Loading component...

Aktuelle Fragen zur Behandlung von Diabetes mellitus bei Katzen

Geschrieben von Ruth F. Gostelow

Das Aufkommen oraler SGLT2-Hemmer bietet eine Alternative zur Insulintherapie bei Katzen mit Diabetes mellitus, Tierhalter*innen sollten jedoch über die im Einzelfall für ihr Tier bevorzugte Option beraten werden. 

Article

5 - 15 min
Zwei Bilder derselben schwarz-weißen Katze. Auf einem Bild liegt die Katze auf einer Waage und blickt nach oben. Auf dem anderen Bild liegt sie auf dem Boden.

Kernaussagen

Group 15 1

Das Verständnis der Pathogenese des Diabetes mellitus bei einer individuellen Katze ist von entscheidender Bedeutung für die Planung der Behandlung; das Konzept der diabetischen Remission und deren Vorteile sollten mit den Katzenhalter*innen besprochen werden, sobald die Diagnose bestätigt ist. 

Group 15 2

Aktuelle Erfahrungen deuten darauf hin, dass eine Insulintherapie die bevorzugte Behandlungsoption für eine Katze sein könnte, wenn Halter*innen als Therapieziel eine diabetische Remission anstreben.

Group 15 3

Eine gezielte Gewichtsreduktion ist bei übergewichtigen Katzen mit Diabetes wichtig, um die diabetische Kontrolle zu verbessern und die Chancen auf das Erreichen einer Remission zu maximieren. 

Group 15 4

Eine Kalorienrestriktion kann per se einen positiven Einfluss auf die Glukosehomöostase haben und bei einigen übergewichtigen diabetischen Katzen eine verbesserte glykämische Kontrolle bereits vor Erreichen einer signifikanten, geplanten Gewichtsreduktion ermöglichen.


Einleitung

Diabetes mellitus (DM) ist eine der häufigsten endokrinologischen Erkrankungen bei Katzen und in der Regel auf eine beeinträchtigte oder vollständig fehlende Insulinsekretion der pankreatischen β-Zellen in Verbindung mit einer peripheren Insulinresistenz (IR) zurückzuführen. Verschiedene Faktoren können zur Pathogenese eines DM bei Katzen beitragen, der letzte gemeinsame Schritt in der Entwicklung dieser Erkrankung ist jedoch das Versagen der pankreatischen β-Zellen, ausreichend Insulin zur Aufrechterhaltung einer Normoglykämie zu sezernieren (1). Viele Diabetes-Fälle bei Katzen weisen Ähnlichkeiten mit Typ-2-Diabetes des Menschen auf, unter anderem gibt es ähnliche Risikofaktoren (Adipositas, zunehmendes Alter, Bewegungsmangel) und ein wahrscheinlich polygenes Vererbungsmuster (2, 3). Bei Katzen liegen in vielen Fällen jedoch andere Ursachen zugrunde, insbesondere endokrine Einflüsse, die eine Insulinresistenz hervorrufen, wie zum Beispiel Hypersomatotropismus (gemeinhin als „Akromegalie“ bezeichnet), spontaner Hyperadrenokortizismus und eine exogene Steroidbehandlung. Diese Zusammenhänge wurden bislang unter der Bezeichnung „andere spezifische Diabetes-Typen“ zusammengefasst. Die Pathogenese von Diabetes mellitus kann also von Katze zu Katze erheblich variieren (Abbildung 1) (1). Bei der diagnostischen Abklärung einer Katze mit entsprechendem Verdacht sollten praktische Tierärzt*innen die im Einzelfall wahrscheinlichen Ursachen eines DM erkennen, da das gezielte Adressieren dieser Faktoren im Rahmen der anschließenden Behandlung eine gute diabetische Kontrolle fördert. Bei einigen diabetischen Katzen kommt es während der Behandlung zu einer Besserung des klinischen Diabetes, sodass die antihyperglykämische Arzneimitteltherapie abgesetzt werden kann, ohne dass es anschließend zu einer Rezidivierung der Hyperglykämie kommt; dies wird als „diabetische Remission“ bezeichnet. 

Drei Bilder von drei Katzen während einer tierärztlichen Konsultation: 1. Eine stehende Katze in Seitenansicht. 2. Eine langhaarige schwarze Katze in liegender Position, Frontansicht. 3. Eine Burmakatze in sitzender Position, Frontansicht.

Abbildung 1. Drei diabetische Katzen mit vermutlich unterschiedlichen Ätiologien ihres Diabetes mellitus (DM). (a) Eine übergewichtige diabetische Katze, bei der eine Adipositas-assoziierte Insulinresistenz wahrscheinlich zur Entwicklung von DM beiträgt. (b) Eine diabetische Katze mit zugrunde liegendem Hypersomatotropismus (HS). Zu beachten sind die mit Akromegalie verbundenen phänotypischen Veränderungen, wie z. B. Prognathismus inferior und vergrößerte Pfoten. (c) Eine diabetische Burmakatze; diese Rasse weist in Europa und Australien eine gut dokumentierte Prädisposition für DM auf. 
© Ruth F. Gostelow

 

Bis vor kurzem waren Insuline der einzige für die Behandlung diabetischer Katzen zugelassene Arzneimitteltyp. Mittlerweile sind in zahlreichen Ländern Natrium-Glukose-Cotransporter-2-Hemmer (SGLT2-Hemmer; Sodium-Glucose Cotransporter 2 Inhibitors) wie Velagliflozin als alternative Behandlungsmethode zugelassen (Abbildung 2). Diese Arzneimittel reduzieren die Hyperglykämie, indem sie das SGLT2-Protein in den Nierentubuli blockieren und auf diese Weise die renale Rückresorption von Glukose hemmen. Es wird angenommen, dass diese initiale Verbesserung der Hyperglykämie den pankreatischen β-Zellen eine Phase der Ruhe und Erholung verschafft. Ist die Therapie mit SGLT2-Hemmern erfolgreich, kann die weitere diabetische Kontrolle daher weitgehend durch die endogene β-Zellfunktion aufrechterhalten werden (4). SGLT2-Hemmer sind zwar in vielen Ländern inzwischen bereits seit mehreren Jahren zugelassen, bestimmte Aspekte ihrer klinischen Anwendung können aber nach wie vor noch gewisse Unsicherheiten hervorrufen, sowohl auf Seiten von Tierärzt*innen als auch bei Tierhalter*innen. Dieser Artikel soll das Vertrauen praktischer Tierärzt*innen in die Behandlung diabetischer Katzen mit SGLT2-Hemmern stärken, indem Fragen erörtert werden, die im Rahmen der praktischen klinischen Anwendung dieser Wirkstoffe auftreten können.

Abbildung mit zwei Arzneimitteln zur Behandlung von Diabetes bei Katzen: 1. Eine Durchstechflasche mit injizierbarem Insulin, gekennzeichnet als „ProZinc“ 40 IE/ml. 2. Eine kleine und eine große Flasche mit den jeweiligen Verpackungen, beide gekennzeichnet als „Senvelgo“ 15 mg/ml, zusammen mit einer oralen Dosierspritze.

Abbildung 2. Insulin (a) und Natrium-Glukose-Cotransporter-2-Hemmer (b), wie die hier gezeigten Arzneimittel, bieten zwei alternative zugelassene Behandlungsmöglichkeiten für diabetische Katzen. 
© mit freundlicher Genehmigung von Boehringer Ingelheim

 

Wie entscheide ich mich zwischen einem SGLT2-Hemmer und Insulin?

Die Frage, ob im Einzelfall ein SGLT2-Hemmer oder Insulin am besten geeignet ist, muss auf der Grundlage der klinischen Befunde und nach Besprechung der individuellen Situation mit den Katzenhalter*innen beantwortet werden. Bei vielen diabetischen Katzen sorgen SGLT2-Hemmer für eine wirksame glykämische Kontrolle, in einigen Fällen sind diese Wirkstoffe jedoch kontraindiziert, unter anderem bei Tieren mit Ketose, bei Patienten mit klinischer Pankreatitis und bei Katzen mit eingeschränktem klinischem Allgemeinbefinden. Bei Katzen mit Chronischer Nierenerkrankung müssen SGLT2-Hemmer mit besonderer Vorsicht eingesetzt werden. In diesen Fällen erscheint eine Insulintherapie die besser geeignete Option zu sein (4). 

Am ehesten stellt sich die Frage, ob ein SGLT2-Hemmer oder Insulin eingesetzt werden soll, daher bei klinisch gesunden Katzen mit neu diagnostiziertem Diabetes mellitus ohne offensichtliche Begleiterkrankungen und ohne aktuelle Hinweise auf eine Ketose, da bei solchen Patienten grundsätzlich beide Behandlungsoptionen geeignet erscheinen. In diesem Szenario stützt sich die Entscheidung zwischen diesen beiden Therapien wahrscheinlich auf einer Diskussion mit den Katzenhalter*innen über die spezifischen Merkmale beider Optionen. Box 1 fasst Punkte zusammen, die bei einem Gespräch mit Katzenhalter*innen über die Vor- und Nachteile beider Optionen im gegebenen Fall zur Sprache kommen könnten. Zu den potenziellen Vorteilen von SGLT2-Hemmern gegenüber Insulin gehören das Behandlungsschema mit einer einmal täglichen oralen Verabreichung, die auf dem Körpergewicht basierende Standarddosierung und das vernachlässigbare Risiko einer klinischen Hypoglykämie (4). Für viele Halter*innen diabetischer Katzen dürften diese praktischen Aspekte attraktiv sein, zumal bekannt ist, dass häufig Ängste rund um die Gefahr einer Hypoglykämie, mögliche Auswirkungen auf das soziale Leben der Halter*innen und Bedenken hinsichtlich einer Unterbringung und Versorgung des Tieres bei „Pflegeeltern“ bestehen (5). Ein wesentlicher Unterschied zwischen beiden Therapien, der für Tierhalter*innen möglicherweise weniger klar auf der Hand liegt, besteht jedoch in ihrem unterschiedlichen Zusammenhang mit der diabetischen Remission. Das Thema Remission erfordert daher die spezifische Beratung durch die behandelnden Tierärzt*innen und wird im Folgenden ausführlicher erörtert.

 

Box 1. Checkliste der Punkte, die bei der Entscheidung zwischen einer Insulin- Behandlung und SGLT2-Hemmer-Therapie bei einer ansonsten gesunden Katze mit neu diagnostiziertem Diabetes mellitus ohne Ketose zu berücksichtigen sind.

Haben die Halter*innen eine starke Präferenz für eine einmal täglich zu verabreichende orale Therapie (SGLT2-Hemmer) gegenüber zweimal täglichen Insulininjektionen?

  • Dies könnte durch den Lebensstil der Halter*innen und der Katze, das Temperament der Katze sowie die Einstellung der Halter*innen gegenüber Spritzen und Kanülen beeinflusst werden.

Sind sich die Halter*innen der potenziellen Nebenwirkungen von SGLT2-Hemmern (diabetische Ketoazidose [DKA], einschließlich euglykämischer DKA) und von Insulin (Hypoglykämie, einschließlich klinischer Hypoglykämie) bewusst, und beeinflusst dies ihre Präferenz für eine der beiden Behandlungsoptionen?

Streben die Halter*innen eine diabetische Remission als Outcome der Diabetesbehandlung ihrer Katze an? Wenn dies der Fall ist, könnte Insulin die erste Wahl sein.

  • Dieser Aspekt ist besonders relevant bei Katzen mit reversiblen Ursachen einer Insulinresistenz (z. B. Adipositas, kürzlich erfolgte Glukokortikoidtherapie) oder anderen Faktoren, aufgrund derer das Erreichen einer Remission wahrscheinlicher ist (z. B. Burma-Katze).

Ist die langfristige Perspektive der Behandlung wichtig für die Halter*innen?

  • Die therapeutischen Erwartungen auf sehr lange Sicht werden bei der Insulin-Therapie besser verstanden als beim Einsatz von SGLT2-Hemmern. 

 

 

Wie könnte die Möglichkeit einer diabetischen Remission die Wahl der Therapie beeinflussen? 

Box 2 liefert eine klassische Definition des Begriffes diabetische Remission bei Katzen. Welche Mechanismen genau zu einer diabetischen Remission führen, ist wenig bekannt. Wahrscheinlich wird eine Remission jedoch durch Faktoren begünstigt, die entweder…: 

  1. … die endogene β-Zell-Funktion verbessern, 
  2. … die Insulinsensitivität verbessern, 
  3. … die Glukosebelastung des Patienten verringern oder 
  4. … eine Kombination dieser Mechanismen, die es dem Patienten ermöglicht, in einen Zustand zurückzukehren, in dem die endogene β-Zell-Funktion wieder in der Lage ist, eine normale Glukosetoleranz aufrechtzuerhalten (1).

 

Box 2. Definition der diabetischen Remission bei Katzen (nach 6).

Von diabetischer Remission spricht man, wenn bei einer Katze mit zuvor diagnostiziertem Diabetes mellitus die exogene antihyperglykämische Therapie abgesetzt werden kann und nach 4 Wochen sich keine Anzeichen einer Rezidivierung des Diabetes mellitus auftreten. 

Zu beachten ist, dass die Fütterung mit einer spezifisch gegen Diabetes mellitus gerichteten Veterinär-Diätnahrung im Sinne dieser Definition nicht als „antihyperglykämische Therapie“ klassifiziert wird.

 

 

Es gibt keine spezifischen patientenseitige Merkmale oder diagnostische Tests, mit deren Hilfe man genau vorhersagen kann, welche Katzen eine diabetische Remission erreichen werden und welche nicht. Mehrere Faktoren werden jedoch mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für das Erreichen eine Remission in Verbindung gebracht. Dazu gehören eine geplante Gewichtsreduktion bei übergewichtigen diabetischen Katzen, eine vorangegangene Steroidtherapie, die bei einer Katze zur Entwicklung des DM beigetragen haben könnte, und schließlich Burma-Katzen (7, 8). Auch Katzen mit Hypersomatotropismus-assoziiertem DM erreichen häufig eine diabetische Remission, wenn die zugrunde liegende Endokrinopathie adäquat behandelt wird (9). 

Während die diabetische Remission bei insulinbehandelten Katzen ein gut dokumentiertes Outcome ist, muss die Wahrscheinlichkeit des Erreichens einer Remission bei Tieren, die mit einem SGLT2-Hemmer behandelt werden, noch weiter untersucht werden, und in keiner der initialen Studien zur Anwendung von SGLT2-Hemmern wurde eine Remission als Outcome evaluiert (10, 11). Es gilt jedoch als sehr wahrscheinlich, dass mit SGLT2-Hemmern behandelte diabetische Katzen eine Remission erreichen können, insbesondere da man bei gut auf diese Medikation ansprechende Katzen von einer endogenen β-Zell-Funktion ausgeht, die letztlich eine unabdingbare Voraussetzung für die Aufrechterhaltung einer Normoglykämie auch ohne Behandlung darstellt. In Anbetracht der unter Insulintherapie höheren Chance auf das Erreichen einer Remission könnte diese klassische Option für eine diabetische Katze ratsamer sein, insbesondere wenn die Halter*innen des betroffenen Tiers explizit eine diabetische Remission als mögliches Therapieziel anstreben. Besonders relevant sind diese Überlegungen bei Katzen mit gut begründeter Chance auf das Erreichen einer Remission (z. B. bei übergewichtigen Katzen, deren Adipositas erfolgreich behandelt werden kann). Behandelnde Tierärzt*innen müssen daher sehr gut vertraut sein mit sämtlichen Faktoren, die mit einer Remission in Zusammenhang stehen können, und Halter*innen betroffener Katzen das Konzept der diabetischen Remission bereits zum Zeitpunkt der Diagnose als potenzielles Therapieziel darlegen. 

Abgesehen davon, dass eine diabetische Remission unter Insulintherapie häufiger auftritt, lässt sich eine Remission bei mit Insulin behandelten Tieren möglicherweise auch leichter erkennen als bei Katzen, die SGLT2-Hemmer erhalten. Zu den möglichen Indikatoren für eine Remission bei mit Insulin behandelten Katzen gehören eine Hypoglykämie oder persistierende Normoglykämie während der Glukoseüberwachung, das Fehlen einer Glukosurie oder episodische klinische Symptome, die auf eine Hypoglykämie hindeuten. Bei Katzen unter Behandlung mit SGLT2-Hemmern sind die genannten Indikatoren möglicherweise nicht hilfreich, um eine Remission und damit die Möglichkeit des Absetzens der Therapie zu erkennen, da mit SGLT2-Hemmern behandelte Tiere über den Tag hinweg nahezu normale Glukosekonzentrationen aufweisen können und ein geringes Hypoglykämie-Risiko sowie ein vernachlässigbares Risiko für klinische Symptome einer Hypoglykämie haben; zudem weisen sie häufig eine persistierende Glukosurie auf (10, 12). Um mögliche Indikatoren für eine potenzielle Remission bei mit SGLT2-Hemmern behandelten diabetischen Katzen zu erkennen, sind daher weiterführende Untersuchungen erforderlich.

Die Frage, ob im Einzelfall ein SGLT2-Hemmer oder Insulin am besten geeignet ist, muss auf der Grundlage der klinischen Befunde und nach Besprechung mit den Katzenhalter*innen beantwortet werden. Bei vielen diabetischen Katzen sorgen SGLT2-Hemmer für eine wirksame glykämische Kontrolle, in einigen Fällen sind sie jedoch kontraindiziert.

Ruth F. Gostelow

Können SGLT-2-Hemmer bei diabetischen Katzen mit begleitenden Endokrinopathien eingesetzt werden?

Diabetische Katzen sind häufig von begleitenden Endokrinopathien betroffen, darunter die Hyperthyreose, der Hypersomatrotropismus oder ein spontaner Hyperadrenokortizismus (13, 14). Diese begleitenden Endokrinopathien können zur Entwicklung des DM einer Katze beitragen und das Ansprechen auf die Insulintherapie erheblich beeinträchtigen; insbesondere gilt dies für den Hypersomatrotropismus oder Hyperadrenokortizismus (14, 15). SGLT2-Hemmer könnten in diesen Fällen eine attraktive Behandlungsalternative darstellen, sofern keine Kontraindikationen vorliegen, wie z. B. eine Ketose. 

Ein spezifisches Interesse in diesem Zusammenhang weckt insbesondere die Fähigkeit von SGLT2-Hemmern, bei Katzen mit Hypersomatotropismus-assoziiertem DM eine glykämische Kontrolle zu gewährleisten, nicht zuletzt auch deshalb, weil diese Katzen geschätzt 15–25 % aller felinen Diabetes-Fälle ausmachen (13, 16). Hinzu kommt, dass Katzen mit Hypersomatotropismus-assoziiertem DM typischerweise sehr schlecht auf eine Insulintherapie ansprechen, und Behandlungen, die spezifisch auf den zugrunde liegende Hypersomatotropismus abzielen – wie beispielsweise die transsphenoidale Hypophysektomie (Abbildung 3) – kostspielig und nur begrenzt zugänglich sind (17). Eine leicht verfügbare, gut verträgliche Behandlungsoption, die eine gute glykämische Kontrolle bei Katzen mit Hypersomatotropismus-assoziiertem DM ermöglicht, wäre daher äußerst wertvoll. Katzen mit Hypersomatotropismus scheinen oft residuale lebensfähige β-Zellen aufzuweisen, auch wenn sie unweigerlich Diabetes mellitus entwickeln. Gestützt wird diese Annahme durch die Tatsache, dass viele betroffene Katzen eine diabetische Remission erreichen, sobald der zugrunde liegende Hypersomatotropismus behandelt wird (9). Zudem deuten klinische Erfahrungen darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit einer diabetischen Ketoazidose (DKA) bei Katzen mit Hypersomatotropismus-assoziiertem DM gering ist. Zusammengenommen könnten diese Faktoren dafür sprechen, dass Katzen mit Hypersomatotropismus-assoziiertem DM gut geeignet sind für eine Behandlung mit SGLT2-Hemmern. Bislang gibt es zwar noch wenig Forschung zum Einsatz von SGLT2-Hemmern bei diabetischen Katzen mit Akromegalie, die aktuellen Erkenntnisse deuten jedoch darauf hin, dass betroffene Patienten mit dieser Therapie eine gute glykämische Kontrolle erreichen können. Eine große Kohortenstudie zur Evaluierung der Wirksamkeit einer Velagliflozin-Monotherapie zur Kontrolle von DM bei Katzen, umfasste 23 Katzen mit einer Serumkonzentration des insulinähnlichen Wachstumsfaktors 1 (IGF-1), die auf einen zugrunde liegenden Hypersomatotropismus hindeutet (11). Insgesamt 16 von 23 (67 %) dieser Katzen schlossen die Studie ab, obwohl die Beschreibung ihrer glykämischen Kontrolle kein Ziel der Studie war. Eine jüngste Fallserie beurteilt darüber hinaus die glykämische Kontrolle bei Anwendung von Velagliflozin als adjuvante Therapie zu Insulin bei acht Katzen mit Hypersomatotropismus-assoziiertem DM (18). Nach etwa einmonatiger Behandlung zeigten die Katzen in dieser Studie einen signifikanten Rückgang sowohl der interstitiellen Glukosekonzentrationen als auch der notwendigen Insulindosis; bei zwei Katzen konnte die Insulintherapie vollständig abgesetzt und die Behandlung allein mit Velagliflozin fortgesetzt werden. Klinische Hypoglykämie-Episoden wurden nicht festgestellt, eine Katze entwickelte nach 143 Tagen Behandlung jedoch eine diabetische Ketoazidose. Angesichts der historischen Herausforderungen der Behandlung von Katzen mit Hypersomatotropismus-assoziiertem DM deuten diese vielversprechenden Ergebnisse darauf hin, dass SGLT2-Hemmer bei diesen Patienten wirksame Antidiabetika sein könnten. Weitere Untersuchungen zu ihrer Sicherheit und zur Dosierung bei gleichzeitiger Anwendung mit Insulin sind jedoch erforderlich.

Eine Katze in Bauchlage auf dem Operationstisch, mit fixierten Gliedmaßen, angehobenem und beidseitig stabilisiertem Kopf sowie offen gehaltenem Kiefer.

Abbildung 3. Katze mit Hypersomatotropismus-assoziiertem Diabetes mellitus vor einer transsphenoidalen Hypophysektomie. Dieser Eingriff führt in über 80 % der Fälle zur Heilung des Hypersomatotropismus, und bei etwa 70 % der erfolgreich operierten Katzen, kommt es zudem zu einer Remission des Diabetes (9). 
© Ruth F. Gostelow 

 

Wie sieht das optimale diätetische Management für diabetische Katzen aus?

Typischerweise wird empfohlen, diabetische Katzen mit einer proteinreichen und an verdaulichen Kohlenhydraten armen Ernährung zu füttern, es sei denn, es liegt eine Begleiterkrankung vor, die eine alternative spezifische Ernährungsstrategie erfordert (19). Aktuelle Evidenzen, stützen die Ansicht, dass eine Einschränkung der verdaulichen Kohlenhydrate in der Ernährung mit einer verbesserten glykämischen Kontrolle und einer höheren Wahrscheinlichkeit des Erreichens einer diabetischen Remission einhergeht (20). Der Gesamtkohlenhydratgehalt der Nahrung sollte so weit wie möglich begrenzt werden, wobei ein Zielwert von ≤ 12 % der metabolisierbaren Energie vorgeschlagen wird (19). Diese Empfehlungen stammen jedoch aus der Zeit vor der Zulassung von SGLT2-Hemmern, und bislang gibt es keine Untersuchungen zur idealen Ernährung diabetischer Katzen, die mit SGLT2-Hemmer behandelt werden. Bei Menschen, die SGLT2-Hemmer erhalten, wird eine Kohlenhydratrestriktion mit einem erhöhten Ketoserisiko in Verbindung gebracht (21), dies lässt sich jedoch möglicherweise nicht ohne weiteres auf Katzen übertragen, die als obligate Karnivoren besser an eine kohlenhydratarme Ernährung angepasst sind (22). In einer Studie zum Vergleich einer Velagliflozin-Therapie mit einer Lente-Insulin-Behandlung bei diabetischen Katzen erhielten 20 % der erstgenannten Gruppe eine kohlenhydratarme, proteinreiche Ernährung; eine Evaluierung der Sicherheit in dieser Untergruppe fand im Rahmen der Studie jedoch nicht statt (10). Insgesamt gibt es aber keine eindeutigen Kontraindikationen für eine kohlenhydratarme, proteinreiche Ernährung bei Katzen, die mit SGLT2-Hemmer behandelt werden. Empfohlen wird jedoch, jegliche Ernährungsumstellung erst 1–2 Wochen nach Beginn der Behandlung einzuleiten, damit etwaige Veränderungen der Kotkonsistenz und des Appetits als Folge der SGLT2-Hemmer-Therapie zuverlässig als solche erkannt und entsprechend behandelt werden können (4).

Begründete Evidenzen sprechen dafür, dass eine geplante Gewichtsreduktion bei übergewichtigen Katzen mit Diabetes mellitus zu einer verbesserten diabetischen Kontrolle und zu höheren Chancen auf das Erreichen einer diabetischen Remission führt (1). Adipositas ist eine weithin anerkannte Ursache für erhöhte Insulinresistenz bei Katzen, und die Umkehrung einer durch Adipositas hervorgerufenen Insulinresistenz während einer geplanten Gewichtsreduktion könnte daher zu einer verbesserten glykämischen Kontrolle beitragen (23). Eine jüngste Studie zeigt jedoch, dass es bei übergewichtigen diabetischen Katzen, die eine Veterinär-Diätnahrung zur Gewichtsreduktion erhalten, eher die Kalorienrestriktion per se ist, und weniger eine Gewichtsabnahme, die mit einer signifikanten Zunahme von diabetischer Remission und einer verbesserten diabetischen Kontrolle in Verbindung steht (24). Die Beobachtung, dass eine Kalorienrestriktion bei übergewichtigen Menschen mit Typ-2-DM zu einer raschen Remission des Diabetes führen kann, wird darauf zurückgeführt, dass die Kalorienrestriktion bei diesen Patienten einen raschen Rückgang der Fettablagerungen in Leber und Bauchspeicheldrüse induziert, wodurch es zu einer Verbesserung der hepatischen Insulinsensitivität und der pankreatischen β-Zell-Funktion kommt (25). Die potenziellen Vorteile einer Kalorienrestriktion und die möglicherweise zugrundeliegenden Wirkungsmechanismen bei übergewichtigen diabetischen Katzen müssen aber noch in weiteren Untersuchungen evaluiert werden. Wenn jedoch eine Kalorienrestriktion per se einen von Gewichtsabnahme unabhängigen Nutzen hat, könnte dies dazu führen, dass einige übergewichtige diabetische Katzen bereits sehr früh im Verlauf eines Gewichtsreduktionsprogramms eine diabetische Remission erreichen, also noch bevor eine signifikante Gewichtsabnahme eintritt (Abbildung 4). Halter*innen diabetischer Katzen, die ein geplantes Gewichtsreduktionsprogramm durchlaufen, sollten daher über die Möglichkeit des Erreichens einer Remission und über die Art der notwendigen Überwachung aufgeklärt werden. Bei diabetischen Katzen, die auf eine kohlenhydratarme, proteinreiche Ernährung umgestellt werden oder mit einer Kalorienrestriktion beginnen, ist zudem eine geringgradige Reduzierung der Insulindosis ratsam, für den Fall, dass diese Ernährungsumstellungen zu einer Erhöhung der Insulinsensitivität und einem erhöhten Hypoglykämie-Risiko führen. Schließlich sollten eine Kalorienrestriktion und eine geplante Gewichtsreduktion nur bei tatsächlich übergewichtigen diabetischen Katzen (BCS > 5/9) durchgeführt werden und stets einer mit spezifisch für die Gewichtsabnahme konzipierten Diätnahrung erfolgen, um sicherzustellen, dass der Bedarf an essenziellen Nährstoffen auch weiterhin gedeckt wird.

Zwei Bilder derselben schwarz-weißen Katze. Auf einem Bild liegt die Katze auf einer Waage und blickt nach oben. Auf dem anderen Bild liegt sie auf dem Boden.

Abbildung 4. Eine diabetische Katze vor (a) und nach (b) erfolgreicher geplanter Gewichtsreduktion durch Kalorienrestriktion mit Hilfe einer kohlenhydratreduzierten Veterinär-Diätnahrung zur Gewichtsreduktion. Die Insulintherapie konnte bei dieser Katze bereits vor der erfolgreichen Remission, drei Wochen nach Beginn der Kalorienrestriktion, abgesetzt werden, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt erst 3 % ihres ursprünglichen Körpergewichts verloren hatte. 
© Mit freundlicher Genehmigung der Tierhalter*in

 

Schlussfolgerung

Die Pathogenese des Diabetes mellitus bei Katzen kann von Tier zu Tier erheblich variieren. Behandelnde Tierärzt*innen sollten nach Möglichkeit in jedem Einzelfall die wahrscheinliche Ursache ermitteln, da das Adressieren dieser kausalen Faktoren zu einer guten diabetischen Kontrolle beitragen kann. Mit der Einführung von SGLT2-Hemmern steht nun eine Alternative zur Insulinbehandlung diabetischer Katzen zur Verfügung, die Wahl der Therapie muss im Einzelfall jedoch auf der Grundlage der klinischen Befunde und in Absprache mit den Katzenhalter*innen getroffen werden. SGLT2-Hemmer sorgen bei vielen diabetischen Katzen für eine wirksame glykämische Kontrolle, sind jedoch unter bestimmten Umständen kontraindiziert. Während eine Remission bei mit Insulin behandelten Tieren nicht ungewöhnlich ist, muss die Wahrscheinlichkeit des Erreichens einer Remission bei mit SGLT2-Hemmern behandelten Katzen noch weiter evaluiert werden. Darüber hinaus gibt es bislang keine Untersuchungen zur idealen Ernährung diabetischer Katzen, die SGLT2-Hemmer erhalten, es besteht aber kein Zweifel daran, dass diese Wirkstoffe das pharmaklologische Arsenal praktischer Tierärzt*innen um eine zusätzliche therapeutische Option erweitern. 

Literatur

  1. Gostelow R, Hazuchova K. Pathophysiology of prediabetes, diabetes, and diabetic remission in cats. Vet. Clin. North Am. Small Anim. Pract. 2023;53(3):511-529.
  2. Ohlund M, Egenvall A, Fall T, et al. Environmental risk factors for diabetes mellitus in cats. J. Vet. Intern. Med. 2017;31(1):29-35.
  3. Forcada Y, Boursnell M, Catchpole B, et al. A genome-wide association study identifies novel candidate genes for susceptibility to diabetes mellitus in non-obese cats. PLOS One. 2021;16(12):e0259939.
  4. Cook AK, Behrend E. SGLT2 inhibitor use in the management of feline diabetes mellitus. J. Vet. Pharmacol. Ther. 2025;48 Suppl 1(Suppl 1):19-30.
  5. Niessen SJM, Powney S, Guitian J, et al. Evaluation of a quality-of-life tool for cats with diabetes mellitus. J. Vet. Intern. Med. 2010;24(5):1098-1105.
  6. European Society of Veterinary Endocrinology. Project ALIVE. Available from: https://www.esve.org/alive/search.aspx. (accessed Oct 12th 2025)
  7. Gostelow R, Scudder C, Hazuchova K, et al. One-year, prospective, randomized trial comparing efficacy of glargine and protamine zinc insulins in diabetic cats (abstract). J. Vet. Intern. Med. 2017;31:1273.
  8. Gottlieb S, Rand JS, Anderson ST. Frequency of diabetic remission, predictors of remission and survival in cats using a low-cost, moderate-intensity, home-monitoring protocol and twice-daily glargine. J. Feline Med. Surg. 2024;26(4): 1098612X241232546.
  9. Fenn J, Kenny P, Scudder C, et al. Efficacy of hypophysectomy for the treatment of hypersomatotropism-induced diabetes mellitus in 68 cats. J. Vet. Intern. Med. 2021;35(2):823-833.
  10. Niessen SJM, Kooistra HS, Forcada Y, et al. Efficacy and safety of once-daily oral administration of sodium-glucose cotransporter-2 inhibitor velagliflozin compared with twice daily insulin injection in diabetic cats. J. Vet. Intern. Med. 2024;38(4):2099-2119.
  11. Behrend EN,Ward CR, Chukwu V, et al. Velagliflozin, a once-daily, liquid, oral SGLT2 inhibitor, is effective as a stand-alone therapy for feline diabetes mellitus: the SENSATION study. J. Am. Vet. Med. Assoc. 2024;262(10):1343-1353.
  12. Hoenig M, Clark M, Schaeffer DJ, et al. Effects of the sodium-glucose cotransporter 2 (SGLT2) inhibitor velagliflozin, a new drug with therapeutic potential to treat diabetes in cats. J. Vet. Pharmacol. Ther. 2018;41(2):266-273.
  13. Miceli DD, Garcia JD, Rey Amunategui JP, et al. Prevalence of hypersomatotropism and hyperthyroidism in cats with diabetes mellitus from referral centers in Buenos Aires (2020-2022). J. Feline Med. Surg. 2023;25(2):1098612X221148565.
  14. Niessen SJ, Church DB, Forcada Y. Hypersomatotropism, acromegaly, and hyperadrenocorticism and feline diabetes mellitus. Vet. Clin. North Am. Small Anim. Pract. 2013;43(2):319-350.
  15. Hoenig M, Peterson ME, Ferguson DC. Glucose tolerance and insulin secretion in spontaneously hyperthyroid cats. Res. Vet. Sci. 1992;53(3):338-341.
  16. Niessen SJM, Forcada Y, Mantis P, et al. Studying cat (Felis catus) diabetes: Beware of the acromegalic imposter. PLOS One. 2015;10(5):e0127794.
  17. Scudder C, Church D. Feline comorbidities: Hypersomatotropism-induced diabetes in cats. J. Feline Med. Surg. 2024;26(2):1098612X241226690.
  18. Del Baldo F, Corsini A, Bresciani F, et al. Effects of velagliflozin in 8 cats with diabetes mellitus and hypersomatotropism. J. Vet. Intern. Med. 2025;39(5):e70222.
  19. Sparkes AH, Cannon M, Church D, et al. ISFM Consensus Guidelines on the Practical Management of Diabetes Mellitus in Cats. J. Feline Med. Surg. 2015;17(3):235-250.
  20. Gostelow R, Forcada Y, Graves T, et al. Systematic review of feline diabetic remission: separating fact from opinion. Vet. J. 2014;202(2):208-221.
  21. Guirguis H, Beroukhim Afrahimi S, Pham C. The use of SGLT-2 inhibitors coupled with a strict low-carbohydrate diet: A set-up for inducing severe diabetic ketoacidosis. Clin. Med. Insights Case Rep. 2022;15:11795476221090045.
  22. Gilor C, Niessen SJM, Furrow E, et al. What’s in a name? Classification of diabetes mellitus in veterinary medicine and why it matters. J. Vet. Intern. Med. 2016;30(4):927-940.
  23. Hoenig M, Thomaseth K. Waldron M, et al. Insulin sensitivity, fat distribution, and adipocytokine response to different diets in lean and obese cats before and after weight loss. Am. J. Physiol. Regul. Integr. Comp. Physiol. 2007;292(1):R227-234.
  24. Jørgensen FK, Mohanty A, Kieler IN, et al. Effect of 12-week, intentional caloric restriction, using a novel therapeutic diabetic diet suitable for weight reduction, on glycaemic control in overweight cats with diabetes mellitus: an international prospective, randomised clinical trial. Research abstract, ECVIM Congress 2025, Maastricht.
  25. Taylor R, Ramachandran A, Yancy WS, et al. Nutritional basis of type 2 diabetes remission. Br. Med. J. 2021;374:n1449.

 

Ruth F. Gostelow

Ruth F. Gostelow

BVetMed (Hons), Dipl. ACVIM-CA, Dipl. ECVIM-CA, PhD, FHEA, MRCVS. Department of Small Animal Internal Medicine, The Queen Mother Hospital for Animals, Royal Veterinary College, London, Vereinigtes Königreich

Dr. Gostelow absolvierte eine Residency im Bereich Innere Medizin der Kleintiere und schloss ihre Promotion (PhD) zum Thema Diabetische Remission bei Katzen am Londoner Royal Veterinary College ab, wo sie heute als Dozentin und Co-Leiterin der Abteilung für Innere Medizin tätig ist. Ihr besonderes Interesse gilt der Diabetologie und in ihrer Rolle als klinische Leiterin der Feline Diabetic Remission Clinic führt sie verschiedene klinische Studien zu Therapien für diabetische Katzen durch, darunter auch Katzen mit Hypersomatotropismus-assoziiertem Diabetes. Darüber hinaus ist Dr. Gostelow als Beraterin zum Thema Diabetes mellitus tätig und hat an zahlreichen Publikationen zum Thema Endokrinologie bei Kleintieren mitgewirkt. 

Auf sozialen Medien teilen