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Persönliche Empfehlungen für... Adipositas bei Hund und Katze
Geschrieben von Kirsten M. Graham
Das Ansprechen und das Angehen des heiklen Themas Adipositas bei Hunden und Katzen zusammen mit den Tierhalter*innen erfordert jede Menge Optimismus, Kreativität und oft auch eine Neudefinition von „Erfolg“ in Bezug auf das Gewichtsmanagement.
Article

Kernaussagen
Gehen Sie Fälle von Adipositas mit einer aufgeschlossenen, unvoreingenommenen und mitfühlenden Haltung an und stellen Sie sicher, dass Tierhalter*innen aktiv in den Entscheidungsprozess eingebunden sind.
Streben Sie Änderungen des Lebensstils und der Fütterungsgewohnheiten im Vorfeld oder in Verbindung mit einer Ernährungsempfehlung an, um Frustration und das Gefühl eines Scheiterns der Diät zu vermeiden.
Erstellen Sie ein strukturiertes Follow-up-Programm, um Anpassungen zu ermöglichen, Verantwortlichkeiten zu schaffen und emotionale Unterstützung zu bieten, um so die Erfolgswahrscheinlichkeit zu maximieren.
Bleiben Sie optimistisch, feiern Sie jeden Meilenstein und definieren Sie Erfolg neu, um sowohl die Kund*innen als auch Ihr Praxisteam engagiert und motiviert zu halten.
Einleitung
„Fortschritt statt Perfektion.“ Das ist mein Leitgedanke, damit Beratungen zum Thema Übergewicht und Adipositas für alle Beteiligten zu einer positiven Erfahrung und erfolgreich werden – für den Patienten, für die Tierhalter*innen und für das Praxisteam. Übergewicht ist ein heikles Thema in der tierärztlichen Praxis, da es sehr eng mit der Mensch-Tier-Beziehung verflochten ist und komplexe Emotionen mit sich bringt. Die Auseinandersetzung mit dieser Problematik kann Tierhalter*innen und sogar Tierärzt*innen oder TFAs als unüberwindbares Hindernis erscheinen. Adipositas ist aber eine der häufigsten Erkrankungen bei Hunden und Katzen (1) und ganz sicher ein tägliches Gesprächsthema in jeder tierärztlichen Allgemeinpraxis. Eine positiv geprägte und pragmatische Herangehensweise an diese Fälle ist entscheidend, um sowohl die Kund*innen als auch das gesamte Praxisteam engagiert und motiviert zu halten, denn dies ist es, was letztendlich zum Erfolg und zu gesünderen Hunden und Katzen führt.
Der Einstieg
Die Einleitung eines Gesprächs über Adipositas mit einem Tierhalter oder einer Tierhalterin erfordert ein hohes Maß an Diplomatie, Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl. Veränderungen sind sehr viel wahrscheinlicher zu erreichen, wenn Kund*innen die Notwendigkeit eines Gewichtsmanagements bei ihrem Tier als ihre eigene Idee wahrnehmen, und nicht, weil wir sie belehren oder, schlimmer noch, mit Panikmache versuchen, sie davon zu überzeugen, dass ihr Hund oder ihre Katze jetzt dringend abnehmen muss (2). Offene Fragen („Wie stehen Sie zu Charlie‘s Gewicht?“) und das Einflechten konkreter Informationen („Morty hat seit dem letzten Besuch im vergangenen Jahr ein Kilo zugenommen; erzählen Sie mir, was sich in seinem Tagesablauf geändert hat.“) beziehen Kund*innen aktiv in das Gespräch ein und geben ihnen die Möglichkeit, ihre eigenen Gedanken mitzuteilen, während gleichzeitig jegliche Wertung minimiert wird. Wahrscheinlich ist der Halter oder die Halterin eines betroffenen Tieres ebenfalls besorgt, aber vielleicht zu verlegen oder beschämt, um dieses heikle Thema von sich aus anzusprechen.
Sobald das Thema Übergewicht oder Adipositas angesprochen ist, kann eine tiefer gehende Diskussion eingeleitet werden. Eine wirksame Methode zum Abbau von Vorurteilen und Wertungen besteht darin, Kund*innen über das Konzept des Body Condition Scoring (BCS) aufzuklären, indem man zunächst erklärt, wie ein Tier mit idealer Körperkondition aussieht, und den Kunden anschließend in die Beurteilung seines eigenen Tieres einbezieht („Welchen Body Condition Score würden Sie Jasper geben?“) (Abbildung 1). Sollten Ihre Einschätzung als Tierärzt*in und die Meinung des Kunden nicht ganz übereinstimmen, kann eine weiterführende Diskussion unter Verwendung konkreter Daten hilfreich sein. Ein Rückblick auf die Gewichtsentwicklung des Tieres („Als Amber 4,5 kg wog, hatte sie laut ihrer Krankenakte einen idealen BCS.“), die Heranziehung von Rassestandards („Ein durchschnittlicher gesunder männlicher Golden Retriever sollte etwa 32 kg wiegen.“) und die einfache Frage an den Kunden, welches Gewicht seiner Ansicht nach für sein Tier gesünder wäre („Wie viel Gewicht sollte Tom Ihrer Meinung nach abnehmen?“), können helfen, einen Konsens zu finden – oder zumindest einen Kompromiss (Box 1).
Kirsten M. Graham
DVM, MSc, BScH, Graham Mobile Veterinary Weight Management Services, Ontario, Kanada
Box 1. Gamifizierung der BCS-Bewertung.
| Beziehen Sie den Kunden in die Beurteilung des Body Condition Scores (BCS) seines Tieres ein. Um Voreingenommenheit, subjektive Beurteilungen und Schamgefühle zu reduzieren, vereinfachen Sie den Prozess, indem Sie Ihr eigenes BCS-Kartenspiel entwickeln. Erstellen Sie anhand Ihrer bevorzugten BCS-Tabelle einzelne Karten für jeden Punkt des Systems. Bedrucken Sie die Vorderseite jeder Karte mit den Bildern, die den jeweiligen BCS darstellen, und die Rückseite mit dem BCS-Wert sowie der Beschreibung. Legen Sie Ihrem Kunden die Karten in beliebiger Reihenfolge mit der Bildseite nach oben vor und lassen Sie ihn die Karte auswählen, die das aktuelle Aussehen seines Tieres nach seiner Meinung am besten widerspiegelt. Drehen Sie dann die ausgewählte Karte um, um den BCS-Wert und die Beschreibung anzuzeigen. |
© Dr. Kirsten Graham

Abbildung 1. Die Einbeziehung der Kund*innen in die BCS-Bewertung ist hilfreich, um ein Gespräch über Adipositas bei Tieren anzustoßen.
© Dr. Kirsten Graham
Für einige Kund*innen mag es aufgrund unterschiedlicher Lebenssituationen und verschiedener häuslicher Umstände zunächst sinnlos oder unmöglich erscheinen, das Übergewicht ihres Hundes oder ihrer Katze in Angriff zu nehmen. Eine gemeinsame Problemanalyse zur Identifizierung von Hürden, die es zu überwinden gilt, ist von entscheidender Bedeutung, um den Tierhalter an einen Punkt zu bringen, an dem er bereit ist, sich für Veränderungen zu engagieren. Vielleicht leben weitere Tiere im Haushalt und eine getrennte Fütterung erscheint aus praktischen Erwägungen nicht möglich (Abbildung 2); vielleicht gibt es Familienmitglieder, die nicht bereit sind, ihre Gewohnheiten oder Routinen rund um die Fütterung zu ändern; vielleicht hat das Tier in seiner Umgebung Zugang zu anderen Kalorienquellen. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, zunächst mit Änderungen des Lebensstils und der Umwelt zu beginnen, bevor die Verordnung einer Diätnahrung zur Gewichtsreduktion in Betracht gezogen wird, damit das Tier und der Kunde bereits auf einem Erfolgskurs sind, wenn schließlich das vollständige und umfassende Ernährungsprogramm eingeleitet wird.

Abbildung 2. Technologien wie ein Mikrochip-Futterautomat können eine getrennte Fütterung von Tieren in einem Haushalt erheblich erleichtern.
© Dr. Kirsten Graham
Hausbesuche und audiovisuelle Telemedizin-Plattformen – je nach gültigen gesetzlichen Bestimmungen – können in dieser Phase der Adipositas-Behandlung äußerst hilfreich sein (Abbildung 3). Indem Sie als Tierärzt*in die häusliche Umgebung persönlich oder virtuell in Augenschein nehmen, können Sie bestehende Probleme erkennen – und vernünftige, kreative Lösungen finden –, die vor Beginn eines Gewichtsmanagementprogramms angegangen werden sollten, damit das Programm auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten und der Kund*innen zugeschnitten werden kann (Box 2). Möglicherweise haben Sie auch die Gelegenheit, sich mit anderen Haushaltsmitgliedern auszutauschen, um weitere Probleme und Bedenken zu erkennen und die Bedeutung der Bekämpfung von Adipositas noch eindringlicher zu vermitteln.
Box 2. Einrichtung einer mobilen Gewichtsmanagement-Einheit
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Je nach den in Ihrem Land gültigen gesetzlichen Vorschriften können Sie die Einrichtung einer mobilen Gewichtsmanagement-Einheit in Ihrer Praxis in Betracht ziehen. Damit erweitern Sie Ihr klinisches Leistungsangebot auf einfache und relativ kostengünstige Weise. Abgesehen von einem Fahrzeug ist nur sehr wenig Ausrüstung erforderlich:
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© Dr. Kirsten Graham

Abbildung 3. Die Nutzung von Telekonsultation, sofern gesetzlich zulässig, ist sehr hilfreich bei der Beurteilung der häuslichen Situation.
© Dr. Kirsten Graham
Diätnahrungen zur Gewichtsreduktion
Wenn man den Patienten und die Tierhalter*innen zu früh und ohne ausreichende Beratung mit einer Veterinär-Diätnahrung nach Hause schickt, kann in der Folge leicht der Eindruck entstehen, dass die Diät versagt hat („Ich habe die Diätnahrung zum Abnehmen ausprobiert, die Sie mir letztes Jahr verschrieben haben, sie hat aber nicht funktioniert!“). Dies liegt dann nicht an der Formulierung der Diätnahrung, sondern vielmehr an einer mangelhaften Fütterungsstrategie. Zudem kann das Programm durch verschiedene externe Faktoren beeinträchtigt worden sein. Hat ein Tierhalter bereits Erfahrungen mit Misserfolgen in Sachen Diät gemacht, kann dies sein Vertrauen in tierärztliche Empfehlungen untergraben oder dazu beitragen, dass er die Gewichtsreduktion bei seinem Tier als aussichtsloses Unterfangen betrachtet. In dieser Situation ist es unerlässlich, sich zunächst ausreichend Zeit zu nehmen, um vorhandene Bedenken zu ergründen (3) und dann die notwendigen Veränderungen vorzunehmen, um die Erfolgsaussichten zu maximieren. Sollte ein Kunde noch nicht vollumfänglich engagiert und bereit sein, die Adipositas seines Tieres aktiv anzugehen, kann zunächst eine Konzentration auf geringfügige Änderungen, zu denen er schon bereit ist, ihn dennoch einen Schritt näher in Richtung Umsetzung eines umfassenderen Gewichtsmanagementprogramms bringen. Geben Sie Tierhalter*innen konkrete „Hausaufgaben“, um gesündere Gewohnheiten zu schaffen: Einfache Änderungen wie der Wechsel von einer ad-libitum-Fütterung zu festgelegten Mahlzeiten, das Ersetzen einer Kaffeetasse durch einen skalierten Messbecher oder (besser noch) eine digitale Küchenwaage beim Abmessen der Rationen (Abbildung 4) oder die Reduzierung der Auswahl an Snacks und Leckerchen auf wenige, durchweg kalorienarme Optionen werden den Kunden und das Tier auf die Erfolgsspur setzen, ihr Selbstvertrauen stärken, dieses scheinbar unüberwindbare Problem anzugehen und nicht zuletzt auch das Vertrauen in die Expertise Ihrer Praxis stärken.

Abbildung 4. Geringfügige Änderungen, wie das präzise Abwiegen der Nahrung – oder zumindest die Verwendung eines geeigneten skalierten Messbechers – können einen erheblichen Einfluss auf den Erfolg eines Gewichtsmanagementprogramms haben.
© Dr. Kirsten Graham
Das Momentum bewahren
Erscheint der Kunde bereit, das Übergewicht seines Tieres anzugehen, reicht es nicht aus, ihn einfach mit einer Diätnahrung zur Gewichtsreduktion und exakt vorgegebenen Tagesrationen nach Hause zu schicken, denn genau hier scheitern viele Gewichtsmanagementprogramme. Jedes Tier ist anders, und höchstwahrscheinlich müssen die Futterrationen während des gesamten Abnehmprozesses individuell und flexibel angepasst werden. Möglicherweise benötigen Tierhalter*innen auch Unterstützung bei der Bewältigung von Herausforderungen wie Bettelverhalten und Durchstöbern von Abfällen oder emotionale Unterstützung zur Aufrechterhaltung ihrer Willenskraft. Regelmäßige Follow-ups und eine offene, wechselseitige Kommunikation sind unerlässliche Voraussetzungen für den Erfolg. Die Überwachung von Patienten während eines Gewichtsmanagementprogramms ist zudem eine hervorragende Möglichkeit, das gesamte Praxisteam einzubeziehen (4). In vielen Praxen gibt es Mitarbeiter*innen, die sich besonders leidenschaftlich für die Themen Ernährung und Gewichtsabnahme interessieren. Die Nutzung und Förderung dieser Talente und Neigungen unterstützt nicht nur Gewichtsabnahmeprozesse, sondern schafft auch ein Gefühl der Sinnhaftigkeit für das Team, verbessert das Engagement der Mitarbeiter*innen, bietet Führungs- und Lernmöglichkeiten und wirkt sich letztlich positiv auf die allgemeine Jobzufriedenheit aus (5).
Die Einrichtung eines strukturierten Follow-up-Programms mit regelmäßigen Gewichtskontrollen, idealerweise alle zwei Wochen, hilft dabei, Probleme schnell zu erkennen und das Momentum der Gewichtsabnahme aufrechtzuerhalten (6). Noch besser ist es, Gewichtsmanagementprogramme durch Zusammenstellung von Paketen für die Praxis zu monetarisieren, und dadurch den angebotenen Leistungen einen zusätzlichen Mehrwert zu verleihen (Box 3). Kund*innen, die für das Gewichtsmanagementprogramm ihres Tieres bezahlen, sind wahrscheinlich engagierter und fühlen sich stärker in der Verantwortung, was letztlich auch die Erfolgsaussichten verbessert.
Box 3. Beispiel für ein Produkt- und Dienstleistungspaket.
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Das folgende „Gewichtsmanagement-Paket“ würde sich über etwa vier Monate erstrecken und somit einen angemessenen Zeitrahmen bieten, um zumindest die ersten Schritte einer Gewichtsabnahme in Angriff zu nehmen. Bündeln Sie die Dienstleistungen und Produkte zu einem Pauschalpreis und gewähren Sie einen moderaten Rabatt, um Kund*innen einen Anreiz zu bieten und ein Gefühl von Verantwortlichkeit zu schaffen – sowie eine angemessene Vergütung Ihrer Praxis für Zeitaufwand, Ressourcen und tierärztliche Expertise sicherzustellen. Dieses Paket beinhaltet:
Ein zusätzliches Paket, bestehend aus vier weiteren Follow-up-Konsultationen zweimal pro Woche, einem weitergehenden Zugang zu den speziellen Kommunikationskanälen sowie Rabatten auf Futtermittel und Hausbesuche, könnte angeboten werden, um die Leistungen in Zweimonatsblöcken über den Zeitraum hinweg zu verlängern, der für das Erreichen des gewünschten Ergebnisses erforderlich ist. |
© Dr. Kirsten Graham
Für einige Tierhalter*innen können regelmäßige Gewichtskontrollen lästig sein oder sie sogar davon abhalten, das Übergewicht ihres Hundes oder ihrer Katze anzugehen. Je nach individueller Situation können Gewichtskontrollen in der Praxis oder im Rahmen von Hausbesuchen auch mit Gewichtsmessungen zu Hause durch den Kunden selbst kombiniert werden. Für den Hausgebrauch geeignete Tierwaagen können im Handel erworben werden (Abbildung 5), und für Katzen und kleine Hunde stellt die Kombination einer digitalen Gepäckwaage mit einer Transportbox eine kostengünstige Alternative für das Wiegen zu Hause dar. Zu beachten ist, dass übliche Personenwaagen keine optimale Lösung darstellen, da sie bei kleineren Tieren keine ausreichend präzise Gewichtsbestimmung zulassen, und bei größeren, schwereren Tieren eine Reihe von Sicherheitsrisiken bergen, wie z. B. das Herunterfallen des Tieres beim Wiegen, Verletzungen des Halters beim Anheben des Tieres oder Kratz- und Beißverletzungen des Halters beim Wiegen ängstlicher Tiere. Tierärztliche Gewichtskontrollen in der Praxis oder bei Hausbesuchen sind aber weiterhin erforderlich, um den Fortschritt zu verifizieren und den BCS neu zu erheben.

Abbildung 5. Für die Gewichtskontrolle zu Hause werden spezielle Tierwaagen empfohlen.
© Dr. Kirsten Graham
Den Erfolg messen
Ein dauerhaftes Engagement und eine anhaltende Motivation der Kund*innen sind entscheidende Voraussetzungen für eine langfristig erfolgreiche Gewichtsabnahme. Durch das Setzen realistischer Ziele und bestimmter Meilensteine kann ein ansonsten entmutigend wirkender Gewichtsmanagementplan in kleinere, überschaubare Etappen unterteilt werden, insbesondere in Fällen hochgradiger Adipositas.
Der regelmäßige Austausch der Daten des Tieres mit Hilfe einer Gewichtsabnahmekurve hilft den Kund*innen, die Ergebnisse ihrer Bemühungen visuell nachzuvollziehen, die Zahlen sollten aber stets erläutert und in einen Zusammenhang gestellt werden. Wenn zum Beispiel eine Katze in zwei Wochen 0,2 kg abgenommen hat, kann der Halter die Bedeutung dieser aus seiner Sicht winzigen Gewichtsabnahme möglicherweise nicht richtig einschätzen. Sich ausreichend Zeit zu nehmen, um die für den individuellen Patienten optimale Gewichtsabnahmerate zu erläutern und die gemessenen Daten in diesen Zusammenhang zu stellen, sorgt für ein besseres Verständnis beim Kunden („Nia‘s ideale Gewichtsabnahmerate liegt bei 1 bis 2 % pro Woche, und in den letzten zwei Wochen hat sie mit einer Rate von 1,8 % pro Woche abgenommen – das liegt wunderbar im idealen Bereich!“). So sehr eine Anthropomorphisierung das Gespräch über Adipositas bei Tieren auch unangenehm machen kann, so sehr kann der Bezug zum Menschen doch dazu beitragen, die nüchternen Daten auf eine anschaulichere und verständlichere Weise darzustellen, indem zum Beispiel Bezüge hergestellt werden, die der Kunde leichter versteht („Luckys ideales Gewicht entspricht in etwa einem Zehntel des Gewichts eines 75 kg schweren Menschen; wenn wir also sehen, dass Lucky nun 0,2 kg abgenommen hat, so entspricht dies einer Gewichtsabnahme von 2 kg bei einem Menschen!“).
Fortschritte bei der Gewichtsabnahme sind aber viel mehr als nur die nackten Zahlen auf der Waage. Indem Sie Ihre Kund*innen über das Konzept der Körperkondition aufklären und den Body Condition Score des Tieres gemeinsam neu bestimmen, helfen Sie ihnen, die erzielten Fortschritte auch visuell nachzuvollziehen. Regelmäßige BCS-Fotos von oben und von der Seite beim aufrecht auf allen vier Pfoten stehenden Tier, idealerweise vor einem einheitlichen, strukturierten Hintergrund (z. B. Fliesenboden), sind sehr aussagekräftig und motivierend für Tierhalter*innen (Abbildung 6). Bei Tieren mit langem, flauschigem Fell lassen sich subtile Veränderungen besser darstellen, wenn entsprechende Bilder nach dem Baden oder Schwimmen aufgenommen werden.


Abbildung 6. Das Aufnehmen von Fotos zur Dokumentation von Körperkondition und Gewichtsverlust kann für Kund*innen sehr motivierend sein. Verwenden Sie einen einheitlichen, strukturierten Hintergrund und platzieren Sie in den Bildern einen gut sichtbaren Standardgegenstand als Maßstab, zum Beispiel ein Lineal.
© Dr. Kirsten Graham
Die besten und aufregendsten Meilensteine sind jedoch Veränderungen in der Lebensqualität, die der Kunde bemerken wird, sobald sich sein Tier einem gesünderen Gewicht nähert (Abbildung 7). Der Tag, an dem ein Tier wieder durch seine Katzen- oder Hundeklappe passt, um selbstständig in den Garten zu gelangen; der Tag, an dem eine Katze wieder auf die Fensterbank klettern kann, um Vögel zu beobachten; der Tag, an dem ein Hund ohne Pause um den Block laufen kann – all diese Meilensteine sind es wert, gebührend gefeiert zu werden! Darüber hinaus werden mit erfolgreicher Gewichtsreduktion oft auch medizinische Meilensteine erreicht – wie zum Beispiel eine diabetische Katze, die in Remission geht, oder ein Hund, der keine tägliche Behandlung mehr gegen Osteoarthritis benötigt. Alle diese Erfolge sind zweifelsfrei weitaus wichtiger als jeder Datenpunkt in einem Diagramm.

Abbildung 7. Die wichtigsten Erfolge beim Gewichtsmanagement sind die positiven Veränderungen im Alltag des Tieres, wie zum Beispiel die Wiederaufnahme körperlicher Aktivitäten, die vor der Entwicklung von Adipositas gerne ausgeübt wurden.
© Dr. Kirsten Graham
Selbst wenn bei einer Gewichtskontrolle keine greifbaren Fortschritte zu verzeichnen sind, kann man Gründe zum Feiern finden, die dazu beitragen, dass alle Beteiligten weiterhin engagiert, motiviert und optimistisch bleiben. So ist es dem Kunden vielleicht gelungen, die Umstellung auf die Diätnahrung zur Gewichtsreduktion erfolgreich abzuschließen, ohne dass sein Hund oder seine Katze die neue Nahrung abgelehnt hat; vielleicht hat der Kunde aber auch einen Weg gefunden, seine Katzen zuverlässig getrennt zu füttern; und möglicherweise ist es dem Kunden gelungen, Snacks oder Essensreste aus der Ernährung seines Hundes zu verbannen. Auch wenn es sich hierbei oft nicht immer um konkret messbare Fortschritte handelt, stellen diese wichtigen Veränderungen allesamt große Erfolge dar, die nicht übersehen oder ignoriert werden sollten.
Indem Sie als Tierärzt*in die häusliche Umgebung persönlich oder virtuell in Augenschein nehmen, können Sie bestehende Probleme erkennen – und vernünftige, kreative Lösungen finden –, die vor Beginn eines Gewichtsmanagementprogramms angegangen werden sollten, damit der Plan auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten und der Kund*innen zugeschnitten werden kann.
Schlussfolgerung
Das übergeordnete Ziel eines jeden Gewichtsmanagementprogramms ist schlichtweg die Verbesserung der Lebensqualität. Die in diesem Artikel verwendete Terminologie – mit Fokus auf „Gewichtsmanagement“ statt „Gewichtsabnahme“ – ist dabei sehr bewusst gewählt. In manchen Fällen mag es nur sinnvoll sein, eine weitere Gewichtszunahme zu verhindern, aber selbst dies wird sich in irgendeiner Form positiv auf die Lebensqualität auswirken. Definieren Sie Erfolg also neu und denken Sie daran: Fortschritt statt Perfektion!
| Erklärung zu Interessenkonflikten: Die Autorin ist ehemalige Mitarbeiterin bei Royal Canin Canada und derzeit als niedergelassene Tierärztin in einer privaten Praxis tätig ohne Interessenkonflikt hinsichtlich der Abfassung dieses Artikels. |
Literatur
- Montoya M, Péron F, Hookey T, et al. Overweight and obese body condition in ~4.9 million dogs and ~1.3 million cats seen at primary practices across the USA: Prevalences by life stage from early growth to senior. Prev. Vet. Med. 2025;235:106398. doi: 10.1016/j.prevetmed.2024.106398. Epub 2024 Dec 3. PMID: 39644829.
- Sutherland KA, Coe JB, O’Sullivan TL. Assessing owners’ readiness to change their behaviour to address their companion animal’s obesity. Vet Rec. 2023;192(3):e1979. doi: 10.1002/vetr.1979. Epub 2022 Sep 8. PMID: 36073659.
- Sutherland KA, Coe JB, Janke N, et al. Veterinary professionals’ weight-related communication when discussing an overweight or obese pet with a client. J. Am. Vet. Med. Assoc. 2022;260(9):1076-1085.
- Fraser-Celin VL, Boulton A, Keil K, et al. When veterinarians treat plus-sized pets: Insights for veterinary practice. Can. Vet. J. 2024;65(9):920-926.
- Cline MG, Burns KM, Coe JB, et al. 2021 AAHA nutrition and weight management guidelines for dogs and cats. J. Am. Anim. Hosp. Assoc. 2021;57(4):153-178.
- Brooks D, Churchill J, Fein K, et al. 2014 AAHA weight management guidelines for dogs and cats. J. Am. Anim. Hosp. Assoc. 2014;50(1):1-11.
Kirsten M. Graham
DVM, MSc, BScH, Graham Mobile Veterinary Weight Management Services, Ontario, Kanada
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