewicht und Adipositas ist bei ausgewachsenen Tieren am höchsten – 50,1 % der Hunde bzw. 44,8 % der Katzen gelten als übergewichtig und 12,6 % der Hunde bzw. 21,7 % der Katzen werden als adipös klassifiziert. Übergewicht tritt jedoch in allen Lebensphasen auf. Bemerkenswert ist, dass auch bei einem Teil der Hundewelpen (9,5 %) und Katzenwelpen (10,7 %) in der späten Wachstumsphase Übergewicht beschrieben wird, und mit einem erhöhten Risiko für Übergewicht oder Adipositas im adulten Alter assoziiert ist (8). Auch schnelle Wachstumsraten werden mit einem höheren Risiko für die Entwicklung von Übergewicht im späteren Leben in Verbindung gebracht (1).
Die Kastration (Gonadektomie) ist ein gut dokumentierter Risikofaktor für Adipositas bei Tieren beider Geschlechter. Die Entfernung der Keimdrüsen ist mit vermehrtem Appetit, verminderter körperlicher Aktivität, verringerter Stoffwechselrate und verändertem Nahrungsaufnahmeverhalten assoziiert (Abbildung 2) (9). Bei Katzen kann die Kastration den Energiebedarf um bis zu 30 % senken (10) und die freiwillige Nahrungsaufnahme kann um bis zu 50 % steigen, wenn Futter ad libitum angeboten wird (11). Darüber hinaus kann dieser akute Anstieg der Nahrungsaufnahme auch altersabhängig sein. So ist beispielsweise Hyperphagie bei weiblichen Katzen, die im Alter von 31 Wochen kastriert wurden, deutlicher ausgeprägt als bei Kätzinnen, die bereits im Alter von 19 Wochen kastriert wurden (12). Umgekehrt weisen später kastrierte Katzenwelpen einen weniger steilen Wachstumsverlauf auf als früher kastrierte (13). In Anbetracht dieser Datenlage sind weitere Untersuchungen erforderlich, um die Auswirkungen des Alters zum Zeitpunkt der Kastration auf das Wachstum und die langfristige Entwicklung des Körpergewichts näher zu beleuchten.
Eine reduzierte körperliche Aktivität im Zusammenhang mit orthopädischen Erkrankungen trägt ebenfalls zum Risiko der Entwicklung von Adipositas bei (1). Bei Tieren mit orthopädischen Erkrankungen kann der tägliche Energiebedarf in signifikantem Maße reduziert sein (14). Auch pharmakologische Interventionen können das Körpergewicht beeinflussen. So induzieren beispielsweise Glukokortikoide bekanntermaßen Polyphagie (1), und auch Hunde, die aufgrund einer idiopathischen Epilepsie mit Antiepileptika behandelt werden, zeigen ein erhöhtes Risiko für Gewichtszunahme. In diesem Zusammenhang wurde festgestellt, dass Antiepileptika die Nahrungsmotivation steigern, und Hunde mit idiopathischer Epilepsie gleichzeitig tendenziell weniger körperlich aktiv sind. Darüber hinaus setzen Tierhalter*innen häufig Snacks und Leckerchen ein, um Arzneimittel zu verabreichen, und obwohl einige Halter*innen versuchen, die Futterrationen entsprechend anzupassen, um die zusätzlich aufgenommenen Kalorien auszugleichen, scheint dies nicht auszureichen, um eine Gewichtszunahme zu verhindern (15).

Wie können wir als Praxisteam Tierhalter*innen unterstützen?
Eine umfassende Analyse und Beurteilung der Risikofaktoren sowohl auf Seiten des Tieres als auch auf Seiten der Tierhalter*innen kann Tierärzt*innen dabei helfen, Tiere mit hohem Risiko für eine Gewichtszunahme rechtzeitig zu identifizieren und gleichzeitig modifizierbare Faktoren für eine gezielte Präventionsstrategie zu ermitteln (siehe Box 1). Hilfsmittel wie der „Dog Obesity Risk and Appetite“-Fragebogen (DORA), mit dessen Hilfe individuelle Merkmale eines Hundes (z. B. Nahrungsmotivation), Gesundheitsfaktoren und Verhaltensweisen der Halter*innen bewertet werden, können Praxisteams dabei unterstützen, Patienten mit einer Prädisposition für Adipositas präziser und früher zu identifizieren (16).
Box 1. Wichtige Punkte zur Prävention von Adipositas durch das Praxisteam.
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Tierärztliche Praxisteams spielen eine entscheidende Rolle bei der Unterstützung von Tierhalter*innen ab den frühesten Lebensphasen. So kann bereits bei der Erstuntersuchung eines Hunde- oder Katzenwelpen eine durch den Einsatz von Wachstumskurven gestützte Ernährungs- und Fütterungsberatung durchgeführt werden, um ein schnelles Wachstum und die Entwicklung von Übergewicht in den frühen Lebensphasen zu verhindern und gleichzeitig gesunde Fütterungs- und Bewegungsroutinen zu fördern. Dazu gehören Empfehlungen zur richtigen Auswahl der Nahrung und der geeigneten Tagesrationen, die Verwendung von Puzzle Feedern, die Auswahl geeigneter Snacks und Leckerchen sowie deren begrenzter Einsatz und Tipps für futterunabhängige Alternativen, um Zuneigung auszudrücken, sowie Empfehlungen für regelmäßige körperliche Aktivität.
Voraussetzungen für die Vermeidung einer Gewichtszunahme im Anschluss an eine Kastration sind ein diätetisches Management und die enge Überwachung von Wachstumsraten, insbesondere bei Tieren mit erhöhtem Risiko. In dieser Phase kann eine speziell formulierte Nahrung verordnet werden, die den reduzierten Energiebedarf des kastrierten Tieres berücksichtigt und dennoch alle für ein gesundes Wachstum notwendigen Nährstoffe liefert. Integraler Bestandteil dieser Konsultationen nach der Kastration sollten zudem Tipps für die Steigerung des körperlichen Aktivitätsniveaus sein.
Ein weiterer entscheidender Punkt in der Adipositasprävention ist das frühzeitige Erkennen und die wirksame Behandlung orthopädischer Erkrankungen, um zu verhindern, dass Tiere in einen Teufelskreis aus weiterer Gewichtszunahme und zunehmender Verschlechterung der Mobilität geraten. Darüber hinaus sollten Tierärzt*innen im Rahmen der Verordnung bekanntermaßen appetitsteigernder Arzneimittel proaktiv Behandlungsstrategien besprechen und Halter*innen betroffener Tiere kontinuierlich unterstützen, um das Risiko einer Gewichtszunahme zu mindern.
Sämtliche Empfehlungen sollten individuell angepasst, regelmäßig überwacht und bei Bedarf entsprechend adaptiert werden, um optimale Ergebnisse für jeden einzelnen Patienten zu gewährleisten.
Behandlung
Das Fundament jeder Adipositas-Behandlung bei Kleintieren ist die Herstellung einer negativen Energiebilanz durch Reduzierung der Energiezufuhr mittels einer ausgewogenen Gewichtsreduktionsdiät und Steigerung des Energieverbrauchs durch vermehrte körperliche Aktivität. Eine jüngste Metaanalyse zeigt, dass Nahrungen mit reduzierter Energiedichte (< 3,275 kcal/kg TM), niedrigem Fettgehalt (< 10 % TM) und niedrigem Kohlenhydratanteil (< 40 % TM) in Kombination mit einem höheren Proteingehalt (> 25 % TM) und einem höheren Gesamtfaseranteil (> 12 % TM) bei Hunden eine effektive Gewichtsabnahme fördern (17).
In der Praxis erweist sich die Umsetzung dieser einfach klingenden Prinzipien jedoch oft als schwierig. Eine gute Kommunikation, die Berücksichtigung psychologischer Faktoren und ein wirksames diätetisches Management sind dabei ebenso wichtig wie die Kalorienrestriktion und die körperliche Bewegung. Vor der Einleitung eines Gewichtsreduktionsprogramms muss in jedem Fall zunächst die Bereitschaft der Tierhalter*innen beurteilt werden. Werden Halter*innen zu früh zu einem solchen Programm gedrängt, kann dies zu Frustration sowohl bei den behandelnden Tierärzt*innen als auch bei Halter*innen führen und nicht zuletzt auch zu erheblicher Zeit- und Geldverschwendung. Vielmehr sollte stattdessen ausreichend Zeit investiert werden, um Tierhalter*innen nachhaltig über die mit Adipositas verbundenen Gesundheitsrisiken und die Vorteile einer Gewichtsreduktion aufzuklären (Box 2) (1, 18). Eine neuere Studie zur Motivation und Entscheidungsfindung von Tierhalter*innen zeigt, dass Sorgen um die Gesundheit der Tiere die wichtigsten Motivationsfaktoren darstellen, was darauf hindeutet, dass die Betonung einer verbesserten Lebenserwartung eine besonders wirksame Kommunikationsstrategie sein könnte (19).
Box 2. Wichtige Punkte zur Steigerung des Engagements und der Motivation der Tierhalter*innen.
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Engagement der Tierhalter*innen
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Motivation und Kommunikation
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Sobald die Bereitschaft der Halter*innen sichergestellt ist, sollte eine Behandlung auf individueller Basis eingeleitet werden. Insbesondere Haushalte mit kleinen Kindern, älteren Menschen oder Personen, die häufig beruflich unterwegs sind, benötigen maßgeschneiderte Empfehlungen und individuelle praktische Strategien (Abbildung 3). Der Einsatz intelligenter Technologien kann für einige Halter*innen von Vorteil sein – beispielsweise können intelligente Futterautomaten in Haushalten mit mehreren Katzen dazu beitragen, individuelle angemessene Futterrationen bereitzustellen (1, 18). Viele Tierhalter*innen betrachten „Füttern mit Mehrwert“ als eine Form der mentalen Stimulation, die Bettelverhalten reduziert, das Sättigungsgefühl erhöht und beiden Seiten Freude bereitet (20). Einfache Strategien wie das Umstellen des Futternapfs an verschiedene Orte oder „Finde das Futter“-Spiele können zur Förderung der körperlichen Aktivität von Katzen beitragen (Abbildung 4). Da die speziestypischen Aktivitätsmuster von Katzen in der Regel eher von kurzen Aktivitätsausbrüchen als von anhaltenden körperlichen Anstrengungen geprägt sind, sollten Pläne zur Förderung der körperlichen Aktivität dieses natürliche Verhalten nachahmen (21).


Ebenso wichtig ist es aber, Hindernisse und „No-Go“-Situationen klar zu identifizieren und zu benennen. Wenn es beispielsweise aus organisatorischen Gründen der Alltagsgestaltung unpraktisch ist, einen Hund viermal täglich zu füttern, kann die Verwendung von Futterautomaten die bessere Alternative sein als ein Beharren auf einem unpraktikablen Fütterungsschema (Abbildung 5). Und wenn es sich als schwierig erweist, Snacks zu reduzieren, kann die Gabe kleiner Mengen kalorienarmer Leckerchen – oder schmackhafter Snacks zur Verabreichung von Arzneimitteln – dazu beitragen, die Einhaltung des diätetischen Plans zu gewährleisten, unter der Voraussetzung, dass diese zusätzlichen Kalorien in die Gesamtenergiezufuhr eingerechnet werden. Wichtig ist dabei, dass das Praxisteam praktische Lösungen in den Vordergrund stellt, anstatt sich auf Probleme und Hindernisse zu fokussieren (1, 18).

Motivation der Halter*innen
Das Verständnis der Motivation und der Entscheidungsfindung von Halter*innen kann Tierärzt*innen als Richtschnur für Kommunikationsstrategien dienen, mit dem Ziel, die Compliance und die Erfolgsraten zu verbessern. Eine jüngste Studie unter Halter*innen von Tieren in Gewichtsreduktionsprogrammen beschreibt als vorherrschenden Motivationsstil die „identifizierte Regulierung” (definiert als eine Verhaltensweise, die man als wichtig und wertvoll anerkennt, weil sie bestimmten Zielen dient, auch wenn die Tätigkeit selbst vielleicht nicht angenehm ist), während der häufigste Stil der Entscheidungsfindung mit „rational” beschrieben wird (19). Daraus abgeleitete praktische Empfehlungen wären zum Beispiel das Anbieten externer Belohnungen für Halter*innen (z. B. Preise, Rabatte), das Bereitstellen diätetischer Optionen, das Geben von positivem Feedback, das Organisieren von Selbsthilfegruppen, das Vermeiden negativer Kommentare und das Erläutern der Gründe hinter den tierärztlichen Empfehlungen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es erhebliche individuelle Unterschiede von Mensch zu Mensch gibt, und Tierärzt*innen stets die individuellen Präferenzen und den persönlichen Motivationsstil einzelner Kund*innen respektieren sollten. Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um zu klären, auf welche Weise und in welchem Maße diese psychologischen Faktoren den Erfolg von Gewichtsreduktionsprogrammen beeinflussen und wie tierärztliche Praxisteams dieses Wissen am besten praktisch umsetzen können (19).
Von zentraler Bedeutung ist es, Halter*innen betroffener Tiere jeden einzelnen Schritt dieses Prozesses so weit wie möglich zu erleichtern (1, 18). Wenn bei einem Patienten beispielsweise eine Physiotherapie oder eine Verhaltensberatung angezeigt ist, sollten diese Optionen leicht zugänglich gemacht werden – Adipositas ist ein häufiger Grund für Physiotherapie bei Katzen (21). Auch ergänzende pharmakologische Behandlungen können das Potenzial haben, zur Lösung solcher Probleme beizutragen. Bislang hat allerdings nur eine Studie die Anwendung des GLP-1-Agonisten Liraglutid (Analogon des Glucagon-ähnlichem Peptid-1) bei übergewichtigen und adipösen Hunden untersucht. In der Studie erhielten 7 von 14 Hunden über einen Zeitraum von 40 Tagen Liraglutid, während weitere 7 Hunde als normalgewichtige Kontrollgruppe dienten. Festgestellt wurde, dass der Wirkstoff den Appetit und den Body Condition Score reduzierte, aber im Vergleich zu den anderen Gruppen keinen signifikanten Einfluss auf den Gewichtsverlust hatte. Größere und längerfristige Studien sind erforderlich, bevor GLP-1-Analoga für die klinische Anwendung im Rahmen von Gewichtsreduktionsprogrammen empfohlen werden können (22).
Entscheidend für ein erfolgreiches Outcome ist schließlich auch ein strukturiertes Follow-up, das vom Praxisteam organisiert werden sollte, und nicht allein den Tierhalter*innen überlassen werden sollte. Wesentlich ist dabei ein koordinierter, teamorientierter Ansatz, der eine einheitliche Kommunikation zwischen Tierärzt*innen, TFAs und (falls zutreffend) Ernährungsberater*innen oder Spezialist*innen gewährleistet (1, 18).
Das Verständnis der Motivation und der Entscheidungsfindung von Tierhalter*innen kann Tierärzt*innen als Richtschnur für Kommunikationsstrategien dienen, um die Compliance und Erfolgsraten zu verbessern.
Schlussfolgerung
Die Prävalenz von Übergewicht und Adipositas bei Kleintieren ist nach wie vor hoch und nimmt weiter zu. Dies hat signifikante negative Auswirkungen auf die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Lebensdauer betroffener Tiere. Tierärztliche Praxisteams spielen sowohl bei der Prävention als auch bei der Behandlung eine entscheidende Rolle. Allerdings sind die Erfolgsraten der Behandlung oft gering, was sowohl bei Mitarbeitenden tierärztlicher Praxen als auch bei Tierhalter*innen zu erheblicher Frustration führen kann. Beitragende Faktoren sind das fehlende Verständnis und die mangelnde Compliance der Tierhalter*innen aber auch zeitliche Beschränkungen während der tierärztlichen Konsultationen. Ein kooperativer Ansatz, der das gesamte Praxisteam einbezieht, kann entscheidend zu einer wirksamen Bekämpfung der Adipositas-Epidemie bei Kleintieren beitragen, indem sowohl die Prävention als auch die Verbesserung der Behandlungsergebnisse in den Vordergrund gestellt werden.
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Myriam Hesta
DVM, PhD Vet Sci, Dipl. ECVCN, Department of Morphologie, Imaging, Orthopedics, Rehabilitation und Nutrition, Faculty of Veterinary Medicine, Universität Gent, Belgien
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