Ultraschalluntersuchung der Nieren beim Hund
Geschrieben von Eric Norman Carmel
Die Ultraschalluntersuchung ist das bildgebende Verfahren der Wahl für die initiale Beurteilung einer Nierenerkrankung. Auch wenn die Sonographie nicht immer spezifisch ist und in einigen Fällen keine diagnostischen Befunde liefert, kann sie praktischen Tierärzt*innen wertvolle Hinweise für die Wahl geeigneter ergänzender Untersuchungen geben.
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Kernaussagen
Die sonographische Beurteilung der Nieren erfordert eine vollständige und gründliche Untersuchung, deren Ergebnisse zusammen mit den entsprechenden klinischen Daten interpretiert werden müssen.
In der Sonographie sollten die Nieren symmetrisch und identisch in ihrer Form sein und eine regelmäßige Kontur aufweisen, wobei die Nierengröße je nach Rasse, Gewicht und Körperbau eines Hundes stark variieren kann.
Erhöhte renale Echogenität ist bei Hunden mit Niereninsuffizienz häufig zu beobachten, es handelt sich jedoch um einen unspezifischen Befund, der verschiedene Ursachen haben kann.
Eine ultraschallgesteuerte Biopsie der Niere kann bei der Diagnose einer Reihe von Erkrankungen hilfreich sein, es muss jedoch sorgfältig darauf geachtet werden, lebensbedrohliche Blutungen zu vermeiden.
Einleitung
Das Hauptziel einer Ultraschalluntersuchung der Nieren ist es, die Art der Nierenveränderungen festzustellen, um so die am besten geeignete Behandlung vorschlagen zu können. Der Schlüssel zu einer aussagekräftigen sonographischen Beurteilung der Nieren liegt in einer vollständigen und gründlichen Untersuchung, der Erstellung einer Liste passender Differentialdiagnosen, einer guten Korrelierung der sonographischen Befunde mit den klinischen Daten und einer Entnahme von Proben, falls erforderlich. Die renale Sonographie erfordert nicht nur die Beherrschung von Anatomie und Topographie der Nieren, sondern auch gute Kenntnisse über individuelle Variationen (z. B. nach Rasse und Alter) sowie ein profundes Wissen über die wichtigsten ultrasonographischen Veränderungen, die mit den häufigsten Erkrankungen einhergehen. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die wichtigsten Aspekte der bildgebenden Untersuchung des Nierensystems bei Hunden und diskutiert häufige sonographische Befunde.
Allgemeine Grundsätze und Technik
Bei der praktischen Durchführung einer Ultraschalluntersuchung müssen Tierärzt*innen insbesondere auf eine Reihe von grundlegenden Merkmalen achten, wie zum Beispiel die Größe beider Nieren, ihre Kontur, den Erhalt oder Veränderungen ihrer inneren Architektur, ihre relative Echogenität (Nierenrinde und Nierenmark) und schließlich das Erscheinungsbild des Sammelsystems (1). Die Beurteilung des angrenzenden retroperitonealen Raums liefert oft zusätzliche Informationen, die bei der Interpretation von Nierenveränderungen hilfreich sein können. Während bestimmte Läsionen spezifisch für eine Erkrankung sein können (z. B. Nierenzysten, obstruktive Harnsteine oder Nierenzubildungen), ist das sonographische Erscheinungsbild der Nieren häufig eher unspezifischer Natur, da ein und dieselbe Läsion unterschiedlichen Erkrankungen entsprechen kann oder umgekehrt dieselbe Erkrankung bei verschiedenen Individuen unterschiedliche Läsionen hervorrufen kann, und somit Probenentnahmen (ultraschallgesteuerte Feinnadelpunktion oder Biopsie) rechtfertigt (2).
Die Nieren können am Patienten in Rücken- oder Seitenlage untersucht werden. Die linke Niere ist besser zugänglich und lässt sich in der Regel gut über einen ventrolateralen Zugang visualisieren. Die rechte Niere ist aufgrund ihrer kraniodorsalen Lage schwieriger darzustellen, insbesondere bei Hunden mit tiefem Brustkorb. Ein rechter subkostaler Zugang ist zwar oft ausreichend, manchmal ist jedoch eine Anschallung über den 11. oder 12. Interkostalraum erforderlich. Der Inhalt des Verdauungstraktes (Nahrung, Gas oder Kot im Dickdarm) kann die Visualisierung der Nieren ebenfalls beeinträchtigen.
Die Wahl der Ultraschallsonde hängt von der Größe des Tieres und der Tiefe der Lage der Nieren ab. Mikrokonvexe Sonden sind besonders nützlich für die Darstellung von Strukturen unterhalb des Rippenbogens oder für einen interkostalen Zugang. Multifrequenzsonden (> 5 MHz) sind vielseitig einsetzbar und für die meisten Hunde geeignet, während Linearsonden eine hervorragende Auflösung für oberflächlicher liegende oder leicht zugängliche Nieren bieten, insbesondere bei kleineren Patienten.
Normal ultrasonographic anatomy
The kidneys, which are generally more or less egg-shaped, should be symmetrical, identical in shape and regular in outline (Figure 1). However, kidney size varies widely in dogs depending on breed, weight and conformation, making estimation difficult and rather subjective. Some authors have proposed more objective methods for measuring organ size, such as the ratio of kidney length to aortic diameter (normal values between 5.5-9.1) (3) or the ratio of kidney length to the length of the L5 or L6 vertebra (normal values between 1.3-2.7), but the extent of physiological variation limits their use in daily practice.

Abbildung 1. Normale sonographische Anatomie der Niere in sagittaler (a) und transversaler (b) Ebene. 1) Nierenrinde, 2) Nierenmark, 3) „Renal Crest“, 4) Nierenbecken, 5) Nierensinus.
© Eric Norman Carmel
Für Tierärzt*innen mit weniger Erfahrung bei der Ultraschalluntersuchung ist es oft einfacher, die Echogenität der Nierenrinde mit der Echogenität benachbarter Organe zu vergleichen (4). Die Nierenrinde ist normalerweise hypoechogen oder isoechogen im Verhältnis zur Leber (rechte Niere) und typischerweise hypoechogen im Verhältnis zur Milz (linke Niere). Da einige gesunde Hunde jedoch eine hyperechogene Nierenrinde im Verhältnis zur Leber aufweisen können, kann man diese allgemein akzeptierte Regel aber durchaus in Frage stellen. Auch der Winkel des Ultraschallstrahls kann die wahrgenommene Echogenität der Nierenrinde modifizieren. Die Nierenpole erscheinen gelegentlich fokal stärker echogen aufgrund der kortikalen Anisotropie, ein artefaktisches Phänomen, das nicht mit echten Läsionen, wie zum Beispiel kortikalen Infarkten, verwechselt werden darf.
Das normale Nierenmark ist im Vergleich zur Nierenrinde hypoechogen, und der kortikomedulläre Übergang sollte gut erkennbar sein (5). Das Nierenmark ist in Nierenlappen (Lobi renales) unterteilt, die durch interlobäre Gefäße und Recessus pelvis voneinander getrennt sind, die als hyperechogene lineare Strukturen erscheinen. Bei stark kontrastierten Einstellungen kann das Nierenmark manchmal nahezu anechogen erscheinen, was nicht mit einer pathologischen Erweiterung des Sammelsystems verwechselt werden sollte. Gelegentlich ist der äußere Teil des Nierenmarks echogener und manchmal sogar leicht hyperechogen im Vergleich zur angrenzenden Nierenrinde, insbesondere bei jüngeren Patienten oder kleineren Rassen. Dies kann den falschen Eindruck einer kortikalen Verdickung oder eines hyperechogenen Bandes parallel zur Nierenrinde vermitteln (Abbildung 2).

Abbildung 2. Hyperechogenität des äußeren Nierenmarks bei einem 9-jährigen Chihuahua ohne weitere Nierenanomalien.
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Der Nierensinus (Nierenbucht, Sinus renalis,) entspricht dem zentralen Hohlraum der Niere, der hauptsächlich mit Fett gefüllt ist und sich sonographisch im Querschnitt als hyperechogener „C“-förmiger oder „Y“-förmiger Bereich im Zentrum der Niere darstellt. Das Nierenbecken befindet sich im Nierensinus, lateral begrenzt durch den „Renal Crest“, eine Verlängerung des tiefen Nierenmarks, und medial erweitert durch den Harnleiter auf Höhe des Nierenhilus (Abbildung 1). Die Höhe des Nierenbeckens beträgt bei gesunden Hunden in der Regel weniger als 2 mm und ist manchmal nicht messbar. Recessus pelvis und der Harnleiter sind bei Hunden normalerweise nicht sichtbar.
Die Nierenarterien und -venen sind auf Höhe des Nierenhilus sichtbar, und eine Dopplersonographie kann hilfreich sein, um diese Gefäße von einem dilatierten Harnleiter zu unterscheiden. Die Wände der Bogenarterien (Arteriae arcuatae) sind am kortikomedullären Übergang als kurze, paarige hyperechogene Linien zu sehen, und es ist wichtig, diesen Befund nicht mit einer Mineralisierung um die Recessus pelvis zu verwechseln.
Kongenitale Anomalien
Kongenitale Nierenfehlbildungen sind bei Hunden selten. Das vollständige Fehlen (Agenesie) oder eine unvollständige Entwicklung (Hypoplasie) einer Niere führt häufig zu einer kompensatorischen kontralateralen Nephromegalie. Bei der Nierendysplasie handelt es sich jedoch um eine erbliche Erkrankung, die mehrere Rassen betreffen kann. Die Nieren betroffener Hunde sind in der Regel klein und/oder unregelmäßig konturiert, mit kortikaler Hyperechogenität und Abschwächung der kortikomedullären Grenzlinie. Die Folgen für die Nierenfunktion sind variabel, und auch das Alter, in dem klinische Symptome auftreten können, variiert. Ein entsprechender Verdacht auf diese Erkrankung sollte jedoch bei jedem jungen Hund mit Niereninsuffizienz und veränderter Nierenarchitektur bestehen.
Diffuse parenchymale Veränderungen
Eine erhöhte renale Echogenität ist ein häufiger sonographischer Befund bei Hunden mit Niereninsuffizienz und kann die Nierenrinde, das Nierenmark oder beide Strukturen betreffen. Es handelt sich jedoch um eine unspezifische Veränderung, die sowohl in der akuten als auch in der chronischen Phase des Krankheitsprozesses beobachtet werden kann und bei einer Vielzahl verschiedener Erkrankungen beschrieben wird, darunter interstitielle und glomeruläre Nephritis, toxische Nephropathie (z. B. Ethylenglykol- oder Trauben-Nephropathie), akute tubuläre Nekrose und Nephrokalzinose.
Die Verteilung dieser Hyperechogenität beeinflusst die Wahrnehmung der sonographischen Unterscheidung zwischen Nierenrinde und Nierenmark. Beispielsweise kann die Echogenität der Nierenrinde bei einer Ethylenglykolvergiftung aufgrund von Kalziumoxalatablagerungen stark erhöht sein, was bei betroffenen Hunden zu einer stärker akzentuierten kortikomedullären Abgrenzung führt (Abbildung 3). Im Gegensatz dazu führt die bei Chronischer Nierenerkrankung zu beobachtende diffusere Zunahme der Echogenität sowohl der Nierenrinde als auch des Nierenmarks eher zu einer Abschwächung der kortikomedullären Abgrenzung.

Abbildung 3. Ausgeprägte kortikale Hyperechogenität bei einem Hund mit Ethylenglykolvergiftung (a) und einem Hund mit Leptospirose (b). Im Fall der Leptospirose wird die kortikale Veränderung von einem perirenalen Erguss begleitet (weißes Sternchen).
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Eine deutliche hyperechogene Linie ist gelegentlich auch innerhalb des Nierenmarks parallel zum kortikomedullären Übergang zu beobachten, und wird in der Literatur häufig als „Medullary Rim Sign” beschrieben (6). Dies ist nicht zu verwechseln mit der normalen Hyperechogenität des äußeren Nierenmarks, die besonders bei kleinen Rassen häufig zu beobachten ist. Diese mehr oder weniger verdickte medulläre Linie wird bei Hunden mit verschiedenen akuten und chronischen Nierenerkrankungen (wie z. B. hyperkalzämische Nephropathie, chronische interstitielle Nephritis und akute Tubulusnekrose) beschrieben und spiegelt möglicherweise eine Schädigung metabolisch aktiver distaler Tubuli wider, die anfälliger für Ischämie sind. Unklar bleibt jedoch die klinische Relevanz dieses Befundes, da auch gesunde Hunde dieses ultrasonographische Merkmal aufweisen können (Abbildung 4). Die Unterscheidung zwischen verschiedenen Arten des Medullary Rim Signs könnte jedoch ein interessanter Ansatz für die Zukunft sein, da Untersuchungen zufolge ein dickes, schlecht definiertes Band stärker mit Nierenerkrankungen bei Katzen zu korrelieren scheint.

Abbildung 4. Ein definiertes hyperechogenes Band oder „Medullary Rim Sign“ (weiße Pfeile) im Nierenmark eines 6 Jahre alten Border Collie mit Lyme-Nephritis (a) und bei einer Siberian Husky Hündin deren Blutuntersuchungen und Harnanalyse innerhalb der Referenzintervalle lagen (b).
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Eine akute Nephropathie infektiöser (z. B. Pyelonephritis, Leptospirose [7], Lyme-Nephritis) oder toxischer Natur geht in der Regel mit einer glattrandigen Renomegalie einher und wird häufig begleitet von Anzeichen einer perirenalen Entzündung (Abbildung 5) (8).

Abbildung 5. Anzeichen einer perirenalen Entzündung bei einem Hund mit Pyelonephritis. Das perirenale Fett ist diffus hyperechogen (weiße Pfeile), und um die Niere ist ein Erguss sichtbar (weiße Sternchen). Echogener Inhalt ist auch im erweiterten Nierenbecken zu erkennen (weißer Pfeil).
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Bei älteren Hunden können die Nieren mehrere strukturelle Veränderungen aufweisen, ohne dass eine klinische Nierenerkrankung zugrunde liegt. Eine chronische interstitielle Nephritis manifestiert sich häufig in Form von kleinen, unregelmäßigen, diffus hyperechogenen Nieren und etwas heterogeneren Nierenrinden, die ein fibrotisches Remodeling widerspiegeln (Abbildung 6).

Abbildung 6. Chronische altersbedingte Veränderungen in der linken (a) und rechten Niere (b) eines 12-jährigen Bichon Frisé Rüden mit normaler Nierenfunktion. Die Nierenrinden sind hyperechogen, und es sind kleine degenerative kortikale Zysten (weiße Sternchen) und einige wenige Herde einer Mineralisierung um die Recessus pelvis (weißer Pfeil) zu erkennen.
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Fokale Läsionen
Zystische Läsionen
Gutartige Nierenzysten stellen sich typischerweise als klar abgegrenzte runde oder ovale anechogene Strukturen mit dünner hyperechogener Wand und distaler Schallverstärkung dar. Sie können solitär oder multipel auftreten und unterschiedlich groß sein (Abbildung 7). Nierenzysten können primär oder angeboren sein, anders als bei Katzen kommt die polyzystische Nierenerkrankung bei Hunden aber nur selten vor und ist auf wenige prädisponierte Rassen beschränkt. Zysten sind häufiger degenerativer Natur und sekundäre Folgen einer anderen Nierenerkrankung, in der Regel einer Chronischen Nierenerkrankung. Meist handelt es sich aber um Zufallsbefunde ohne klinische Bedeutung.
Einige komplexere Zysten können innere Septierungen oder echogenen Debris hämorrhagischer oder nekrotischer Natur aufweisen. Solche Zysten können andere Läsionen wie Abszesse, Hämatome oder solide Zubildungen imitieren. Superinfizierte Zysten können ein ähnliches echogenes Erscheinungsbild aufweisen. Nierenabszesse sind selten und zeigen in der Regel interne Echos, eine Sedimentation und weniger klar definierte Konturen. Bei echogenen Läsionen mit geringem Zell-/Proteingehalt kann jedoch eine distale Schallverstärkung persistieren. Zysten, die besonders groß werden und die Nierenkapsel verformen, können eine Ursache abdominaler Beschwerden sein.
Einige seltene Erkrankungen können ein zystisches Erscheinungsbild aufweisen und es ist wichtig, diese nicht mit gutartigen Nierenzysten zu verwechseln. So können einige maligne Tumoren Kavitationsbereiche infolge einer Nekrose aufweisen oder eine zystische Komponente, die die Niere infiltriert. Perirenale Pseudozysten sind subkapsuläre oder perirenale Flüssigkeitsansammlungen, die sich als anechogene Kavität um eine meist abnorme Niere darstellen.

Abbildung 7. (a) Multiple kleine degenerative Zysten (weiße Pfeile) als Folge einer chronischen Nephropathie in der linken Niere eines 13-jährigen Italienischen Windspiels. (b) Große benigne Zyste (weiße Pfeile) im kaudalen Pol der linken Niere (weißes Sternchen) einer 12-jährigen Dackelhündin mit abdominalen Beschwerden, ohne weitere sonographische Anomalien.
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Nierentumoren
Primäre Nierentumoren sind bei Hunden selten (9), wobei Karzinome am häufigsten auftreten (Abbildung 8a). Abgesehen von Lymphomen und histiozytären Sarkomen, die häufig mit hypoechogenen Knötchen oder Zubildungen einhergehen (Abbildung 8b), ist das sonographische Erscheinungsbild anderer primärer Tumoren (Hämangiome, Nephroblastome und verschiedene Sarkome) oder metastatischer neoplastischer Prozesse eher unspezifisch und variiert erheblich.
Nierenzubildungen können je nach zellulärem Ursprung, Vaskularisierung und Vorhandensein von Nekrose, Fibrose, Mineralisierung oder hämorrhagischen Zonen in Größe, Regelmäßigkeit der Form, Klarheit der Konturen und Echotextur sonographisch variieren. Gelegentlich ist die Nierenarchitektur so stark verändert, dass das betroffene Organ nur schwer als solches zu erkennen ist und die Nierengefäße das einzige anatomische Merkmal sind, das einen renalen Ursprung bestätigt (Abbildung 8a).

Abbildung 8. (a) Nierenzellkarzinom in der rechten Niere eines 5 Jahre alten American Cocker Spaniels. Eine große heterogene Zubildung (gepunktete Linie) ersetzt fast vollständig die normale Architektur der Niere, wobei ein kleiner Streifen der Nierenrinde an der kaudalen Seite der Niere sichtbar bleibt (weiße Pfeile). (b) Nierenlymphom bei einem 7 Jahre alten Golden Retriever; beide Nieren enthalten multiple hypoechogene Knötchen (weiße Sternchen), die die Nierenkapsel an mehreren Stellen deformieren.
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Andere fokale Läsionen
Renale Mineralisierung kommt häufig vor, insbesondere bei älteren Hunden und kleinen Rassen. Die Verkalkung betrifft häufig die Region um die Recessus pelvis und erscheint als hyperechogene Herde mit mehr oder weniger deutlichem distalen Schallschatten. Es kann schwierig sein, zwischen dystrophischer Weichteilgewebemineralisierung und echten kleinen Nephrolithen zu unterscheiden, die beide mit Chronischer Nierenerkrankung einhergehen können.
Chronische Niereninfarkte werden typischerweise in der Nierenrinde als dreieckige oder lineare hyperechogene Läsionen senkrecht zur Kapsel identifiziert und sind in der Regel mit einer fokalen Eindellung oder Vertiefung der Nierenrinde assoziiert.
Anomalien des Sammelsystems
Bei gesunden Hunden sind das Nierenbecken und die Recessus pelvis in der Regel nicht erweitert und können oft nicht vermessen werden. Eine Erweiterung des Nierenbeckens (Pyelektasie) ist jedoch ein häufiger sonographischer Befund (10), und lässt sich am besten in einem Querschnitt durch den Nierenhilus darstellen, wo das dilatierte Nierenbecken als mehr oder weniger aufgeweiteter anechogener Halbmond innerhalb des Sinus renalis medial des „Renal Crests“ erscheint. Die Höhe des Nierenbeckens sollte immer in der Transversalebene gemessen werden, um eine Über- oder Unterschätzung des Messwertes zu vermeiden, selbst wenn eine Dilatation in der Sagittalebene evident ist.
Eine geringgradige Pyelektasie kann bei gesunden Tieren zu beobachten sein, und sogar 3 mm überschreiten bei Patienten mit vermehrter Diurese (z. B. intravenöse Flüssigkeitstherapie, diuretische Behandlung oder Chronische Nierenerkrankung). Eine größere (> 4 mm) Pyelektasie entwickelt sich in der Regel bei kongenitalen Fehlbildungen der Harnleiter (ektopischer Harnleiter oder andere), Pyelonephritis oder Harnwegsobstruktion (Abbildung 9). In fortgeschritteneren Stadien einer Pyelektasie oder bei Vorliegen einer Hydronephrose infolge einer Harnabflussbehinderung erweitern sich die Recessus pelvis zu runden anechogenen Projektionen an den Rändern des dilatierten Nierenbeckens und sind zwischen den Lobi medullares sichtbar.

Abbildung 9. Verschiedene Grade der Nierenbeckenerweiterung. (a) Geringgradige Dilatation bei einem 10 Jahre alten Zwergschnauzer. (b) Ausgeprägte Dilatation bei einem jungen französischen Bulldog mit infektiöser medialer iliakaler Lymphadenitis, die den Endabschnitt des rechten Harnleiters komprimiert. (c) Bilaterale Hydronephrose (hier die rechte Niere) bei einem 9 Jahre alten Labernesen mit einer Prostatazubildung, die den Bereich des Trigonum vesicae invadiert. Die Recessus pelvis sind stark dilatiert (weiße Sternchen) und nur ein dünner Streifen Nierenrinde ist am Rand der Niere noch sichtbar (weiße Pfeile).
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Eine Pyelonephritis geht in der Regel mit einer signifikanten Pyelektasie einher, wobei der Grad der Dilatation insbesondere in den frühen Stadien variieren kann. Das Vorhandensein von Proteinen und/oder Zellen (Eiter oder Blut) im Nierenbecken führt in der Regel zu einer erhöhten Echogenität des Nierenbeckeninhalts (Abbildung 10). In chronischeren Fällen können das Nierenbecken und die Recessus pelvis dauerhaft deformiert werden, mit hyperechogenem Rand aufgrund eines fibrotischen Remodelings. Eine Pyonephrose ist eine Akkumulation von Eiter im Nierenbecken, in der Regel als Folge einer obstruktiven Pyelonephritis. Ein charakteristisches Zeichen dieser Erkrankung ist die Bildung einer Flüssigkeits-Debris-Grenzfläche, die je nach Schweregrad variiert.
Im Unterschied zur Pyelektasie bezieht sich der Begriff Hydronephrose spezifischer auf ein obstruktives Phänomen, das entweder durch Migration eines Nierensteins, durch einen neoplastischen Prozess, der einen Abschnitt der Harnwege infiltriert (urotheliales Karzinom, das die ureterovesikalen Übergänge infiltriert), oder durch einen retroperitonealen Masseneffekt, der einen Abschnitt der Harnwege komprimiert, verursacht wird. Eine Erweiterung des Nierenbeckens von 13 mm oder mehr deutet stark auf eine Obstruktion hin. Wenn die Obstruktion hochgradig ist oder chronischer wird, kann der durch die fortschreitende Akkumulation von Harn ausgeübte Druck zu einer Verdünnung der Nierenrinde führen, wodurch sich die Niere potenziell in eine anechogene, von einer dünnen Wand umgebenen Kavität verwandelt.

Abbildung 10. Pyelonephritis bei einem 9 Jahre alten Australian Shepherd mit Azotämie und Pyurie. Das rechte Nierenbecken und der proximale Harnleiter sind dilatiert (weiße Sternchen), und im Lumen ist echogenes Material vorhanden (weißer Pfeil). Das Nierensinusfett ist hyperechogen (schwarze Sternchen). Die Nierenrinde ist hyperechogen und die kortikomedulläre Abgrenzung ist reduziert.
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Eine Harnleiterdilatation beobachtet man in der Regel in Verbindung mit einer Hydronephrose in Fällen einer Harnwegsobstruktion distal des Nierenbeckens. Der Verlauf dilatierter Harnleiter lässt sich mit etwas Erfahrung und unter Verwendung einer Hochfrequenzsonde leichter verfolgen. Die Dopplersonographie kann hilfreich sein, um zwischen einem dilatierten Harnleiter und einem abdominalen Gefäß zu unterscheiden. Wie im übrigen Harntrakt sind Steine im Harnleiter hyperechogen und meist mit einem Schallschatten assoziiert (Abbildung 11). Bei vollständiger Obstruktion ist der Harnleiter in der Regel bis zur Stelle der Obstruktion dilatiert und wird distal davon abrupt dünn und kollabiert. Bei der sonographischen Untersuchung muss immer der gesamte Harnleiterverlauf vom Nierenausgang bis zum ureterovesikalen Übergang verfolgt werden, da mehrere Ureterolithen vorhanden sein können.

Abbildung 11. Harnleiterobstruktion bei einem 10 Jahre alten Chihuahua mit einem Harnstein, der einen Schallschatten erzeugt und im proximalen Drittel des rechten Harnleiters lokalisiert ist (gepunkteter Kreis). Der Harnleiter ist proximal des Harnleitersteins dilatiert und weist eine verdickte Wand auf (weiße Pfeile). Das Nierenbecken ist ebenfalls dilatiert (weißes Sternchen). Die fetthaltigen Bereiche des Nierensinus und entlang des erweiterten Harnleiters sind hyperechogen.
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Ultraschallgesteuerte Verfahren
Die ultraschallgesteuerte Zytopunktion oder Feinnadelpunktion der Niere wird mit einer ähnlichen Technik wie bei anderen abdominalen Organen durchgeführt. Bei der Punktion muss jedoch sorgfältig darauf geachtet werden, den Nierenhilus zu vermeiden, um das Risiko lebensbedrohlicher Blutungen zu begrenzen. Bei bilateralen und/oder diffusen Veränderungen wird der kaudale Pol der linken Niere aufgrund seiner leichteren Zugänglichkeit für die Probenentnahme bevorzugt. Einen besonders großen Nutzen hat die ultraschallgeführte Zytopunktion bei Verdacht auf ein Lymphom, da sie oft eine endgültige zytologische Diagnose ermöglicht. Nierenzysten, die sonographisch gutartig und asymptomatisch erscheinen, werden in der Regel nicht punktiert. Wenn die Zyste atypische Merkmale aufweist (dicke Wand, echogener Inhalt oder in die Zyste hineinragende Gewebekomponenten) kann eine Zytopunktion aber angezeigt sein. Einige größere Zysten verformen die Nierenkapsel und können zu abdominalen Beschwerden führen, die eine ultraschallgestützte Drainage erforderlich machen.
Das Hauptziel einer Ultraschalluntersuchung der Nieren ist es, die Art der Nierenveränderungen zu ermitteln, um die am besten geeignete Behandlung vorzuschlagen.
Schlussfolgerung
Die Ultraschalluntersuchung ist ein unschätzbar wertvolles Instrument zur Beurteilung aller Patienten mit Verdacht auf Nierenerkrankungen, da sie schmerzfrei, nicht invasiv und oft diagnostisch ist. Die zum Erlernen der Interpretation von Ultraschallscans aufgewendete Zeit ist gut investiert, da die Bildgebung zwar nicht immer eine definitive Antwort liefert, praktischen Tierärzt*innen aber oft wertvolle Hinweise in Richtung geeigneter ergänzender Untersuchungen gibt. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass Artefakte auftreten, die zu Fehldiagnosen führen können. Gute Kenntnisse über physiologische Variationen und Zufallsbefunde sind daher essenziell.
Literatur
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Eric Norman Carmel
DVM, Dipl. ACVR, Laval Veterinary Center, Quebec, Kanada
Dr. Carmel schloss sein Tiermedizinstudium 1998 an der Faculty of Veterinary Medicine der University of Montreal in Kanada ab. Nach mehreren Jahren im Bereich neuer Technologien bei LITIEM absolvierte er schließlich eine Residency im Bereich Medizinische Bildgebung, die 2011 zur Zertifizierung durch das American College of Veterinary Radiology führte. Nach seiner Residency arbeitete er sowohl im University of Montreal Veterinary Hospital Center als auch im Laval Veterinary Center, bevor er 2021 Partner bei Animages wurde, einem Dienstleistungsunternehmen im Bereich Bildgebung. Sein wissenschaftliches Interesse gilt der Neurobildgebung und abdominalen Sonographie. Dr. Carmel ist zudem Mitautor des RadioQuiz-Simulators und Co-Moderator des Veterinär-Podcasts „Du Coq à l’Âne”.
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